KPN EuroRings schneidet alte Zöpfe ab

Im vergangenen Sommer hatte die Krise und der kurz darauf folgende Zusammenbruch des Konzerns KPNQwest für Schlagzeilen gesorgt. Mitterweile hat KPN die Umstrukturierung des IP-Carriers fast abgeschlossen.

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Im vergangenen Sommer hatte die Krise und der kurz darauf folgende Zusammenbruch des Konzerns KPNQwest für Schlagzeilen gesorgt. Der niederländische IP-Carrier, gemeinsame Tochter von KPN und dem US-Konzern Qwest, strich die Segel, weil er sich mit dem Aufbau eines hochmodernen europäischen Glasfaser-Netzwerks finanziell übernommen hatte. Dazu kamen wohl Missmanagement und, wie sich im Nachhhinein herausgestellt hat, eine ineffiziente Vertriebsstruktur. Mit in den Sog des Untergangs wurden damals auch viele regionale Ableger gezogen -- wie zum Beispiel die KPNQwest Germany GmbH.

Nach einem zähen Verhandlungmarathon erhielt schließlich die holländische KPN den Zuschlag für den Aufkauf einiger Teilsegmente des Netzwerks, darunter auch der insgesamt rund 3500 Kilometer langen deutschen EuroRing. Andere Besitztümer der KPNQwest Germany wurden von der Insolvenzverwaltung ebenso weiterveräußert, etwa die Hosting-Rechenzentren in Karlsruhe und München.

Mittlerweile hat still und leise die niederländische KPN EuroRings B.V. ihren Betrieb aufgenommen. Sie versteht sich als reinrassiger IP-Carrier und betreibt das nach wie vor EuroRings genannte Glasfasernetz zentral von Den Haag aus. Von Hosting-Angeboten oder fehlgeschlagenen KPNQwest-Abenteuern wie dem Aufbau eines DSL-Netzes will man dort nichts mehr wissen. Man beschränke sich jetzt auf die viel beschworenen "Kernkompetenzen", nämlich IP-Durchleitung über ATM-, SDH- und DWDM-Services, lässt das Unternehmen wissen.

Die übrig gebliebenen 35 deutschen Vertriebsmitarbeiter in Frankfurt wollen nun am 9. April offiziell den "Marktstart der KPN EuroRings Services in Deutschland" einläuten, hieß es heute. Größter Abnehmer sei momentan der ebenfalls zu KPN gehörende Mobilfunk-Anbieter E-Plus, erklärte Marketing-Managerin Bettina Wiedemann im Gespräch mit heise online. Einen weiteren großen Kunden werde man aber schon demnächst präsentieren können, versicherte sie.

Die meisten Kunden von KPNQwest hat der neue Carrier wohl aber während der Krise im vergangenen Jahr verloren. Insider berichten, dass nur knapp 50 Kunden die Treue gehalten haben, darunter einige kleinere POPs. Noch dazu habe man nun auch noch das Baden-Württembergische Landeshochschulnetz BelWü als Abnehmer von Carrier-Leistungen verloren. Der Standort Karlsruhe werde Ende März komplett geschlossen. (hob)