Chef-Wechsel bei Adobe: Liebe, Erfolg und Arbeit
40 Jahre Schuften sind genug: Adobe-Geschäftsführer Fritz Fleischmann macht Schluss und kann sich nun mehr seiner Leidenschaft Tennis widmen. Auf seinen Nachfolger wartet viel Arbeit, Arbeit, Arbeit.
Harald Esch, Geschäftsführer, Adobe
(Bild:Â Adobe)
Lieber neuer Adobe-Geschäftsführer Harald Esch,
als Porsche-Fahrer haben Sie vermutlich auch vor wenigen Tagen die neue Ausgabe des Porsche-Kundenmagazins "christophorus" erhalten und vielleicht sogar den Artikel über den neuen Porsche-Chef und Wiedeking-Nachfolger Michael Macht gelesen. Was sagen Sie da, Sie fahren gar keinen Porsche? Hm, na gut, aber wegen derartiger Nebensächlichkeiten muss ich den Einstieg in diesen Artikel ja nicht ändern, oder? Immerhin werden Sie nicht bestreiten können, dass Sie, lieber Herr Esch, theoretisch einen Porsche fahren KÖNNTEN. Das reicht mir an dieser Stelle völlig aus.
Was ich interessant fand an diesem Artikel über den neuen Porsche-Chef war vor allem dessen Antwort auf die Frage nach seinem Erfolgsrezept. Macht sagt nur drei Worte: "Arbeiten, arbeiten, arbeiten." Mein erster Gedanke war: Klar, Schwabe! Macht wurde am 28. August 1960 in Stuttgart geboren, hat in Stuttgart studiert und ist, wenn ich das richtig sehe, nie für längere Zeit woanders als in Stuttgart gewesen. Mein zweiter Gedanke war: Hat das so ähnlich nicht auch Hape Kerkeling gesagt beziehungsweise seine Kunstfigur Evje van Dampen, wenn auch in einem etwas anderen Zusammenhang? Sie kennen vielleicht die Aufzeichnung des genialen Auftritts der niederländischen Paartherapeutin Evje van Dampen (auch auf Youtube zu sehen), bei dem sie immer wieder betont "Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!" Zum Wegschmeißen! (Irgendwo habe ich dazu den Kommentar eines Fachmannes gelesen, der sagte, es heiße ja auch "Blow-Job" und nicht "Blow-Fun", aber das geht an dieser Stelle vielleicht doch zu weit.) Also wenn schon Liebe "Arbeit, Arbeit, Arbeit" ist, wie viel mehr dann erfolgreiches Managen in einem Top-Unternehmen.
Für manche Menschen besteht ja das gesamte Leben aus nichts als Arbeit ("Leben ist Arbeit, Arbeit, Arbeit."). Den Schwaben (Porsche-Chef Macht!) sagt man ja nach, sie würden nur leben, um zu arbeiten, während dies bei den Nachbarn aus Baden schon wieder genau umgekehrt sei. Dieses Phänomen gibt es übrigens nicht nur hierzulande, sondern zum Beispiel auch in der Schweiz. Und von dort erreicht uns gerade eine interessante Forschungsarbeit zu der Frage, inwieweit kulturelle Unterschiede den Grad der Arbeitslosigkeit in verschiedenen Landstrichen beeinflussen. Aus gegebenem Anlass hier nur ganz kurz das Ergebnis: Es ist tatsächlich so, dass sich die unterschiedlichen Einstellungen der Bevölkerung zur Arbeit im Grad der Arbeitslosigkeit niederschlagen. In Gegenden mit einer "schwäbischen" Mentalität zur Arbeit ("Ich lebe, um zu arbeiten.") ist die Arbeitslosigkeit tatsächlich geringer als in Landstrichen mit "badensischer" Mentalität ("Ich arbeite, um zu leben."). Wenn ich´s mir genau überlege, ist dieses Ergebnis auch nicht sooo überraschend, oder? Aber jetzt ist das, was wir ohnehin immer schon vermutet haben, wenigstens auch wissenschaftlich abgesichert.
Aber das nur am Rande. Lieber Herr Esch, zwischen Ihnen und Porsche-Chef Michael Macht gibt es ja eine Parallele. Sie beide haben gerade die Nummer-1-Position in den Unternehmen übernommen, nachdem die bisherigen Firmenchefs ihre Koffer gepackt hatten, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Anfang dieses Monats lösten Sie Fritz Fleischmann als Geschäftsführer von Adobe ab. Macht und Sie treten kein leichtes Erbe an. Über die großen Schuhe, die Porsche-Titan Wiedeking seinem Nachfolger hinterlassen hat, brauchen wir hier nicht zu reden. Jeder kennt sie. Weniger bekannt ist, dass auch Fritz Fleischmann bei Adobe einen prima Job gemacht hat. Wie prima genau, wissen wir zwar nicht, weil Adobe für die einzelnen Landesgesellschaften keine Zahlen veröffentlicht. Aber wenn Stephan van Verck, Vice President bei Adobe und Vorgesetzter von Fleischmann, seinem langjährigen Deutschlandchef zum Abschied für seine "außerordentliche Leistung" dankt, dann darf man ruhig annehmen, dass es auch so gemeint ist.
Lieber Herr Esch, was ist Ihre Erfolgsdevise? Auch "Arbeiten, arbeiten, arbeiten", wie bei Porsche-Chef Macht? Also ich persönlich finde die Formel von Albert Einstein viel sympathischer: "Wenn A für Erfolg steht, gilt die Formel A = X + Y + Z, wobei X Arbeit ist, Y Muße und Z Mundhalten." Klingt gar nicht so schwierig, finden Sie nicht auch? Und dann, wenn man sich an die Einsteinsche Formel hält, klappt´s vielleicht auch mit dem Porsche (bei mir bisher aber noch nicht, vermutlich wegen meiner angeborenen Z-Schwäche).
Beste GrĂĽĂźe!
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