Bertelsmann gelangt mit Kostendiät zum Erfolg

Im Medienkonzern weht ein neuer Wind. Berichte über eine Ablösung des Aufsichtsratsvorsitzenden weist der Vorstandschef aber zurück.

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Von
  • Christoph Sator
  • dpa

Dank einem seit zwei Jahren laufenden Kostensparprogramm hat Bertelsmann die weltweite Krise der Medienwirtschaft erfolgreich abgewettert. Das Renditeziel für 2002 wurde erreicht, der Umsatz sank leicht, wobei Vergleiche mit dem vorherigen Geschäftsjahr wegen Umstellung der Bilanzierungsmethode und auf das Kalenderjahr nur eingeschränkt möglich sind.

Im operativen Geschäft läuft es bei Bertelsmann besser als gedacht: Der Fernsehkonzern RTL ist mittlerweile mit knapp einem Viertel des Umsatzes das Schwergewicht. Bis auf die Buchclubgeschäfte sind alle Divisionen in schwarzen Zahlen. Die Bertelsmann Music Group (BMG) glänzt sogar mit einem Rekordergebnis von 125 Millionen Euro. In den Vorjahren war dieser Konzernteil noch ein Sorgenkind. Die Buchgeschäfte sind ebenso profitabel wie die Dienstleistungssparte Arvato und die Zeitschriften von Gruner+Jahr.

Das operative Ergebnis konnte Bertelsmann im vergangenen Jahr um mehr als 60 Prozent auf 936 Millionen Euro verbessern. Die Umsatzrendite kletterte auf 5,1 Prozent, und dank des guten Cashflows von 1,1 Milliarden Euro konnten die Netto-Finanzschulden im Jahresverlauf auf 2,7 Milliarden Euro gesenkt werden. Im Vergleich zu anderen großen Medienunternehmen wie AOL Time Warner oder Vivendi Universal steht Bertelsmann prima da.

Soweit die guten Zahlen. Dennoch hat Bertelsmann das vermutlich schwerste Jahr seiner Geschichte hinter sich. Zunächst trennte sich Ende Juli die Eigentümerfamilie Mohn Knall auf Fall von dem erfolgreichen Vorstandschef Thomas Middelhoff. Der hatte die RTL Group geschmiedet, den Umsatz verdoppelt und nicht zuletzt für die Eigentümer den größten Ertrag seit Firmengründung erwirtschaftet. Damit wurde zum Teil die Neuausrichtung des Konzerns finanziert, die jetzt so positive Ergebnisse zeitigt.

Nur wenige Wochen nach der Verlängerung seines Vertrages musste Middelhoff gehen. Er hatte das Unternehmen 2005 an die Börse bringen wollen, die Mohns aber planten anders. Sie wollen nichts von der Macht abgeben, bestellten Gunter Thielen (60) zum Vorstandsvorsitzenden und machten in den Folgemonaten deutlich, wer bei Bertelsmann das Sagen hat.

Reinhard Mohn (81) rechnete vor einigen Wochen mit eitlen Managern ab und versetzt seither den Medienkonzern in Unruhe. Seine Schlussfolgerung: Einzig auf die eigene Familie sei Verlass. Seine Frau Liz (61) wird künftig die Familieninteressen im Konzern durchsetzen. Dies provozierte den Aufsichtsratsvorsitzenden Gerd Schulte-Hillen. Der Schwenk sei gefährlich, monierte er im Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Wenn die Familie nun ein derart starkes Gewicht bekommen soll, wie Mohn es jetzt beabsichtigt, werde das Risiko von Fehlentscheidungen keineswegs kleiner.

Der seit acht Monaten agierende neue Bertelsmann-Chef hat Mühe, die Mitarbeiter und vor allem das Top-Management zu beruhigen. Auf der Bilanzpressekonferenz wurde Thielen mit dem Bericht vom Handelsblatt konfrontiert, das über eine vorzeitigte Ablösung von Aufsichtsratschef Gerd Schulte-Hillen spekulierte. Er dementierte den Bericht und kehrte zu den guten wirtschaftlichen Daten zurück. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern einen Umsatz auf Vorjahresniveau. Eine detaillierte Prognose gab Thielen nicht. (Christoph Sator, dpa)/ (tol)