Computex

Gehäuse: Von extra groß bis winzig klein

Wuchtige Gehäuse für Gamer, wohnzimmertaugliche Blechkleider für Helden des Pantoffelkinos und winzig kleine PC-Gehäuse für Minimalisten.

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Von
  • Georg Schnurer

Freunde überdimensionaler, teils skurril anmutender Gehäuse werden auf der Computex seit je her gut bedient: Die Großen und Kleinen aus dem blech- und aluminiumverarbeitende Gewerbe nutzten die Messe in Taiwan schon immer, um zu testen, wie ihre neuen Kreationen beim Kunden ankommen. Waren es in der Vergangenheit vor allem modifizierte Frontblenden, die dem ansonsten eher konventionell aufgebauten Kasten ein auffallendes und bisweilen tierisches Image verpassen sollten, sind es heute vor allem komplett neu konstruierte Blechkleider, die die Aufmerksamkeit des Publikums erregen.

Etwas schmaler geworden: El Diablo Advanced von ACase

Ein typisches Beispiel ist "El Diablo Advanced" von ACase, einem Unternehmen aus dem MaxPoint-Verbund. Die überarbeitete Version des bereits auf der CeBIT als Prototyp gezeigten Gehäuses ist nun im hinteren Teil etwas schmaler geworden. Dadurch kommt der turbinenartige riesige Frontlüfter besser zur Geltung. Die große Kiste (205 mm × 520 mm × 570 mm) bietet Platz für fünf 5,25"-Laufwerke, ein extern zugängliches 3,5"-Gerät sowie sieben 3,5"-Festplatten.

Auffällig auch der Ra X10 von der erst im Juni 2008 von ehemaligen Gigabyte-Mitarbeitern gegründeten Firma Ikonik. Der mit 220 mm × 572 mm × 606 mm ganz und gar nicht kleine Tower verbirgt hinter der Alu-Frontklappe sechs 5,25:"-Laufwerke und bietet im Inneren Platz für bis zu zehn Festplatten. In der ebenfalls erhältlichen Version mit Wasserkühlsystem (Ra X10 Liquid) sind es allerdings "nur" noch acht. Immerhin 13 im Gehäuse verteilte Lüfter sollen für einen ausreichenden Luftstrom auch bei Bestückung mit extremer Hardware sorgen. Zum Gehäuse gehört eine Kontrolleinheit mit sechs frei platzierbaren Temperatursensoren, die etwa an die Speichermodule, die Grafikkarte und andere Komponenten im PC-Inneren geklebt werden können. Daneben überwacht die Einheit natürlich auch die Geschwindigkeit der Lüfter – und in der Version mit Wasserkühlung auch die Funktion der Pumpe. Via USB-Port kommuniziert die Überwachungseinheit mit dem PC. Zur Darstellung der ermittelten Messwerte dient eine Windows-Software (Vista und XP). Verkaufspreise des laut Hersteller im dritten Quartal verfügbaren Gehäuses standen zur Computex noch nicht exakt fest, die Version ohne Wasserkühlung dürfte aber mit etwas mehr als 300 Euro zu Buche schlagen; wer mit dem Ra X10 Liquid liebäugelt, muss wohl knapp 500 Euro zusammensparen.

Ebenfalls zu den Monstern unter den auf der Computex gezeigten Gehäusen gehört "Raven" von Silverstone. Das mattschwarze Gehäuse erinnert auf den ersten Blick an einen Stealth-Fighter und soll laut Hersteller zu einem äußerst aggressiven Preis auf den Markt kommen. Die Stahlkonstruktion mit Plastik-Applikationen sei so konstruiert, dass sie für weniger als 200 Euro unters Volk gebracht werden könne, verriet uns Product Manager Tony Ou. Das Rabengehäuse ist aber nicht nur optisch etwas Besonderes: Auch bei der Positionierung des Boards ging Silverstone eigene Wege. Es wird quasi "auf dem Kopf" eingebaut. Die Seite mit dem I/O-Pannel und den Steckplätzen zeigt nach oben. Silverstone verspricht sich von dieser Einbauvariante eine deutlich verbesserte Durchlüftung des Gehäuses. Der Kamineffekt sowie eine kleine Lüfterarmada sollen die eingebauten Komponenten optimal kühlen. Damit es kein hässliches Kabelgewirr an der Gehäuseoberseite gibt, verbirgt eine Blende die sonst übliche Unordnung.

