Grundig vor der Insolvenz

Auf einer auĂźerordentlichen Aufsichtsratssitzung am heutigen Dienstag soll eine Ăśberlebensstrategie entwickelt werden.

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Von
  • Torge Löding

Die schlechte Nachricht hatten die Manager des Traditionsunternehmens Grundig angeblich selbst nur aus den Medien erfahren: Die erhoffte Übernahme durch den türkischen Beko-Konzern wird nicht stattfinden. "Die seit Anfang März geführten intensiven Gespräche konnten eine Reihe von wesentlichen Fragen nicht abschließend lösen. Die Risiken des derzeitigen wirtschaftlichen Umfeldes haben für den Investor eine maßgebliche Rolle gespielt", formulierten die Firmenvertreter nach einer eilig einberufenen Belegschaftsversammlung am gestrigen Montag.

Nachdem bereits die im Januar 2003 groĂź angekĂĽndigte Ăśbernahme durch den taiwanischen Elektrokonzern Sampo ĂĽberraschend gescheitert war, ist nun eine Insolvenz des deutschen Unternehmens wahrscheinlich geworden -- auch wenn die Suche nach Investoren erst einmal weitergehe, wie es aus dem Unternehmen verlautet.

Für den heutigen Dienstag hat der Mehrheitseigentümer Anton Kathrein zu einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung geladen. Dort soll das weitere Vorgehen in enger Abstimmung mit den beteiligten Banken sowie den Lieferanten und Verantwortlichen der öffentlichen Hand erörtert werden. Bis Ende der laufenden Woche sei mit einem Ergebnis zu rechnen, heißt es bei Grundig.

In seiner mehr als fünf Jahrzehnte alten Geschichte musste der deutsche Traditionskonzern bereits so manche Krise meistern. In Spitzenzeiten beschäftigte die Grundig AG 1979 rund 38.000 Mitarbeiter und verfügte über 30 Werke im In- und Ausland. Damals versäumte das Unternehmen aber den Anschluss an neue Trends und konnte nicht mehr mit der Konkurrenz aus Asien mithalten. Seit Juli 2001 sucht Grundig nach einem starken Finanzpartner. (tol)