AfriNic heiß umkämpft

Afrikanische Regierungen möchten mehr Einfluss auf die Vergabe von IP-Nummern nehmen.

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  • Monika Ermert

Vier Bewerber möchten in der Zukunft gerne IP-Nummern für Afrika vergeben: Ägypten, Kenia, Südafrika und Ghana wollen das neue AfriNic beherbergen. Bislang war diese Aufgabe vom europäischen RIPE mit erledigt worden. Erst im vergangenen Jahr hatte auch Lateinamerika sein eigenes regionales NIC, das LacNIC, gegründet.

In den nächsten Wochen entscheidet das AfriNic-Kuratorium, welcher der Bewerber das Rennen um den NIC-Standort macht. Anders als beim den nun fast schon traditionsreichen regionalen Internet Registries (RIR) RIPE, ARIN und APNic sind es in Afrika wesentlich Regierungen, die die Aufgabe übernehmen wollen. Mit finanziellen Unterstützungszusagen der jeweiligen Regierungen werben denn auch die einzelnen Bewerber für sich. Für ganze zwei Jahre will das ägyptische Ministry of Communication and Information Technology AfriNIC unterstützen. "Die soll in Form von finanzieller Unterstützung und der Vorbereitung der Geschäftsräume -- möglicherweise im Smart Village -- einschließlich der notwendigen Kommunikations- und Netzwerkinfrastruktur geschehen", verspricht die ägyptische Bewerbung. Auch Personal soll gestellt werden. Smart Village gehört zu den Vorzeigeprojekten Ägyptens; auf 120 Hektar Wüste soll dort ein gigantischer Cyberpark entstehen.

Auch mit dem Cairo Regional Internet Exchange (CRIX) ist Ägypten technisch besser gerüstet als der einzige private Bewerber Enterprise Africa, ein Konsortium mit Mitgliedern aus Ghana, Senegal und Uganda. Den Nachholbedarf an technischer Infrastruktur -- Internet-Exchange-Punkte sind in der Region erst im Aufbau, die verfügbaren Bandbreiten liegen zwischen 10 und 40 Mbps -- versucht Enterprise Africa durch ein gesamtafrikanisches Konzept auszugleichen. Für die finanzielle Ausstattung in den Ländern, in denen ein Netzwerkspezialist zwischen 1000 und 1300 Dollar monatlich bekommt, hat man bei der UN/ICT und der US-amerikanischen Markle-Stiftung angeklopft, die immerhin 150.000 US Dollar zugesagt haben.

Beobachter kritisieren allerdings, dass der Hauptinitiator des Konsortiums, Nii Quaynor aus Ghana, im Vorstand der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) sitzt. Nun darf darüber gestritten werden, ob darin ein Interessenkonflikt besteht. Im Bericht des für IP-Nummern-Gremiums der ICANN war die Bewerberfrage aber kein Thema.

Den Regional Internet Registries macht im Moment ein ganz anderer Vorstoß von Regierungsvertretern Sorge. In dem Aktionsprogramm für die Weltinformationsgesellschaft möchten verschiedene Regierungen festschreiben, dass eine internationale Organisation künftig Root-Server-System und die Domain- und IP-Nummernzuteilung beaufsichtigen solle. In Rio lieferten sich RIR-Vertreter, die gleichzeitig noch um Verträge innerhalb der Reform-ICANN ringen, dazu ein kleines Wortgefecht mit Regierungsvertretern. Vorläufig sind im WSIS-Aktionsprogramm die Betriffe "international" und "intergovernmental" in Klammern gesetzt. (Monika Ermert) / (tol)