Branchenkrise macht vor Herstellern von PDA-Messeplanern nicht Halt
Brandenburger Programmschmiede Lesswire hat den elektronischen Messeplaner fĂĽr die CeBIT erstellt.
Auf Orientierungshilfe aus schwerem Papier können die Besucher der CeBIT 2003 verzichten. Auf der weltgrößtem Computermesse profitieren die Gäste schon direkt bei ihrem Rundgang vom dort demonstrierten technischen Fortschritt. "Wir haben für alle Gäste Messeplan und Katalog für die Westentasche", verspricht Anja Boelicke von der Lesswire AG aus Frankfurt (Oder). Die Softwarefirma mit Sitz im äußeren Osten Deutschlands stellt auf der CeBIT die neueste Version ihres FairGuide vor.
Die Software des elektronischen Messe-Führers ist für die kleinen tragbaren PalmOS-- und Pocket-PC-PDAs gedacht. Jeder Besucher kann sie sich von der Internetseite der CeBIT kostenlos auf seinen Handcomputer überspielen. Auf der Messe gibt es Datentankstellen, an die sich der FairGuide andocken lässt. Auf dem persönlichen Bildschirm erscheint dann der Plan aller Messehallen. Außerdem gibt es die Telefonnummern und Internetadressen aller 6500 Aussteller.
"Der Besucher kann mit dieser Software schon im Hotel oder im Zug seine Tour über das riesige Messegelände planen", beschreibt Boelicke, die das FairGuide-Projekt betreut. "Er muss dafür nur seine Interessen und Wunschfirmen in seinen Handcomputer eingeben, dann wird er über Bildschirm durch die Messe geführt."
Auch die Frankfurter Firma selbst ist auf dem elektronischen Plan zu finden: Unter den Koordinaten Halle 13, Stand D37. "Wir präsentieren auf dieser Messe mehrere Softwarelösungen für die drahtlose Verbindung von Computersystemen", sagt Firmenchef Ralph Meyfahrt. Die an der Oder entwickelte Software ist für die Industrie gedacht; sie soll Produktionsprozesse von Serienfertigungen steuern und überwachen.
Mit den Lesswire-Produkten lassen sich etwa die Lieferkette in der Autoproduktion oder die Abnutzung von Werkzeugen kontrollieren. "Damit können Stillstandszeiten reduziert und die Kosten in der Produktion gesenkt werden", erklärt Meyfahrt. Ein großer deutscher Autohersteller kontrolliert seine Produktion bereits mit der Software von Lesswire. Auf der CeBIT sollen weitere Kunden gefunden werden.
"Die Krise in der IT-Branche ging auch an uns nicht spurlos vorbei", sagt Meyfahrt. Der Start des brandenburgischen Unternehmens war lehrbuchreif: 1998 bekamen die Frankfurter, die damals noch beim Halbleiterphysikinstitut IHP forschten, im Multimedia- Gründerwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums den Preis für die beste Geschäftsidee. 1999 gründeten sie das Unternehmen.
Die junge Firma wuchs schnell, wurde bekannt und erhielt weitere Auszeichnungen. Ein Jahr nach dem Start etwa ging der Software- und Multimedia-Preis des Landes Brandenburg an die Oder. Ein Jahr darauf bekam Lesswire auf der CeBIT 2001 einen "Kommunikations-Oscar" fĂĽr den FairGuide, der mittlerweile weiter entwickelt wurde.
Zwei Jahre nach dem Start hatte Lesswire 32 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von rund 2,4 Millionen Euro. Derzeit arbeiten in dem ostdeutschen Unternehmen noch 15 Mitarbeiter. Dass die Industrie nur zögerlich investiert, spürt das Unternehmen tagtäglich. "Das Jahr wird hart werden, aber Meckern und Jammern allein hilft nicht, wir müssen halt besser arbeiten und neue Produkte anbieten", meint der Chef. (Wilko Döll, dpa)/ (tol)