Irak-Krieg: Medien unter Druck
Je weiter die US-Truppen in Bagdad vordringen, desto gefährlicher wird die Berichterstattung für die Journalisten.
Im Krieg scheint es normal, dass Medien, die sich um eine vollständige Berichterstattung bemühen, unter Druck geraten oder zumindest behindert werden. Dabei geraten nicht selten Journalisten in Lebensgefahr. So wurde -- wie schon im Afghanistan-Krieg -- jetzt wieder das Büro des Senders Al Jazeera in Bagdad von US-Streitkräften bombardiert. Dabei sei ein Journalist gestorben, erklärte der arabische TV-Sender. Außerdem seien bei einem Beschuss des Hotels Palestine in Bagdad durch US-Amerikaner ein Kameramann der Nachrichtenagentur Reuters und ein spanischer Reporter getötet worden, heißt es in Medienberichten
Aber auch die "eingebetteten" Journalisten, die in die Truppen der gegen den Irak Krieg führenden Koalition integriert sind, leben nicht ungefährlich. Dabei hatte sich Christian Liebig, Reporter des Nachrichtenmagazins Focus, aus Sicherheitsgründen dagegen entschieden, mit den US-amerikanischen Truppen in Bagdad einzurücken. Er blieb im Hauptquartier südlich von Bagdad, wo er durch einen Raketeneinschlag ums Leben kam.
Eine der Websites, die das Internet-Angebot von Al Jazeera spiegeln, aber nichts direkt mit dem arabischen Nachrichtensender oder dessen Internetauftritt zu tun haben, ist Aljazeerah.info. Die Betreiber haben dort umfangreiches Bildmaterial aus dem Kriegsgebiet im Irak gesammelt. Sie wurden jetzt nach eigenen Angaben von ihrem Webhoster unter Druck gesetzt, zu Aljazeerah.us zu wechseln. Er habe bereits gewarnt, dass die info-Adresse demnächst nicht mehr erreichbar sein könnte. Die Englisch-sprachige Seite will das Nachrichtenangebot US-amerikanischer und britischer Webseiten um Artikel vor allem aus Saudi Arabien, Katar, Jordanien, Ägypten, Palästina und Libanon ergänzen.
Unterdessen beginnen die USA im Irak offenbar bereits mit der Einrichtung neuer Verwaltungsstrukturen. Das Land werde in drei Zonen aufgeteilt, heißt es in Medienberichten. Der ehemalige General Jay Garner stehe an der Spitze einer Übergangs-Regierung. Die arabischen Staaten bestehen dagegen darauf, dass die UNO das gewichtigste Wort bei der Neuordnung des Irak haben soll. Das US-amerikanische Amt für Aufbau und Humanitäre Hilfe (ORHA), das von Kuweit aus operiert, hat angekündigt, möglichst bald die Macht an die Iraker übergeben zu wollen. Der stellvertrende US-amerikanische Verteidigungsminister Paul Wolfowitz glaubt, es werde mehr als sechs Monate dauern, bis eine irakische Regierung die Macht übernehme können.
Die Bundeszentrale für politische Bildung veranstaltet noch bis zum 11. April gemeinsam mit dem Lehrstuhl Internationale Politik der Universität zu Köln und Spiegel online das Online-Diskussionspanel "Krieg im Irak: Krieg gegen den Terror?" Experten können Fragen gestellt werden, ein eigenes Forum bietet Gelegenheit zur Diskussion. Diese Diskussionen können auf der Website der Bundeszentrale verfolgt werden. Begleitend dazu bietet sie Hintergrundmaterial, so etwa Hinweise auf die wichtigsten Dokumente zu den neuen US-Strategien und den Resolutionen der Vereinten Nationen.
Zum Krieg im Irak siehe auch: (anw)
- Bombenzensur oder "Kollateralschaden"? sowie das
- Special zum Irak-Konflikt in Telepolis