Grüne für Open Source in baden-württembergischer Landesverwaltung

Der Grünen Abgeordnete Jürgen Walter empfahl, die beherrschende Stellung von Microsoft durch Verwendung von Open-Source-Programmen zu brechen.

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  • dpa

Der Einsatz freier Software auf den Computern der baden-württembergischen Landesverwaltung sollte nach Meinung der Grünen geprüft werden. Ihr Abgeordneter Jürgen Walter empfahl in einem dpa-Gespräch am Freitag, die beherrschende Stellung von Microsoft durch Verwendung von Open-Source-Programmen zu brechen: "Programme wie Linux sind weit verbreitet und praxistauglich. Das Land sollte auch bei der Software für Wettbewerb sorgen." Die Stadt Schwäbisch Hall hatte vor wenigen Wochen angekündigt, ihre Computer bis 2004 komplett auf das Betriebssystem Linux umzurüsten.

Der Grünen-Parlamentarier begründete seinen Vorstoß auch mit der immer schwierigeren Haushaltslage des Landes: "Es wird so viel über Personalkürzungen debattiert. Dabei ließen sich große Summen durch den Einsatz von Open-Source-Programmen einsparen." In Schwäbisch Hall rechnet man mit einer einmaligen Kostenersparnis von 200.000 Euro. Außerdem entfallen die von Microsoft verlangten Lizenzgebühren bei künftiger Aktualisierung von Programmen.

Bei Open-Source-Programmen handelt es sich nach Walters Worten schließlich nicht um "dubiose Raubkopien, die unter dem Ladentisch gehandelt werden". So würden im Land etwa 30 Prozent der Server mit Linux betrieben. Durch den offenen Quellcode lassen sich nach Überzeugung vieler Open-Source-Protagonisten Sicherheitslücken schneller erkennen und schließen als bei Programmen von Microsoft; dies wäre nach Überzeugung des Grünen-Politikers ein weiterer Grund, die PCs in der Landesverwaltung umzustellen. Mit einer Anfrage will Walter nun von der CDU/FDP- Landesregierung wissen, wie hoch sie das Einsparpotenzial veranschlagt und ob sie bereit ist, einen Umstieg zu unterstützen.

In den Amtsstuben des Landes ist der Computer seit Jahren nicht mehr wegzudenken: Etwa 60.000 bis 70.000 PC tun dort nach einer groben Schätzung des Finanzministeriums ihren Dienst. Nicht mitgezählt sind dabei Krankenhäuser, Schulen und Hochschulen. Die Softwarekosten dafür können die Finanzbeamten nicht genau beziffern. Zudem bekommen die Landesbehörden auf Grund einer Rahmenvereinbarung des Bundes mit Microsoft Sonderkonditionen. Aber bei der geplanten Neuausstattung von 22.000 Arbeitsplatz-Rechnern in den Finanzämtern mit Microsoft-Programmen wird nach Angaben einer Ministeriumssprecherin mit 500 Euro pro PC gerechnet. Für das Festhalten an Microsoft spreche unter anderem die Fähigkeit zum Datenaustausch mit anderen Behörden.

In der Datenzentrale der Kommunen ist man hingegen dem Einsatz von Open-Source-Programmen gegenüber aufgeschlossen. Software-Experte Albert Höcherl warnt aber vor der Erwartung kurzfristiger Einspareffekte: "Zunächst einmal entsteht der Bedarf nach Schulung vieler Mitarbeiter. Denn die Leute sind schon immer mit Microsoft vertraut." Auf längere Sicht könnten Städten und Gemeinden ihre Kosten aber deutlich senken. Und das Zusammenspiel mit Microsoft-Software wäre auch kein Problem, da es für die meisten Anwendungen Emulationen gebe. (dpa) / (jk)