Die Woche: Eine unendliche Geschichte?
Der Streit zwischen der SCO Group und Novell um das Copyright an Unix geht in eine neue Runde – aber unter veränderten Vorzeichen: Jetzt führt bei SCO ein Konkursverwalter die Geschäfte.
Wem gehört das Copyright an Unix? Darum streiten die SCO Group und Novell seit 2004 vor Gericht. Vor zwei Jahren schien die Frage geklärt: Ein Urteil sprach Novell das Copyright zu. Aber SCO ging in Berufung. Jetzt wurde das alte Urteil aufgehoben, und nun muss die Frage neu verhandelt werden.
Warum ist das Copyright an Unix für die SCO Group so wichtig? Es ist die Voraussetzung für den Prozess gegen die IBM, die angeblich Code aus Unix in die Linux-Quellen eingebracht haben soll, und der diffusen Drohungen gegenüber Linux-Anwendern (die ganze Geschichte hat Mirko Dölle vor einigen Monaten zusammengefasst). Kein Wunder also, dass SCO-Chef Darl McBride die Aufhebung des Copyright-Urteils aus der vorigen Instanz als Sieg feierte.
Ist die ganze SCO-Geschichte also wieder auf dem Stand von 2004, als die Frage des Copyrights an Unix erstmals vor Gericht ging? Nicht ganz. SCO steht seit zwei Jahren unter Gläubigerschutz, gerade hat das Gericht einen Konkursverwalter bestellt. Während SCO-Chef Darl McBride immer mehr den Eindruck erweckte, sich auf einem persönlichen Rachefeldzug gegen Linux zu befinden, führt jetzt ein erfahrener Jurist die Geschäfte von SCO.
Der muss nun nicht nur prĂĽfen, wie groĂź die Chancen sind, dass die Neuauflage des Prozesses mit Novell das Unix-Copyright SCO zuspricht. Er wird sich auch fragen, was aus einem eventuellen Prozessgewinn folgt: Lassen sich aus dem Copyright an Unix ĂĽberhaupt konkrete AnsprĂĽche ableiten? Gegen wen? Kann man finanzielle Forderungen erheben, und lassen sie sich auch durchsetzen? Und was wird das alles kosten?
Dem Unternehmen stünden damit eine Menge riskante, teure, lang dauernde Prozesse ins Haus. Vor dem Hintergrund, dass SCO seit Jahren rote Zahlen bei rückläufigem Umsatz schreibt (siehe Tabelle) und – bei bereits bestehenden Schulden von über 4 Millionen US-Dollar Ende 2008 – gerade zur Zahlung von 2,5 Millionen US-Dollar Lizenzgebühren an Novell verurteilt wurde, dürfte Konkursverwalter Edward Cahn die Risiken gründlich gegen den möglichen finanziellen Gewinn abwägen. Und dem juristischen Treiben vielleicht (endlich) ein Ende setzen. (odi)
| Umsatz- und Gewinnentwicklung der SCO Group | ||
| in Millionen US-Dollar | ||
| Jahr | Umsatz | Nettogewinn/-verlust |
| 2004 | 42,8 | -16,2 |
| 2005 | 36,0 | -10,7 |
| 2006 | 29,2 | -16,6 |
| 2007 | 21,7 | -6,8 |
| 2008 | 15,6 | -8,7 |
(odi)