Sony widerspricht BBC-Bericht über PS3-Defekt

In der gestern ausgestrahlten Folge von "Watchdog" wirft die BBC dem japanischen Unternehmen vor, die erste Generation der PS3-Konsolen mit einem systematischen Fehler ausgeliefert zu haben. Laut Sony liegt die Ausfallquote der PS3 aber unter 0,5 Prozent.

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Sony widerspricht einem Fernsehbericht der BBC, laut dem der Elektronikriese die erste Generation der Spielkonsole PlayStation 3 mit einem Herstellungsfehler ausgeliefert haben soll. In der am gestrigen Donnerstag ausgestrahlten Folge der Sendung Watchdog, in der sich BBC-Reporter für Verbraucherinteressen einsetzen, stand die Playstation 3 im Fokus. Laut Watchdog soll die erste Hardware-Version der Konsole (mit 60-GByte-Festplatte, vier USB-Buchsen und PS2-Abwärtskompatibilität) von einem systematischen Herstellungsfehler betroffen sein: Sony habe die Konsolen mit fehlerhaften Lötverbindungen produziert.

Um die Behauptung zu unterstreichen, parkte ein Watchdog-Team einen Bulli mit einer kleinen Reparaturwerkstatt vor der offiziellen Reparaturannahme von Sony und warb mit der Aufschrift, defekte PS3-Konsolen kostenlos zu reparieren. Während des Drehs brachten elf PS3-Besitzer eine defekte Konsole vorbei, deren Lämpchen nach dem Einschalten nur noch gelb leuchteten ("Yellow Light of Death" genannt). Das Reparaturteam öffnete die Konsolen und legte die Hauptplatine für einige Minuten in einen Ofen. Dort sollten die defekten Lötverbindungen durch erneutes Schmelzen wieder geschlossen werden. Nach der Prozedur waren die Konsolen laut Watchdog tatsächlich wieder einsatzfähig. Watchdog wirft Sony vor, seinen Kunden nur eine einjährige Garantiezeit zu gewähren, in denen die Konsolen kostenlos repariert werden. Danach würde der Hersteller 128 Pfund für die Reparatur verlangen.

Sony Computer Entertainment hatte in Großbritannien bereits im Vorfeld gegen die Form und den Inhalt der Berichterstattung protestiert. In einem ungewöhnlich umfangreichen Schreiben wirft Ray Maguire, Senior Vice President von Sony Computer Entertainment UK, der BBC eine unsaubere Recherche und reißerische Berichterstattung vor. Von den in Großbritannien ausgelieferten 2,5 Millionen Playstation-3-Konsolen seien bislang weniger als 0,5 Prozent (also unter 12.500 Stück) mit einem gelb leuchtenden Lämpchen ausgefallen – ein verglichen mit ähnlichen Produkten extrem niedriger Wert. Maguire verbat sich Vergleiche zu den Ausfallproblemen der Xbox 360, die Microsoft dazu nötigten, eine Milliarde US-Dollar für Reparaturkosten zurückzustellen und die Garantiezeit auf drei Jahre zu verlängern.

Die gelbe Lampe der PS3 sei eine generelle Fehleranzeige, deren Grund sowohl in einem Ausfall elektronischer Bauteile, dem Netzteil als auch der Software zu suchen sein könnte. Sony würde sowohl bei der Produktion als auch bei der Reparatur die Qualität der Lötverbindungen mit Scannern kontrollieren. Andere Reparaturdienste seien qualitativ minderwertig, weil sie auf die aufwendige Kontrolle verzichteten. Die günstigeren Reparatur-Angebote würden sich zudem durch die nicht übernommenen Transportkosten relativieren. In der Tat musste die BBC eingestehen, dass seit der Produktion des Filmbeitrags vier von elf der von ihnen kostenlos reparierten Konsolen inzwischen wieder ausgefallen waren.

Die von Watchdog präsentierten Ausfälle hätten laut Maguire nur anekdotische Bedeutung und ließen keine Schlüsse auf grundsätzliche Produktionsfehler zu. So hätte die BBC lediglich drei Konsolen einer genaueren Analyse unterzogen, wobei sich herausstellte, dass ein Gerät vom Besitzer zuvor bereits geöffnet und verändert wurde. Das von der BBC engagierte Reparaturunternehmen hätte darüber hinaus kommerzielle Interessen bei der Reparatur der PS3-Konsolen und sei deshalb nicht neutral. Pikanterweise stellte Watchdog den für den Bericht verantwortlichen Moderator Iain Lee als "selbsternannten Xbox-Mann" vor, der zudem für Microsoft als freier Mitarbeiter tätig ist und regelmäßig Gaming-Kolumnen schreibt. Maguire warnte die BBC davor, mit diesem "Stunt" nicht nur Sony und der Playstation-Marke, sondern auch der eigenen Glaubwürdigkeit großen Schaden zuzufügen. Er werde "alle nötigen Schritte" einleiten, um Sony und die Playstation-Marke davor zu schützen.

In Deutschland gewährt Sony auf alle Playstation-3-Konsolen eine einjährige Garantie, innerhalb derer der Dienstleister TVS den Transport und die Reparatur kostenlos übernimmt. Kunden bekommen innerhalb weniger Tage entweder eine neue oder überarbeitete Konsole zugeschickt. Nach Ablauf der Garantie würde der Austausch 169 Euro kosten. Danach gelte für das Austausch-Modell erneut eine Garantiezeit von zwölf Monaten. (hag)