Gamescom

Nachlese: Spannende Gasfuß-Orgien ohne sportliche Simulationsansprüche

Muskel-Puristen streiten gern darüber, ob der Motorsport seine dritte Silbe überhaupt verdient. So manche virtuelle Rennstrecke ist schon auf Monitore gezaubert worden. Auf der Gamescom sorgten aber gerade weniger sportorientierte Fahrspiele für Aufsehen.

vorlesen Druckansicht 52 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Nico Nowarra

Was macht ein gelangweilter Multimilliardär mit einem Faible für schnelle Autos, um sich die Zeit zu vertreiben? Er gründet eine eigene Rennserie, bei der es heiß hergeht. Soweit die Hintergrundgeschichte von "Fireburst", dem neuen Rennspiel von ExDream. Bei diesem unorthodoxen Autorennen ist alles erlaubt: Die Gegner rammen einander, drängen einander in Abgründe oder lassen ihre Kontrahenten kurzerhand in Flammen aufgehen. Feuer ist gwissermaßen das charakteristische Element dieses Spiels: Der Fireburst, dem das Spiel seinen Namen verdankt, ist gleichzeitig extremes Beschleunigungswerkzeug und Waffe – gewissermaßen ein Nachbrenner im wörtlichen Sinne.

Jedes Fahrzeug kann ihn nach Bedarf auslösen. Er verschafft einen kräftigen Schub und hinterlässt gleichzeitig eine brennende Spur auf der Fahrbahn. Wer ihn geschickt einsetzt, bereitet damit nachfolgenden Fahrzeugen einen heißen Empfang. Allerdings lässt sich diese Technik jeweils nur für einen kurzen Moment einsetzen, da ansonsten der eigene Wagen überhitzt und explodiert. Verschiedene Fahrer und Fahrzeuge lassen sich im Laufe des Spiels freischalten, wenn man bestimmte Rennen als Sieger absolviert oder besondere Herausforderungen meistert. Als Releasetermin wurde der 12. November dieses Jahres genannt. Für Windows soll das Spiel rund 36 Euro kosten, für Xbox 360 und Playstation 3 wird es mit über 50 Euro zu Buche schlagen. Ein von einem Fan auf der Gamescom mitgeschnittenes Video ist hier zu sehen.

Wesentlich geordneter geht es bei "Alarm für Cobra 11 – Highway Nights" zu, das im November für rund 45 Euro auf den Markt kommen soll. Publisher ist wie bei Fireburst RTL Games. Wie bereits seine Vorgänger ist auch dieses Spiel thematisch an die gleichnamige RTL-Fernsehserie angelehnt. Dabei geht es um zwei unkonventionelle Autobahnpolizisten, deren Ermittlungsarbeit immer wieder zu wilden Verfolgungsjagden führt. Der Spieler steuert den Wagen des Ordnungshüter-Duos. Die wichtigste Neuerung der aktuellen Fassung ist eine durchgehende Geschichte, die den Spieler fesseln soll. Die gesamte Handlung erstreckt sich über eine Woche im Leben der Ermittler. Zwischen den festen Einsätzen gibt es immer wieder Zufallsmissionen, die dem Spieler Gelegenheit geben, sein Punktekonto aufzubessern. Die eigenwillige Mischung aus Polizeiarbeit und wildem Autorennen ist gelungen; die Grafik wurde gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert. Besonders reizvoll verspricht der Nachtfahrmodus zu werden, der in Köln zwar noch nicht in voller Pracht zu sehen war, aber bereits ziemlich beeindruckend wirkte.

Obgleich mangels der dafür nötigen Lizenzen viele der Fahrzeuge bei "Highway Nights" ohne die Herstellerembleme ihrer Vorbilder erscheinen, erkennt man doch ziemlich klar, an welche Modelle sie erinnern sollen. Da die Hersteller aber auf diese Weise nicht nach ihrer Duldsamkeit in puncto Beulen und Karosserieknautscher an ihren Produkten gefragt werden mussten, konnten die Macher des Spiels ein umfangreiches Schadensmodell einsetzen. Scheiben zerbersten und splittern, Scheinwerfer werden blind und Motorhauben verbiegen sich deutlich sichtbar.

Bei Activisions neuem Rennspiel "Blur" steht ebenfalls nicht sportliche Fairness, sondern das geschickte Verursachen von Schäden im Vordergrund. Es geht um illegale Stadtrennen, bei denen die Fahrer einander mit Hilfe allerlei kriegerischer Vorrichtungen ihrer Wagen beharken. Anders als bei sportlich orientierten Rennsimulationen wie der Colin-McRae-Serie kann sich der Spieler bei Blur nicht nur durch Anstreben der Ideallinie oder durch elegantes Abdrängen seiner Konkurrenten entledigen. Vielmehr steht ihm ein regelrechtes Arsenal an aggressiven Optionen zur Verfügung. Die dafür nötigen Goodies muss er allerdings erst einmal auf der Strecke einsammeln. Bunte Symbole zeigen ihm, wo er ein weiteres Extra findet. Gelingt es ihm gar, mehrere gleiche Items einzusammeln, kann er deren Wirkung verstärken. Ein einzelner EMP-Impuls mag die Bordelektronik eines gegnerischen Fahrzeugs kurzfristig stören. Wenn man jedoch gleich drei davon auslöst, verliert der Konkurrent garantiert die Kontrolle. Ähnlich kumulativ verhalten sich die Schutz-Extras. Ein Schild bewahrt für kurze Zeit vor Schaden, ein Dreierschild hingegen macht das Auto für lange Zeit absolut unverwundbar. Visuell erinnert Blur an den letzten Teil der "Need for Speed"-Reihe, aber zumindest Action-Freunde werden es vom Spielspaß her möglicherweise höher ansiedeln. Das Spiel soll am 6. November für Windows-PCs, Xbox 360 und PS3 erscheinen. (Nico Nowarra) / (psz)