Web Services: Vertrackte Kontrakte
Nach IBM drosselt nun auch Microsoft das Bestreben, Web Services durch einen offenen Standard des Worldwide Web Consortium W3C zu koordinieren.
Nach IBM drosselt nun auch Microsoft das Bestreben, Web Services durch offene Standards des Worldwide Web Consortium W3C zu koordinieren.
Zwar wollen wohl beide Unternehmen auch weiterhin die WSDL (Web Services Definition Language) als so genannte Contract Language weiter mit vorantreiben. Doch diese just als Arbeitsentwurf zur Version 1.2 vorgestellte Sprache für Beschreibungen, wie ein bestimmter Web Service technisch anzusprechen ist, führt noch nicht weit genug, um Geschäftsprozesse in Unternehmen über gewinnbringende Web Services miteinander zu verzahnen.
FĂĽr dieses Ansinnen ist es etwa auch von Bedeutung, wie sich die Angebote verschiedener Service-Provider miteinander kombinieren lassen. Um derlei Fragen mit einem offenen Standard zu behandeln, hob das W3C Anfang des Jahres mit der breiten UnterstĂĽtzung illustrer Unternehmen die Web Services Choreography Working Group aus der Taufe. Im Kreis der Gruppenmitglieder fehlen jedoch sowohl IBM als auch Microsoft; beide hatten zusammen mit dem Webserver-Spezialisten BEA einen eigenen Weg mit dem KĂĽrzel BPEL4WS (Business Process Execution Language for Web Services) ausgeschildert; dieser ist aber fĂĽr das W3C gesperrt, weil etwa Microsoft nicht bereit war, dort implizierte Copyright-AnsprĂĽche fallen zu lassen.
Das W3C hat sich daraufhin zum tantiemenfrei nutzbaren, konkurrierenden WSCI (Web Services Choreography Interface) aus der Feder des Microsoft-Kontrahenten Sun bekannt. In letzter Minute haben sich zwar dennoch auch zwei Vertreter aus Redmond zur ersten Sitzung der W3C-Choreographie-Gruppe am 13. und 14. März angemeldet, doch im Nachklang des Meetings zog sich der Softwareriese nun endgültig aus diesem Gremium zurück. Wie Microsofts Webservice-Marketingchef Steven VanRoekel in US-Medien erklärte, deckten sich die Ziele des Arbeitskreises nicht mit denen der Microsoft-Vertreter. Im Übrigen sei das W3C nicht das einzige Vehikel, um einen Satz von Technologien durchzusetzen und zu bewerten.
Hinter vorgehaltener Hand bringen Insider bereits seit Längerem Kommentare vor, dass sich die Schwergewichte unter den Softwareschmieden zunehmend diejenigen Standardisierungsgremien als Plattformen ihrer Mitarbeit aussuchen, in denen sie ihre Errungenschaften mit den wenigsten Kompromissen in offene Standards ummünzen können -- dafür versuche man, von Fall zu Fall das W3C gegen die Organization for the Advancement of Structured Information Standards OASIS oder die Internet Engineering Task Force IETF auszuspielen. (hps)