Systemhaus-Konkurrenzkampf: Ich hab den Größten!

Es ist so eine Art Reiz-Reaktions-Mechanismus: Kaum meldet das eine Unternehmen einen neuen Kunden oder Auftrag, zieht der Konkurrent mit einer Erfolgsmeldung nach.

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Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Damian Sicking

Liebe Vorstandsvorsitzende von Bechtle und Computacenter,

Sie beide führen zwei Systemhäuser an, die in direktem Wettbewerb miteinander stehen. Jedes Unternehmen will besser sein als der andere, schneller, größer, erfolgreicher. Eine tägliche Herausforderung. Schon lange wird der Kampf nicht nur beim Kunden ausgetragen, sondern auch über die Medien und die Öffentlichkeit. So ernst und manchmal vielleicht sogar verbissen Sie dabei vorgehen, so amüsant ist es hin und wieder für den unbeteiligten Beobachter. Wie zum Beispiel gestern.

Da verschickte zunächst die Bechtle AG eine Pressemitteilung über einen Auftrag in zweistelliger Millionenhöhe der Dataport, einer Anstalt des öffentlichen Rechts mit 1.600 Mitarbeiter und 242 Mio. Euro Umsatz. Die Zahlen sind beeindruckend: Es geht um die Lieferung von jährlich 16.000 PCs und 3.000 Notebooks inklusive Installation, Inbetriebnahme und dazugehörender Managed Services. Außerdem noch die Lieferung von Hardware für das Rechenzentrum. Nach unseren Recherchen kickte Bechtle damit in weiten Teilen den früheren Dataport-Partner Fujitsu Siemens Computers beziehungsweise nun Fujitsu Technology Solutions heraus. Schön zudem aus Bechtle-Sicht: Auch Dataport feiert das Ereignis mit einer eigenen Pressemitteilung, die auch noch direkt auf der Startseite der Homapage im Internet steht. Wenn das kein schöner Tag für den Bechtle-Vorstandschef Dr. Thomas Olemotz war!

So etwas schlägt natürlich auf die sonst so gute Laune des Vorstandsvorsitzende des Konkurrenten Computacenter, Oliver Tuszik. Als ob es nicht reicht, dass Montag ist, dann auch noch das! Kaum war gestern die Bechtle-Meldung über den Dataport-Großauftrag draußen, schrillten in der Computacenter-Deutschlandzentrale die Alarmglocken. So jedenfalls darf man sich das vorstellen. "Wir brauchen dringend eine Antwort darauf", könnte Tuszik von seinem PR-Chef Thorsten Düchting gefordert haben. Der fand dann auch etwas, zwar nicht so bedeutsam wie die Bechtle-Sache, zwar eine Nummer kleiner (umfasst nur 650 Arbeitsplätze), zwar auch nicht mehr ganz aktuell (der Vertrag wurde bereits im Mai unterschrieben), aber immerhin. Besser als nichts. Also raus damit. Kurz nach der Bechtle-Meldung folgte dann die Success-Story von Computacenter: "Computacenter übernimmt IT-Betrieb von Emery Oleochemicals."

Lieber Herr Dr. Olemotz von Bechtle, lieber Herr Tuszik von Computacenter: Es ist ja schön, wenn Ihr Geschäft gut läuft und wir freuen uns auch, wenn Sie neue Kunden und schöne Aufträge gewinnen. Und es ist ja auch interessant und man lernt auf diese Weise Unternehmen kennen, von denen man bis dato gar nicht wusste, dass es sie gibt (die Firma Emery Oleochemicals zum Beispiel dürfte wohl nur Brancheninsidern bekannt sein, aber jetzt, nachdem ich einen informativen und gar nicht so langen Artikel über die Firma gefunden und gelesen hatte, könnte ich bei Günther Jauch in der Sendung "Wer wird Millionär?" vielleicht sogar eine entsprechende Frage beantworten). Aber bitte, meine Herren, es ist wirklich nicht nötig, dass Sie uns jeden neuen Kunden persönlich vorstellen und jeden gewonnen Auftrag durchgeben. Vor allem wenn man wie im aktuellen Fall Computacenter nicht mehr zu bieten hat als einen Auftrag über 650 Arbeitsplätze, die auch noch auf die Länder Deutschland, USA, Malaysia, Großbritannien, Kanada, Brasilien, Japan, China und Korea verteilt sind. Das ist doch ein bisschen dünn. Aber als Versuch einer Antwort auf die Meldung des Konkurrenten auch wieder amüsant, so von der Warte des unbeteiligten Beobachters aus gesehen.

Beste Grüße

Damian Sicking

Und hier die Antwort von Bechtle-Vorstand Dr. Thomas Olemotz

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