Nicht mehr ganz so hoch hinaus will Lian Li: Der auf der CeBIT vorgestellte schwarze Riese PC-X2000 (230 mm × 430 mm × 680 mm) hat einen kleinen Bruder bekommen. Der PC-X500 misst nur noch 230 mm × 380 mm × 570 mm, wartet dafür aber mit einem "Klimazonen-Design" auf: Netzteil und Laufwerke bilden eine, das Board und die darauf untergebrachten Steckkarten den anderen jeweils abgeschlossenen Bereich. Jede Klimazone wird separat durchlüftet. Wie beim PX-X2000 befinden sich die von außen zugänglichen Schächte für zwei 5,25"-Laufwerke und ein 3,5"-Gerät an der linken Gehäuseseite – eine Positionierung, die sicher nicht jedermann zusagt. Doch Gehäuse für "Jedermann" wollte Lian Li ohnehin nie designen.

Gehäuse: Von extra groß bis winzig klein (25 Bilder)

Das Ra X10 von Ikonik wartet mit einer ganzen Lüfter-Armada auf.

Etwas speziell ist denn auch das zur Computex erstmals präsentierte XBox360-Gehäuse XB-01 geraten. Wem das Microsoft-Design des Originals nicht gefällt, der kann seine XBox demontieren und die Komponenten in das schicke schwarze Gehäuse von Lian Li verfrachten. Das soll die XBox360 nicht nur schöner, sondern auch leiser machen. So richtig wohnzimmertauglich wird die im Originalgehäuse prächtig vor sich hinlärmende Spielkonsole durch den Umbau allerdings auch nicht. Wer's wirklich leise haben will, kommt nicht umhin, auch noch das Laufwerk der XBox gegen ein leiseres Modell auszutauschen.

Lian Li's neue Gehäusemarke für jedermann: Lancool

Standardgehäuse findet man im Sortiment von Lian Li eher nicht. Allerdings will der Hersteller diesen Markt auch nicht völlig ignorieren. Also gründete man kurzerhand das Label "Lancool". Unter dieser Marke will man ein recht üppiges Programm klassisch aufgebauter Gehäuse unters Volk bringen. Die Lancool-Blechkleider sollen deutlich preisgünstiger zu haben sein als die weiterhin unter Lian Li segelnden Nobel-Blechroben. Einfache 0815-Gehäuse will man aber nicht anbieten. So kreierte man den Begriff "Hybrid Aluminium Case". Darunter versteht der Hersteller ein Gehäuse mit Blechkern, dessen sichtbare Teile – Front, Deckel, Seiten – aber aus schickerem Aluminium sind. Hübsch anzusehen, aber trotzdem bezahlbar, lautet also das Credo von "Lancool".

Doch zurück zu den "großen Kisten": In diese Kategorie gehört auch "Spedo", das wie das PX-X500 von Lian Li mit einem Klimazonen-System arbeitet. Allerdings separiert Thermaltake die verschiedenen Temperaturzonen im Gehäuse deutlich feiner als Lian Li. Als weitere Besonderheit preist man das Kabelmanagement: Um Chaos zu vermeiden, werden die Kabel weitgehend hinter dem Board-Träger geführt. Allzu viele Details des neuen Gehäuses wollte Thermaltake allerdings nicht verraten. Klar ist aber, dass man mit dem Spedo vor allem rennsportbegeisterte männliche Käufer ansprechen will. Auf den Rennsport verweist am Thermaltake-Stand vor allem die Dekoration rund um das Spedo-Gehäuse. Fürs Anlocken des männlichen Publikums waren dann spärlich-martialisch bekleidete junge Damen zuständig, die mehr der weniger begeistert für die umherziehenden Fotografen posierten.

