Von lernenden Kühlschränken und anderen Intelligenzbolzen

Haushaltsgeräte werden smart. Noch nutzen sie ihre wachsende Intelligenz allerdings nicht, um uns das Leben bequemer zu machen, sondern um mehr Strom zu sparen.

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Von
  • Martin Kölling

In der aktuellen Ausgabe von Technology Review schreiben wir darüber, wie bislang tumbe Haushaltsgeräte langsam, aber sicher zu Intelligenzbolzen aufgerüstet werden. Passend zum Thema wohnte ich am Dienstag der Premiere eines lernenden Kühlschranks bei. Der japanische Elektronikhersteller Panasonic lässt seine Oberklasse-Kühltürme (zwei Modelle mit mehr als 400 Liter Fassungsvermögen) der "Eco Navi"-Serie mit vier Sensoren die Umwelt wahrnehmen und auf sie reagieren. Sinn und Zweck der Übung ist nicht, den Menschen das Leben zu bequemer zu machen, sondern durch gezielte Steuerung der Kühlleistung 12 bis 15 Prozent weniger Strom zu verbrauchen als ein weniger feinfühliges Gerät vergleichbarer Bauart ohne Fühler.

Und so funktioniert's: Ein Lichtsensor bemerkt, wenn es Nacht wird oder das Küchenlicht ausgeschaltet wird und schaltet daraufhin in einen Sparmodus. Ein Temperatursensor misst die Zimmertemperatur und passt die Kühlung an. Der Clou sind jedoch zwei Sensoren in der geteilten Tür, mit denen der Kühlautomat erkennt, wann seine Türen geöffnet werden. Auf diese Weise lernt er mit der Zeit den Tagesablauf einer Familie kennen. Morgens von 7 bis 8 Uhr beispielsweise klappen die Türen häufig auf und zu – muss wohl Frühstück sein. Abends zwischen 18 und 21 Uhr passiert gleiches, Abendessen wahrscheinlich. (Und dann noch mal Nachts um eins, der heimliche Nascher, dem Kühlschrank entgeht nichts. Aber immerhin petzt er (noch) nicht.) Mit diesem Wissen ausgestattet schaltet das Gerät in den Zwischenzeiten nun wie in der Nacht auf Sparmodus und – kurz bevor sich die Küche wieder belebt – wieder hoch.

Neben dem Kühlschrank erschnüffelte bei der Panasonic-Präsentation am Dienstag noch ein neuer Staubsauger, ob er eine besonders verschmutzte Stelle vor sich hat und daher stärker saugen muss. Oder ob er gerade ohne auszuschalten geparkt wurde, weil sein Herrchen oder Frauchen einige Möbelstücke verschieben muss. In dem Fall schaltet er nach drei Sekunden in den Leerlaufmodus, in dem er nur 150 Watt verbraucht. Er bemerkt dies durch einen Infrarotsensor im Rüsselstutzen, der die Partikeldichte der Saugluft im Schlauch misst.

Die Strom sparenden Ideen lässt sich Panasonic allerdings fürstlich bezahlen. 300.000 Yen (rund 2280 Euro) kostet z.B. der Kühlschrank. Aber die Verbesserung der Gewinnmarge durch die Robotisierung der Geräte soll diesmal nicht mein Thema sein, sondern das Energie-sparen.

Der Einsatz von Software zur Verbrauchsreduzierung verdeutlicht nämlich, dass Japans Ingenieure immer größere Schwierigkeiten haben, den Energieverbrauch von Haushaltsgeräten drastisch zu senken. Der Grund dafür sind die rasanten Verbesserungen der Energieeffizienz in den vergangenen Jahren. Die Vakuumisolierung, Kompressoren, Wärmepumpen und Wärmetauscher der Kühlschränke, Waschtrockner und Klimaanlagen haben einen technischen Stand erreicht, bei dem sich aus ihnen nur noch vergleichsweise kleine Verbesserungen der Energieeffizienz herauskitzeln lassen. Also geht man jetzt an das Feintuning des Gesamtsystems. Ähnliches passiert auch im Autobau mit Nissans "Öko-Gaspedal", das dem Bleifuß Widerstand entgegensetzt. Ich bin sehr gespannt, wie die Ingenieure in der kommenden Generation den Verbrauch weiter senken werden. (wst)