Espresso auf Zuruf: Neues aus den IT-Laboren
Auf der CeBIT lassen sich die IT-Labore in die Karten schauen. Sie zeigen, wie die Technik das Leben kĂĽnftig angenehmer machen soll.
Jeden Morgen das gleiche Bild in vielen deutschen Schlafzimmern: Jedes Wort eine Qual, die Bewegungen unkoordiniert, ohne Kaffee geht gar nichts. Für Menschen, die nur schwer in den Tag kommen, gibt es künftig eine Starthilfe: Den Kaffee auf Zuruf. Ein gemurmeltes "Espresso" genügt und schon steht er bereit. "Lassen Sie es sich schmecken", flötet eine freundliche und gar nicht müde Frauenstimme -- der Tag kann beginnen. Auf der CeBIT lassen sich die IT-Labore in die Karten schauen. Sie zeigen, wie die Technik das Leben künftig angenehmer machen soll.
Die Firma Voice Inter Connect (Halle 11, Stand D31) aus Dresden hat den hörenden und sprechenden Kaffeeautomaten entwickelt. Wer ihm keine Zeit lässt und die Tasse zu früh greift, bekommt Ärger: "Bitte warten Sie das nächste Mal, bis ich fertig bin", mahnt die Frauenstimme. Der Chip zur Sprachsteuerung -- so groß wie eine Streichholzschachtel -- macht die Maschine rund 30 Euro teurer. "Er kann auch in Lichtschalter oder Telefon eingebaut werden", sagt Oliver Jokisch von Voice Inter Connect. Bis zu 512 Wörter könne der Chip erkennen -- "auch Dialekte und Fremdsprachen sind möglich". Noch seien aber die Hersteller unschlüssig. "Wir müssen uns endlich gedanklich davon lösen, dass Maschinen nur über Knöpfe zu bedienen sind."
Die Technik kann künftig auch das Leben von Mechanikern in Auto- oder Flugzeugwerkstätten erleichtern. Der Techniker braucht nur eine High-Tech-Brille und schon kann er die kompliziertesten Reparaturen angehen. Die Fachleute von Arvika nennen das "Agieren mit Augmented Reality" (Arbeiten mit erweiterter Realität). Der winzige Bildschirm direkt vor den Augen überlagert den defekten Motor mit virtuellen Anweisungen für die richtigen Handgriffe: etwa "mit einer Kraft von 8 Newton-Metern diese vier Schrauben anziehen. Grüne Pfeile zeigen die richtige Drehrichtung.
"Ich bekomme so die Informationen genau an der Stelle, wo ich sie brauche -- am Gerät", meint Morten-Bo Jensen von BMW. Jeder Mechaniker könnte mit der Technik zum Beispiel auch Wartungsarbeiten an der komplizierten Technik des neuen 7er BMW machen. Ausgereift ist sie freilich noch nicht. Denkbar wäre aber auch ein Einsatz für die Medizin, meint Jensen.
Für die Medizin hat das Forschungszentrum Karlsruhe das Endoskopie-Trainingssystem Kismet entwickelt. "Es ist gedacht für die Aus- und Weiterbildung von Chirurgen", meint Kemal Cakmak. Die angehenden Ärzte operieren am Bildschirm. Auf der CeBIT können Besucher probeweise einem 46 Jahre alten Patienten ("starker Raucher") die Gallenblase entfernen.
Die Instrumente sind echt und bei dem virtuellen Eingriff simulieren sie sogar den Widerstand, den der Chirurg überwinden muss, wenn er Adern, Sehnen oder Gewebe durchschneidet. "Wir haben an Schlachtmaterial Messungen gemacht und den Widerstand exakt nachgebildet", meint Cakmak. Auch für die Vorbereitung komplizierter Eingriffe kann das serienreife Gerät eingesetzt werden. KISMET überträgt Daten aus einer Computertomografie und erstellt ein individuelles dreidimensionales Patientenbild auf der Mattscheibe. (Kathrin Schulte-Bunert, Hartwig von Saß, dpa) / (anw)