Onboard-Grafikspeicher jenseits der 32-Bit-Grenze

Meinen PC mit Onboard-Grafik und 4 GByte Hauptspeicher betreibe ich unter einem 32-bittigen Windows XP. Vom RAM kann das Betriebssystem leider nur etwas mehr als 3 GByte nutzen. Lässt sich der Hauptspeicher, den der im Chipsatz integrierte Grafikprozessor nutzt, nicht „virtuell“ über die 2^32-Byte-Grenze heben, um dem Betriebssystem mehr RAM zu verschaffen?

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Meinen PC mit Onboard-Grafik und 4 GByte Hauptspeicher betreibe ich unter einem 32-bittigen Windows XP. Vom RAM kann das Betriebssystem leider nur etwas mehr als 3 GByte nutzen. Lässt sich der Hauptspeicher, den der im Chipsatz integrierte Grafikprozessor nutzt, nicht „virtuell“ über die 232-Byte-Grenze heben, um dem Betriebssystem mehr RAM zu verschaffen?

Theoretisch ja, aber praktisch möglicherweise nicht: Manche Chipsätze mit integriertem Grafikprozessor (Integrated Graphics Processor, IGP) bieten diese Möglichkeit, doch auch das BIOS Ihres PC oder Notebooks muss mitspielen.

Beispielsweise findet sich beim Biostar-Mainboard A760G M2+ mit dem Chipsatz AMD 760G im BIOS-Setup die Möglichkeit, die Adressen des für den IGP reservierten RAM in den Bereich jenseits von 4 GByte zu schieben. Die Option heißt „FB Location“, FB steht für Framebuffer. Das Biostar-Board kann dem IGP 32, 64, 128, 256 oder 512 MByte vom Hauptspeicher zuweisen.

Mit einem schlauen BIOS lässt sich der Speicherverschnitt bei Onboard-Grafik und 32-bittigem Windows minimieren.

In unseren Experimenten unter Windows XP Professional in der 32-Bit-Version blieb der „gesamte physikalische Speicher“ laut Task-Manager konstant bei 3,5 GByte (3 669 228 KByte), sofern das BIOS-Setup höchstens 128 MByte für den IGP reservierte. Wurden aber 256 MByte oder mehr Grafikspeicher vom RAM abgezweigt, dann gingen dem Betriebssystem in beiden Fällen je 256 MByte verloren (3,25 GByte/3 407 084 KByte nutzbar). Trotzdem standen dem Betriebssystem dann 256 beziehungsweise 512 MByte mehr zur Verfügung als im üblichen Fall, wo die IGP-Speicheradressen unterhalb der 232-Byte-Grenze liegen.

Welche IGP-Chipsätze und sonstigen Mainboards Grafikspeicheradressen über die 4-GByte-Grenze verlagern können, ist uns nicht bekannt. Auch eine Dokumentation kennen wir nicht. Bisherige Intel-Chipsätze mit eingebautem Grafikprozessor können den Grafikspeicher aus technischen Gründen vermutlich nicht in vom Betriebssystem unerreichbare Adressbereiche verschieben: Bei ihnen belegt der Grafiktreiber dynamisch so viel Hauptspeicher wie aktuell nötig (Dynamic Video Memory Technology, DVMT), beim Systemstart reserviert das BIOS nur ein Minimum von 1 oder 8 MByte. Weil ein 32-Bit-Grafiktreiber Adressen jenseits von 232 Byte nicht ansprechen kann, geht der Grafikspeicher anderen Applikationen zwangsläufig verloren. (ciw)