Audio-CDs mit Kopierhemmschuh

Der Kopierschutzhersteller SunComm will künftig ein Wasserzeichenverfahren für Audio-CDs anbieten.

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Von
  • Gerald Himmelein

Der US-amerikanische Kopierschutzhersteller SunnComm will künftig als Teil seines Kopierschutzprogramms ein digitales Wasserzeichenverfahren von Stealth MediaLabs einsetzen. SunnComm ist in erster Linie durch seinen Kopierschutz "MediaCloq" für Audio-CDs bekannt, der allerdings nicht als besonders schwer zu knacken gilt.

An sich sind Wasserzeichen nichts Neues: Dabei handelt es sich um unhörbar in Audiodaten hineinkodierte Daten zur Identifikation des Musikstücks. Fortgeschrittene Wasserzeichen überleben selbst verlustbehaftete Kompressionsschritte wie bei der Konvertierung in MP3, MPEG-2 Audio oder WMA und bleiben auch bei analogen Aufnahmen erhalten.

Stealth MediaLabs ist bei weitem nicht der erste oder einzige Anbieter von Wasserzeichen-Lösungen. Am Markt konkurrieren zahlreiche Verfahren, unter anderem von Blue Spike, dem Fraunhofer-Institut und MacroVision. DVD-Audio-Medien arbeiten schon seit geraumer Zeit mit Wasserzeichen; hier kommt in erster Linie das "MusiCode"-Format von Aris zum Einsatz. Dieses Verfahren ist angeblich sogar für geschulte Ohren unhörbar -- auch bei Audio-CDs. Das Wasserzeichen wird dabei zu einem integralen Bestandteil des Audiodatenstroms, sodass es sich nicht entfernen lässt, ohne die Qualität der Musik wesentlich zu beeinträchtigen.

Das von SunnComm eingesetzte StealthChannel-Verfahren soll Audiodaten unter anderem mit den Namen aller an der Produktion beteiligten Personen versehen. Das soll etwa verhindern, dass Alben vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin in den Tauschbörsen auftauchen. Wenn der Copyright-Inhaber bei jeder Pre-Release-Pressung im Audiodatenstrom speichert, für wen das Exemplar bestimmt ist, lassen sich die Lecks leichter zur Verantwortung ziehen.

Grundsätzlich gehen die Möglichkeiten von StealthChannel noch weiter: Das Verfahren lässt sich auch auf komprimierte Dateiformate erweitern, so dass bei jeder Weitergabe der Name des letzten "Inhabers" in die Datei geschrieben wird -- oder sogar dessen Kreditkartennummer.

Wasserzeichen dienen eher der Abschreckung für Kopierer als dem technischen Unterbinden von Raubkopien. Kopien bleiben weiterhin möglich -- dabei wird das Wasserzeichen lediglich mitkopiert. Das könnte sich allerdings ändern, wenn Abspielgeräte nach einem Wasserzeichen suchen und gegebenenfalls die Aufnahme oder Wiedergabe verweigern. Dies ist Teil einer Strategie der Unterhaltungsindustrie, die schon seit längerem versucht, das "analoge Loch" zu stopfen. (ghi)