Multimedia-Verband findet Zahlen besser als die Stimmung
Digitale Wirtschaft ist offiziell als eigener Wirtschaftszweig in Deutschland anerkannt.
"Das Wachstum in den Marktsegmenten der digitalen Wirtschaft ist im Vergleich zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung überdurchschnittlich gut." So versuchte Rainer Wiedmann, Präsident des Deutschen Multimediaverband (dmmv) und geschäftsführender Gesellschafter bei der Agentur die Argonauten, bei der Jahrespressekonferenz seines Verbandes gute Stimmung zu verbreiten. Bei rückläufiger Anzahl von Unternehmen und Arbeitsplätzen sei der Pro-Kopf-Umsatz deutlich gestiegen. "Die gesamte Branche hat sich 2002 nicht nur konsolidiert, sondern auch weiter professionalisiert", so Wiedmann. Allein der Umsatz im B2C-Handel beim E-Commerce habe im vergangenen Jahr um 60 Prozent zugelegt, auch legte Online als einziges Medium bei den Bruttowerbeaufwendungen zu -- um 20,9 Prozent.
Für Diskussionen sorgten allerdings andere Zahlen, die der Verband vorlegte. Demnach habe die Digitale Witschaft 2002 ein Gesamtvolumen von rund 107,2 Milliarden Euro und mehr als eine Millionen Arbeitsplätze gehabt. Diese Zahlen weichen deutlichab von denen, die der Unternehmerverband Bitkom gestern vorlegte. Der Verband geht von etwa 750.000 Arbeitsplätzen in der Branche aus. Gegenüber Journalisten erklärte Rudolf Gallist, Vizepräsident des dmmv, dass in den Zahlen seines Verbandes die Mitarbeiter der Fachabteilungen großer Unternehmen, die von der digitalen Wirtschaft abhängen, eingerechnet wurden.
Im kommenden Jahr wird solches Zahlenkuddelmuddel vermutlich der Vergangenheit anghören. Auf Initiative des dmmv wurde die digitale Wirtschaft nun als offizieller Wirtschaftszweig anerkannt und wird demzufolge demnächst vom statistischen Bundesamt detalliert ausgewertet. Vor diesem Hintergrund reorganisiert sich derzeit auch die Verbandslandschaft. So haben die Mitglieder des Verbandes der Softwareindustrie -- deren Vorstandsvorsitzender Gallist ist -- bereits im vergangenen Herbst den Weg für den Zusammenschluss mit dem dmmv frei gemacht. "Die neue Allianz stellt für alle Unternehmen der Internet-, Multimedia-, und Softwarebranche die dringend erforderliche, angemessene und durchsetzungsfähige Interessenvertretung dar", so der ehemalige Microsoft-Deutschland-Chef. (tol)