US-Profisport künftig live im Internet
In den USA können Abonnenten ab dem Frühjahr wöchentlich 45 Spiele der Major League Baseball live im Internet verfolgen.
In den USA werden ab dem Frühjahr erstmals Profi-Baseball-Spiele live im Internet übertragen. Der Web-Ableger der Ligavereinigung Major League Baseball (MLB) kündigte heute in New York die Einspeisung von rund 1000 regulären Spielen der Saison 2003/04 in das World Wide Web an. Für knapp 15 US-Dollar im Monat oder 80 US-Dollar für die komplette Saison können Internet-Nutzer mit Breitbandanbindung die Spiele über den MLB.TV-Service empfangen. Auch eine Pay-per-View-Option für drei bis vier US-Dollar je Spiel ist vorgesehen.
Ausgenommen vom Online-Empfang sind jedoch alle Übertragungen, die landesweit im TV ausgestrahlt werden sowie die Heim- und Auswärtsspiele der Mannschaften, die in der Nähe der Abonnenten beheimatet sind. Ähnlich wie bei Zutrittsbeschränkungen zu Online-Spielbanken kommt dazu eine so genannte Geo-Lokalisierungs-Technik zum Einsatz: Über die IP-Adresse wird der Einwahlort des Abonnenten bis auf einen Radius von etwa 20-50 Meilen festgestellt und basierend auf diesen Informationen der Zugriff auf die angebotenen Spielpaarungen erlaubt oder verweigert.
Kunden von ISPs, die den Datenverkehr über zentrale Server-Parks routen, Nutzer von Anonymisierungs-Software oder Abonnenten, die den Wohnort gewechselt haben, sollen von Service-Mitarbeitern der MLB direkt kontaktiert werden. Sie müssen ihren Standort dann durch die Angabe einer Festnetz-Telefonnnummer legitimieren, unter der sie während der Übertragung erreichbar sind. Nach Angaben der MLB sollen die Online-Abonnenten trotz der Einschränkungen im Schnitt 40 Prozent der Übertragungen oder rund 45 Spiele pro Woche sehen können.
Laut Major League Baseball gibt es eine signifikante Nachfrage nach Übertragungen von Spielen, an denen Mannschaften beteiligt sind, die nicht im unmittelbaren Einzugsbereich der Fans beheimatet sind. Ähnlich wie in der deutschen Bundesliga -- Bayern München allein soll bundesweit mehr als acht Millionen Anhänger haben -- verteilen sich die Fans der insgesamt 30 Profi-Baseball-Mannschaften in den USA über den ganzen Kontinent. Eine ausgemachte Zielgruppe sind nach MLB-Angaben auch Geschäftsreisende, die fern vom Heimatort die Spiele ihrer Lieblingsmannschaft dann im Hotel miterleben könnten.
Für die kriselnden Sport-TV-Sender in den USA bedeutet der Online-Vorstoß der MLB unterdessen ein weiterer Schlag ins Kontor. Die TV-Verträge der Baseball-Liga mit Fox und ESPN über sechs Jahre und einem Gesamtvolumen von 3,3 Milliarden US-Dollar laufen demnächst aus und es ist fraglich, ob diese gigantische Summe bei einer Abwanderung der Kunden zu Online-Diensten künftig über Werbeeinnahmen gedeckt werden kann. Schon jetzt müssen die Fernsehanstalten CBS, ABC und Fox gemeinsame Verluste von 5,5 Milliarden US-Dollar kompensieren, die sie im Rahmen langjähriger Übertragungsrechte für die Lieblingssportarten der US-Amerkaner (Football, Baseball, Basketball, Eishockey) eingefahren haben. (pmz)