Schulte-Hillen darf Bertelsmann-Aufsichtsratschef bleiben
G+J-Chef Kundrun befürchtet anhaltende Flaute im Anzeigengeschäft.
Im Streit um die Kontrolle beim Medienkonzern Bertelsmann ist es offenbar zu einem Burgfrieden zwischen den verschiedenen Parteien gekommen. Die Financial Times Deutschland berichtet von einem Kompromiss zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden Schulte-Hillen und der Eigentümerfamilie Mohn, die in den Führungsgremien nun weniger Mitglieder benennen wolle als ursprünglich vorgesehen. Besonders die umstrittene neue Sprecherin der Familie, Liz Mohn, werde weniger Macht ausüben können als ihre Kritiker befürchtet hatten.
Insider hatten zuvor berichtet, dass eine Ablösung Schulte-Hillens zur Bilanzpressekonferenz der Bertelsmann-Verlagstochter Gruner + Jahr (G+J) am gestrigen Donnerstag anstehe. Stattdessen hieß es in einer Erklärung von Bertelsmann, dass Schulte-Hillen den Aufsichtsratsvorsitz von G+J nunmehr auf Abruf innehabe. "Hierüber werden Gerd Schulte-Hillen und Gunter Thielen in Abstimmung mit Gesellschaftern von Gruner + Jahr zum gegebenen Zweitpunkt entscheiden."
Das Ergebnis, das G+J-Vorstandschef Bernd Kundrun gestern vorstellte, konnte sich indes sehen lassen. Das Gewinn vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (EBITA) lag 2002 bei 234 Millionen Euro und damit doppelt so hoch wie im Vorjahr. Die Erlöse gingen unter anderem durch den Verkauf des Berliner Verlags und Rückgänge im deutschen Anzeigengeschäft um sechs Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zurück. Die Umsatzrendite lag bei 8,3 Prozent und soll in zwei Jahren über zehn Prozent steigen. Unterm Strich blieb 2002 ein Jahresgewinn von 116 Millionen Euro, von dem die Mitarbeiter eine Gewinnbeteiligung erhalten.
Kundrun befürchtet allerdings einen weiteren Rückgang im Anzeigengeschäft. "Die Krise ist erheblich länger als gedacht", sagte der Vorstandschef. "Sollte dieser Negativtrend anhalten, und in den ersten drei Monaten sieht es ganz danach aus, müssen wir weitere Anpassungen machen". Im Klartext heißt das: Weitere Entlassungen. Die Zahl der Mitarbeiter ging im Konzern seit Mitte 2001 bereits um rund 1600 auf 11.367 zurück. (tol)