Prognos: Gasmangellage tritt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ein

"Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann eine Gasmangellage verhindert werden", schreiben die Analysten von Prognos. Es blieben aber Risiken.

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Enovos betreibt den Erdgasspeicher im pfälzischen Frankenthal. Unter diesen Gebäuden wird unter Tage Gas gespeichert.

(Bild: Enovos)

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Das Beratungsunternehmen Prognos AG rechnet für den kommenden Winter nicht mit Engpässen in der Gasversorgung. Einsparbemühungen ließen sich im Januar "nicht mehr nachweisen, weder bei privaten Haushalten noch in Industrie und Gewerbe". Das milde Wetter habe für einen niedrigen Gasverbrauch gesorgt, schreiben die Prognos-Analysten in einer Studie für die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW). Die Erdgasimporte aus Norwegen und die Flüssiggas (LNG)-Mengen vom Weltmarkt seien auf hohem Niveau.

Russland hat zwar seine Pipelinetransporte nach Deutschland komplett eingestellt, "die LNG-Lieferungen aus Russland in die EU sind aber weiterhin auf hohem Niveau". Mit der Fertigstellung dreier LNG-Terminals und dem Bau von drei weiteren steige die Versorgungssicherheit. "In Summe kann mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Gasmangellage verhindert werden." Risiken blieben bei den Einsparbemühungen, hinsichtlich möglicher Sabotage an Pipelines, den Temperaturen im kommenden Winter und den Folgen politischer Eingriffe. Der VBW formuliert es so: "Die Gefahr einer erheblichen Unterversorgung ist deutlich geringer geworden, bleibt aber real."

"Der Verbrauch lag erstmals seit einem Jahr wieder über dem temperaturbedingten Referenzwert", heißt es in der Studie "Monitoring der deutschen Gasbilanz" (PDF). Im Januar 2023 habe er deutschlandweit zwei Prozent über dem langjährigen Durchschnitt des witterungsbedingten Verbrauchs gelegen. "Damit lassen sich zum ersten Mal seit April 2022 keine verhaltensbedingten Einsparungen mehr nachweisen", sagte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Für die Versorgungssicherheit müsse dauerhaft Erdgas eingespart werden, sonst bestehe im nächsten Winter die Gefahr einer Unterversorgung.

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Um diese zu verhindern, müsse laut dem Gas-Monitoring die Nachfrage um mehr als 15 Prozent reduziert werden. 2023 fehlten Pipeline-Gasimporte aus Russland vollständig. Ein strenger Winter 2023/24 könnte schnell zur ernsten Belastungsprobe werden, warnt der VBW.

Die Gasspeicher in Deutschland sind gut gefüllt. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, hatte im Februar darauf hingewiesen, dass es beispielsweise mit dem vergleichsweise milden Winter einen Faktor gebe, der zu der entspannteren Lage geführt habe. Darauf sollten sich die Menschen in Deutschland aber nicht verlassen. Der Gesamtfüllstand der deutschen Gasspeicher sinkt momentan von Woche zu Woche, er liegt mit zuletzt 64,35 Prozent immer noch über dem Mindestziel vom Februar.

(anw)