Ein Puzzle namens QuarkXPress 6

Nachdem die ersten Appetithäppchen gereicht wurden, folgt nun der Hauptgang -- so muten zumindest die jetzt veröffentlichten Details über die neuen Funktionen des Layout-Klassikers an.

vorlesen Druckansicht 85 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Eckhard Paul

Nachdem die ersten Appetithäppchen gereicht wurden, folgt nun der Hauptgang -- so muten zumindest die jetzt veröffentlichten Details über die neuen Funktionen des Layout-Klassikers QuarkXPress an.

QuarkXPress 6 unterstützt nach den nun vorliegenden Angaben des Herstellers Quark den PDF-Workflow basierend auf der Jaws PDF Library von Global Graphics. Dabei handelt es sich um ein Software Development Kit (SDK), mit dem Quark als Lizenznehmer die PDF-Erzeugung an verschiedene Umgebungen anpassen kann. Der Standard im Druck- und Cross-Media-Publishing für den PDF-Export ist jedoch die Adobe-PDF-Library. Nachdem Quark schon in der aktuellen Version 5 PDFs mit veraltetem PostScript-Code erzeugt, würde somit auch QuarkXPress 6 nicht den branchenüblichen Code verwenden.

EPS-Grafiken sollen nun auf dem Monitor als voll aufgelöste Voransicht anstelle der bisherigen pixeligen TIFF-Bildschirmvorschau dargestellt werden. Derartige Objekte könnten somit ohne Qualitätsverluste skaliert und schon auf visuellem Wege exakter als bisher platziert werden. Quark bedient sich hierfür des Kernel-Interpreters eines Jaws RIP-Moduls -- ebenfalls von Global Graphics -- und bindet Grafiken in der ursprünglichen Auflösung der Originaldatei ein.

Zu den verbesserten Ausgabefunktionen zählt Quark unter anderem den so genannten DeviceN-Farbraum, der von Adobe mit der PDF-Version-1.3 (Acrobat 4.0) respektive PostScript Level 3 eingeführt wurde. Dieser kann aus mehreren Komponenten bestehen -- das ist mit Standardfarbräumen wie RGB oder CMYK nicht möglich -- und insbesondere bei der Bearbeitung von Duplex-Bildern von Vorteil sein. Die Volltonfarbinformationen von eingebetteten Objekten bleiben in Farbauszügen und PDF-Dateien erhalten, sodass sich eingefärbte Graustufen-TIFF-Bilder oder Farbverläufe mit Sonderfarben exakt reproduzieren lassen.

XML-Dokumente generiert QuarkXPress 6 nach eigenen Angaben ohne eine Document Type Definition (DTD). Dieser so genannte Well-Formed-XML-Code ist für den Datentransfer zwischen unterschiedlichen Applikationen gut geeignet, da kein dokumentspezifisches Regelwerk vorhanden ist. Für die Publikation von Dokumenten im Web sind Well-Formed-XML-Dokumente indes nicht sinnvoll. Die fehlenden Regelbeschreibungen verhindern, dass Well-Formed-Dokumente mit ihren beliebigen Elementfolgen im Web korrekt formatiert erscheinen. Der XML-Code strukturierter Quark-Dokumente soll mit Hilfe der so genannten Xerces-Engine geprüft werden.

Feinschliff scheint Quark dem verwaisten Tabellensatz zukommen zu lassen. Tabellen sollen nun miteinander verknüpfbar sein, Tabellenzellen können mit einem Textrahmen oder untereinander verbunden werden. Die Reihenfolge der Tabulatoren innerhalb einer Tabelle soll dabei frei wählbar sein. Transparente Rasterlinien gestatten eine genaue Tabellenpositionierung an anderen grafischen Elementen. Nach Quarks Angaben lassen sich Tabellen in eine Gruppe aus mehreren Rahmen konvertieren, die dann unabhängig voneinander verschiebbar, drehbar und in der Form veränderbar sind.

Mit so genannten Layoutflächen will Quark dafür sorgen, dass unter anderem Stilvorlagen, Layouts, Objektattribute und Silbentrennungs-Einstellungen in gemeinsamen Projekten für mehrere Benutzer zugänglich sind. Die Funktion "synchronisierter Text" soll alle Textstellen automatisch aktualisieren, an denen mehrere Personen gleichzeitig Änderungen vornehmen. Im Druck-Dialog von QuarkXPress 6 ermöglicht ein Ebenen-Register den Ausdruck einzelner Ebenen oder verschiedener Dokumentversionen.

Die schmackhaften Informationen des DTP-Spezialisten aus Denver geben der großen Fangemeinschaft etwas mehr als nur oberflächliche Informationen zu QuarkXPress 6 zum Verdauen. Quark bleibt aber nach wie vor den Erscheinungstermin sowie den Preis für Version 6 schuldig. Klar scheint nur, dass ausschließlich die Plattformen Windows 2000, XP und MacOS X (10.2 oder höher) unterstützt werden. (ecp)