Peinliche Schlappe fĂĽr NSA

Hacker sind in einen Server der Abteilung fĂĽr Ă–ffentlichkeitsarbeit des US-Geheimdienstes NSA eingedrungen.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Hacker sind in einen Server der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des US-Geheimdienstes NSA eingedrungen. Nach einem Bericht des Branchendienstes Security Focus konnten die Unbekannten, die eine E-Mail an Security Focus mit "Nescafé Open Up" unterzeichneten, Zugriff auf mehrere interne Dokumente erlangen. So sollen sich im Anhang der Mail unter anderem Auszüge aus der E-Mail-Korrespondenz der NSA-Angestellten Don und Trisha Weber und ein internes Telefonverzeichnis der Presse-Abteilung befunden haben. Obwohl keine sicherheitsrelevaten Systeme betroffen sind, dürfte der erste offiziell registrierte Hack eines NSA-Rechners dem Selbstbewusstsein des Super-Geheimdienstes einen ziemlichen Dämpfer versetzen.

Die NSA, deren Namen Spötter mit "Never Say Anything" oder "No Such Agency" übersetzen, ist der weltweit größte Arbeitgeber für Mathematiker und unter anderem für die weltweite Überwachung von Kommunikationsleitungen zuständig. US-Präsident Harry Truman schuf die Behörde, deren Existenz über Jahrzehnte hinweg offiziell geleugnet wurde, in den späten 40er Jahren innerhalb des Verteidigungsministeriums (Department of Defense). Ab Mitte der neunziger Jahre begann sich die Behörde der Öffentlichkeit vorsichtig zu öffnen und auch in Hacker-Kreisen intensiv um Nachwuchs zu werben. Ab Dezember 1996 betrieb die NSA eine erste Homepage; inzwischen betreibt sie unter anderem ein virtuelles Kryptologie-Museum.

Anfang März berichtete die britische Zeitung Observer, die NSA habe die Bemühungen der USA, eine Mehrheit der UN-Sicherheitsrats-Mitglieder für eine zweite Resolution und eine Ermächtigung zum Krieg gegen den Irak zu gewinnen, mit Überwachungs- und Abhörmaßnahmen unterstützt. In einem Memorandum, das der Zeitung vorliegt, beschreibt ein führender Beamter der National Security Agency, wie bei UN-Deligierten das Abhören von Telefonen im Büro und zu Hause sowie das Abfangen von E-Mails dazu dienen solle, das weitere Vorgehen der USA im Sicherheitsrat zu planen. Auch die erst kürzlich entdeckten Abhörvorrichtungen im EU-Ministerrat gehen wahrscheinlich auf das Konto der NSA. (wst)