Robotik + Automation will Hannover Messe 2004 den Rücken kehren
Zwischen den Messegesellschaften München und Hannover kam es in den vergangenen Wochen zu einem Wettstreit um den Zuschlag für die kleine Robotik-Messe.
Neben allen Problemen mit der Konjunktur angesichts der Irak-Krise treibt den Spitzenvertreter der deutschen Industrie, Michael Rogowski, zurzeit noch eine ganz andere Sorge um. Dabei geht es um die Messelandschaft in Deutschland. "Ich befürchte, dass wir uns zersplittern. Dafür gibt es schon viele Anzeichen." BDI-Präsident Rogowski hat derzeit allen Grund für seine Bedenken, denn der Fachverband Robotik + Automation des Verbandes deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) will mit seinen rund 200 Mitgliedern von 2004 an Hannover den Rücken kehren und plant eine eigene Messe.
"Ich würde es sehr bedauern, wenn ein Teilbereich, etwa Robotik + Automation, von Hannover nach München wandern würde", meint Rogowski. "Ich kann da nur einen Rat geben: Bleibt in Hannover." Der Fortgang würde der Hannover Messe kaum schaden, meint er. "Ich sehe den Schaden eher für die Robotik + Automation selbst." Trotz des klaren Fingerzeigs von Rogowski in Richtung Hannover deutet zurzeit vieles darauf hin, dass die Hersteller nach München gehen wollen. Von den rund 200 Verbandsmitgliedern gehörten rund 40 bislang zur festen Ausstellerschar der Hannover Messe. Eine Entscheidung soll schon gefallen sein, der VDMA-Fachverband will sich aber erst am 25. März äußern, sagt Sprecher Patrick Schwarzkopf. Dafür entfalle auch das traditionelle "Pressefrühstück" knapp zwei Wochen später auf der Hannover Messe, heißt es in der Einladung.
Zwischen den Messegesellschaften München und Hannover kam es in den vergangenen Wochen zu einem Wettstreit um den Zuschlag für die kleine Robotik-Messe. Die Spitzenvertreter des Verbandes ließen sich von beiden Gesellschaften Konzepte präsentieren, heißt es in der Branche. Ein wichtiges Argument, so wird gemunkelt, sei auch, dass viele der Verbandsmitglieder aus Süddeutschland kommen. Es sollen auch persönliche Gründe eine Rolle spielen.
Für die Hannover Messe wären 40 Aussteller weitgehend problemlos zu verschmerzen. Allerdings hat die Industrieschau, erstmals 1947 ausgerichtet und Spiegelbild des Aufschwungs, schon in den vergangenen Jahren gelitten. Nachdem die ehemals kleine Fachmesse CeBIT 1986 aus dem Programm der damals noch weltweit wichtigsten Industriemesse herausgeschnitten wurde, rückte diese mehr und mehr in den Schatten der mittlerweile gut doppelt so großen Computerschau. Vor drei Jahren gab die Deutsche Messe AG dann auch zähneknirschend im Gerangel mit den tragenden Verbänden die Weltlichtschau an Frankfurt ab.
Derzeit arbeiten die Strategen der Deutschen Messe AG an einem neuen Konzept. Wie es in Hannover heißt, soll darin ein Schwergewicht auf den gesamten Ablauf der Fabrikautomation gelegt werden. Zumindest Rogowski hat eine klare Meinung: "Zuschnitte von Messen sind in Zukunft nicht mehr in erster Linie auf das Produkt oder die Firma ausgerichtet. Es sind Prozess-Messen, bei denen deutlich gemacht wird, wie durch die Vernetzung einzelner Produkte Prozesse gestaltet werden." Und Hannover biete da nun mal die besten Voraussetzungen.
In der neuen Messe-Konzeption wäre die Robotik ein wichtiger Prozessbaustein und es würde die Messemacher von der Leine ärgern, wenn ein Großteil der Kette dargestellt würde, die Roboter aber fehlten. Sollten die Hersteller von Robotik + Automation tatsächlich nach München abwandern, zeigt sich die Deutsche Messe AG in Hannover deshalb auch kämpferisch. Man werde sich um jeden einzelnen Aussteller intensiv bemühen, heißt es auf den Fluren in Hannover. Nicht mit finanziellen Zugeständnissen, sondern man werde sie mit dem richtigen Konzept zu überzeugen wissen. (Hartwig von Saß, dpa) /