Bitkom sagt IT-Branche Null-Wachstum voraus

Der Branchenverband Bitkom rechnet fĂĽr das laufende Jahr 2003 mit einem Null-Wachstum der deutschen IT-Branche.

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Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) rechnet für das laufende Jahr 2003 mit einem Null-Wachstum der deutschen IT-Branche. Das teilte Volker Jung, Präsident des Branchen-Verbandes, heute im Vorfeld der CeBIT mit. Damit könne Deutschland nicht "an die international gültigen Wachstumswerte anschließen" und sei europaweit Schlusslicht. Das Tal sei aber durchschritten: "Wir haben das Schlimmste hinter uns", machte Jung Hoffnung.

Die Prognose in diesem Jahr sei deutlich schwieriger zu erstellen gewesen als in den Jahren zuvor. Verantwortlich dafür seien weltpolitische Unwägbarkeiten sowie Fragezeichen hinter dem Kurs der Bundesregierung. Mehrfach betonte Jung, dass der Verband von der Regierung eine "proaktive" Wachstumspolitik fordert: "Von der Regierungserklärung am Freitag erwarten wir deutlich mehr als die eine oder andere Reform am Rande. Wir erwarten und wir brauchen einen Richtungswechsel", erklärte Jung.

Die Aufschlüsselung der Umsatzzahlen nach einzelnen Marktsegmenten förderte laut Jung gravierende Unterschiede zu Tage: Telekommunikationsdienste trotzen der Marktlage und legen nach den Bitkom-Zahlen zurzeit jährlich um 4 bis 5 Prozent pro Jahr zu. Einen deutlichen Schub erwartet sich der Bitkom vom Start der vier UMTS-Netze in der zweiten Jahreshälfte. Ergänzt werde diese positive Tendenz vom Aufbau einer WLAN-Infrastruktur in Deutschland, sodass ab 2005 mit "der zweiten Phase des Internet" zu rechnen sei: Der Trend geht weg vom stationären PC-Netz und hin zum mobilen Internet mit einer großen Vielfalt unterschiedlichster Endgeräte".

Parallel zum Telekommunikations-Wachstum werden allerdings im Hardware-Markt laut Bitkom-Prognose von 2001 bis 2004 knapp 5 Milliarden Euro verloren gehen. Nur dem Markt für mobile Endgeräte attestierten die Bitkom-Forscher einen eigenen Rhythmus. Hier seien im vergangenen Jahr 2002 6 Milliarden Euro umgesetzt worden. Der Branchenverband erwartet, dass diese Zahl bereits in diesem Jahr deutlich übertroffen wird.

Wie üblich hat Verbands-Präsident Jung die Verkündung der Jahreszahlen mit deutlichen Seitenhieben in Richtung Politik verbunden. Der Arbeitsmarkt sei nach wie vor "hoffnungslos überreguliert". Die Unternehmen sollen endlich in die Lage gebracht werden, ihre Kostenstrukturen rasch anzupassen, wenn die Nachfrage wegbreche, forderte Jung.

Außerdem solle die Bundesrepublik wie andere Länder auch PCs und Drucker ausdrücklich von der Pauschalabgabenpflicht für das Urheberrecht ausnehmen, sagte Jung. Momentan hielten die Verwertungsgesellschaften bei jeder Produktinnovation sofort die Hand auf. Jung betonte, dass eine pauschale Vergütung lediglich für eine erlaubte Privatkopie zu leisten sei und keineswegs als "Entschädigung für Piraterieakte oder Raubkopien" zu verstehen sei. "Weil aber diesen Unterschied so gut wie niemand begreift, wird die Pauschalabgabe als Persilschein für jede Art von Kopieren verstanden und im Übrigen von den Verwertungsgesellschaften genauso verkauft." Als nächstes erwarte der Bitkom eine Urheberrechtsabgabe auf Papier, witzelte Jung.

Positive Impulse erwartet sich der Bitkom von der CeBIT. Zwar sei die Branchenkrise "auch an Hannover nicht spurlos vorbeigezogen, aber die CeBIT hat sich insgesamt gut behauptet", erklärte Jung. Während andere Messen Einbrüche von bis zu 50 Prozent hätten hinnehmen müssen, habe die CeBIT ihre "Rolle als weltweit führende Leitmesse" nicht nur gehalten, sondern sogar gestärkt. (hob)