Martialische Pose vor Thermaltake-Gehäuse

Apropos "martialisch" – diese Vokabel fällt einem auch spontan ein, wenn der Blick auf das neue Wohnzimmer-PC-Gehäuse von Thermaltake fällt: Die wirklich extrem hohe Box namens Luxa 300 mit integriertem 7"-Touchscreen-Display dominiert mit ihrer Höhe von gut 20 cm spielend jedes Wohnzimmer. Wem das bislang vor allem in Japan für umgerechnet etwa 600 Euro angebotene Gerät zu kostspielig erscheint, vermag sich eventuell auch für das Luxa 200 mit gleicher Größe, aber ohne Display begeistern. Es soll für etwa 300 Euro zu haben sein. Wohnzimmer zu klein? Na, dann passt vielleicht das deutlich kleinere Modell Luxa 100.

Noch namenlos ist der von Chieftec gezeigte Prototyp eines Wohnzimmer-PCs. Es ist für Systeme auf Basis von Intels Atom-Plattform ausgelegt. Das elegant-schwarze Alugehäuse soll mit einem via USB angesteuerten Display auf den Markt kommen.

Gleich eine ganze Armada wohnzimmertauglicher Gehäuse gab es bei GlacialTec zu bewundern: Neben einem bereits in Deutschland erhältlichen Flachmann mit konventioneller Luftkühlung (Altair A380) offeriert das Unternehmen auch zwei MCE-Gehäuse für passiv gekühlte Systeme. Die Abwärme von CPU und Co. wird bei beiden Modellen über Heatpipes an dicke, mit Kühlrippen versehene Seitenteile geleitet. Weitergehende Details – etwa zu den unterstützten Boards und Prozessorklassen behielt GlacialTech allerdings ebenso für sich wie den zu erwartenden Preis der beiden Leisetreter.

Wenig Informationen gab es auch zu den eher konventionell anmutenden 3-Liter-Gehäusen von Chenbro. Sie sind vor allem für Systeme auf Basis von Intels Atom-Plattform im Projektgeschäft vorgesehen. Ob die schnuckeligen kleinen Kisten je ihren Weg in die einschlägigen Onlineshops finden werden, bleibt abzuwarten.

Als einer der ganz Großen im Gehäuse-Geschäft hat Chenbro natürlich auch anderes zu bieten. Neben 19"-Racks für Blade-Systeme von Tyan (S2934) und Supermicro (X7DBT) fielen vor allem die 19"-Einschübe für Speichersubsysteme ins Auge. "Darfs noch etwas mehr sein?" will man etwa spontan fragen, wenn der Blick auf das 6U-Gehäuse RM61134 fällt, in dem mal eben 36 3,5"-Festplatten Platz finden. Eng gedrängt geht es auch im brandneuen RM41648 zu. Es eignet sich zum Aufbau von Speichersystemen mit bis zu 48 Festplatten im 2,5"-Format. Der besondere Clou dieses Systems: Sein modularer Aufbau ermöglicht eine flexible Bestückung. Wird etwa ein optisches 5,25"-Laufwerk benötigt, tauscht man einfach eines der vier Gehäusemodule etwa gegen eines mit vier 2,5"-Festplatteneinschüben und ein Slimline-Laufwerk oder gegen eines mit konventionellem 5,25"-Laufwerk und zusätzlichem Diskettenschacht aus.

Wem das noch nicht flexibel genug ist, der lässt sich einfach eine eigene Kleinserie von Chenbro bauen. Ab etwa 50 Stück fertigt der Hersteller auch nach Kundenwunsch modifizierte Gehäuse. Ein moderner CNC-gesteuerter Maschinenpark ermögliche das innerhalb von 10 bis 14 Werktagen zu überschaubaren Kosten, versicherte uns Ida Lin, die als Projektmanagerin bei Chenbro für kundenspezifische Lösungen verantwortlich zeichnet. (gs)