Erstmals wieder afghanische Netzwerktechniker ausgebildet

In Afghanistan gibt es nun die ersten 17 Netzwerktechniker mit AbschlĂĽssen nach dem Cisco Certified Industriestandard.

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Von
  • Holger Bruns

Vor zwei Jahren noch war das Internet in Afghanistan unter den Taliban verboten -- nun gibt es die ersten 17 Netzwerktechniker mit AbschlĂĽssen nach dem Cisco Certified Industriestandard. "Die Klasse schreibt Geschichte", meint Ercan Murat vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP). Kein Wunder in einem Land, das vom Internet bisher so gut wie nicht profitieren konnte.

Nach dem Sturz der Taliban lag alles am Boden, was mit Telekommunikation zu tun hat. Auch heute noch ist es wegen der Minen lebensgefährlich, Kabel über Land zu verlegen. Wer telefonieren oder gar im Internet surfen will, ist auf teure Satellitenverbindungen angewiesen, über die nur einige wenige Internet-Cafés, Hotels, UN- und Regierungsstellen verfügen.

Nach den derzeitigen Plänen der afghanischen Übergangsregierung soll sich dies in den kommenden Jahren aber ändern. Zunächst plant die Regierung Karsai, ein Regierungsnetz einzurichten, das sich sowohl auf bestehende Anlagen als auch auf Fernmeldesatelliten stützt. Dieses Netz dient vorzugsweise der Polizei und dem Militär, um die Sicherheitslage zu stabilisieren. In einem zweiten Schritt soll dann ein ziviles Netz folgen, das auch ein Wissenschaftsnetz für die verbliebenen fünf von ehemals sieben afghanischen Universitäten enthält.

Die Kabuler Universität probt schon den Anschluss an die heutige Zeit. "Wir wollen technologisch auf dem gleichen Stand wie der Rest der Welt sein", sagt Zakia Moradi, ein Student der Cisco Networking Academy in Kabul. "Das Netzwerk ermöglicht uns schließlich enge Beziehungen mit den Industrienationen. Die Vorteile der Informationstechnologie werden uns bewusst."

Die Cisco Networking Academy, zuständig für die Schulung von Technikern auf die Produkte von Cisco Systems, betreibt eine Partnerschaft mit dem UNDP, um afghanische Spezialisten für den Übergang ihres Landes in das digitale Zeitalter zu schulen. Cisco trainiert speziell afghanische Lehrer und liefert neben den Web-basierten Lernmaterialien auch die technische Ausrüstung für die Akademie. Im Gegenzug stellt das UNDP die Computer-Hardware und regelt die Zusammenarbeit mit der Universität Kabul. Mit einem von der Europäischen Kommission zur Verfügung gestellten Budget von rund 500.000 Euro will das UNDP fünf neue Trainingszentren einrichten: Drei in Kabul, eins in Mazar-e-Sharif und eins in Kandahar, der einstigen Hochburg der islamistischen Taliban.

Unter den Taliban war nicht nur das Internet verboten. Die massive Repression der Islamisten richtete sich vor allem gegen die Frauen, die noch nicht einmal einen Beruf ausĂĽben durften. So gesehen ist das Engagement von Cisco und dem UNDP ein wichtiges Zeichen, denn sechs der ersten Absolventen sind weiblich. "Ich will mein Wissen teilen," freut sich Nabila Akbari ĂĽber ihre gelungene Ausbildung. Neue Computerkurse sollen an der Kabul University bereits im Mai beginnen, und im Juni wird es dort den ersten Computerkurs geben, der sich exklusiv an Frauen richtet. (Holger Bruns) / (anm)