Was Waschpulver und LCD-Fernseher gemeinsam haben
Noch schwärzeres Schwarz, noch effizientere Energieeffizienz - dies verspricht Sharp durch eine neue 3D-taugliche Technik für Flüssigkristallbildschirme namens UV2A. Alles nur viel Hype um nichts?
- Martin Kölling
Das alljährliche Ritual der Vorstellung neuer Flach-TVs gleicht für mich immer mehr der Waschmittelwerbung, die Wäsche noch weißer und sauberer als bisher zu waschen verspricht. So geschehen am Mittwoch, als Sharp verkündete, mit seiner neuen UV2A ("UltraViolet induced multi-domain Vertical Alignment") genannten Flüssigkristallbildschirm-Technik nicht nur 3D-tauglich zu werden, sondern auch Schwarz noch schwärzer darstellen zu können.
Und da mir die Unternehmen mit einem Vergleich der bisherigen wie der neuen Technik auch immer wieder gekonnt vor Augen führen, dass die Schwarzdarstellung der neuen Generation von LCD-Fernsehern, deren Flüssigkristalle ja von hinten konstant beleuchtet werden, weniger matschig als die der alten ist, glaube ich ihnen das auch.
Bisher war das Bemühen der Konzerne in meinem Fall allerdings immer kontraproduktiv: Ich habe den Kauf einer neuen TV-Flunder nach dem Anschauungstest immer wieder hinausgeschoben, weil mir die Hersteller ja im Prinzip erklärt haben, dass ihre Technik noch erheblichen Verbesserungsbedarf hat.
Doch seit etwa einem Jahr habe ich das Gefühl, dass ich zum Kauf bereit bin. Die neue Gerätegeneration hat meine Bereitschaft noch erhöht. In einem abgedunkelten Raum in Sharps Tokioter Gebäude konnte ich mich davon überzeugen, dass die Hintergrundbeleuchtung wirklich nur noch ein klein bisschen durch schwarze Flächen durchscheint. Bei normaler Zimmerbeleuchtung würde mir das Schimmern, aber auch der Unterschied zur aktuellen Version wohl verborgen bleiben. Für den neuen technischen Fortschritt taucht Sharp hinab auf kleinste Größen. Sharp will künftig die Ausrichtung der Flüssigkristalle auf 20 Picometer genau kontrollieren und damit das Hintergrundlicht des LCD besser als bisher blocken. "Wir gehen damit über die Nanotechnik hinaus in die Picometertechnik", erklärt Yoshiaki Ibuchi, Vorstand für elektronische Bauteile, stolz.
Durch die bessere Kontrolle der Lichtstrahlen verspricht Sharp den Kontrast gegenüber dem bisherigen Modell um 60 Prozent auf 1:5000 (nach der Messmethode für Komponenten, die sich von der für Endprodukte unterscheidet) zu steigern. Gleichzeitig wird die Reaktionsgeschwindigkeit der Flüssigkristalle auf unter vier Millisekunden halbiert, wodurch die neuen Bildschirme auch für die kommenden 3D-Bildschirme besser geeignet sein sollen. Nebenbei werden Produktionsprozesse vereinfacht und so Kosten gesenkt. Gut für die kommenden Preisschlachten.
Nur vor einem Schritt scheut Sharp noch zurück: Der Ankündigung eines eigenen Fernsehers für dreidimensionale Bilder. Panasonic und Sony wollen die Menschheit bereits kommendes Jahr mit der neuen Technik beglücken, um den abflauenden TV-Markt ein wenig zu beleben. Doch Sharp lässt seinen riesigen Rivalen vorerst höflich den Vortritt. "Wir haben auch 3D-Fernseher entwickelt, aber noch nicht auf den Markt gebracht", sagt Shigeaki Mizushima, Geschäftsführer der Abteilung für Forschung und Entwicklung. "Wir sind vorbereitet, aber wir sehen zu diesem Zeitpunkt noch kein großes Marktpotenzial."
Da hat der Mann wohl recht. Allerdings denke ich, dass Sharps Zögern weniger mit Marktpotenzial zu tun hat als mit Marktmacht. Bei der Einführung von Flachbildschirmen war Sharp schließlich den anderen Herstellern mutig um mehr als eine Nasenlänge voraus, obwohl das Marktpotenzial anfangs auch nur klein war.
Doch bei der Kommerzialisierung der neuen 3D-Technik steht der Konzern vor einem Dilemma ganz anderer Größenordnung. Bei der Einführung regulärer LCDs wurde kein neuer Übertragungsstandard benötigt. Das Bild wurde schlicht anders dargestellt. Für 3D-Bilder ist hingegen ein neuer Industriestandard nötig. Doch anders als die Giganten Panasonic und Sony kann Sharp nicht einmal im Traum daran denken, der Welt einen eigenen Standard aufzudrücken. Panasonic als Hersteller von professionellem Filmkameras und Kinoausrüstungen und besten Kontakten zu Hollywood und Sony mit seinem eigenen Studio verfügen dagegen über das Potenzial, die Märkte zu bewegen.
Mich stellt dies vor ein ganz neues Dilemma. Endlich halte ich Flach-TVs für technisch ausgereift genug, da taucht schon eine neue Technik am Horizont auf. So müsste ich zusätzlich zur technischen Lösung eigentlich noch mal zwei Jahre warten, bis sich ein Standard gefunden hat. Was tun? Nun ja, wahrscheinlich werde ich weiter konjunkturschädigend den Kauf verweigern. Ich komme ja eh kaum zum Fernsehen. (wst)