AEG-Telefone-Vermarkter ITM Technology beantragt Insolvenzverfahren

DECT-Telefone sowie GSM- und Bluetooth-Geräte der Marken AEG, Hagenuk und Anycom zählen zum Produktspektrum der ITM Technology AG. Akute Liquiditätsprobleme zwangen den Anbieter, Antrag auf ein Insolvenzverfahren zu stellen.

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DECT-Telefone sowie GSM- und Bluetooth-Geräte der Marken AEG, Hagenuk und Anycom zählen zum Produktspektrum der /ITM Technology AG – darunter beispielsweise der PocketSurfer. Akute Liquiditätsprobleme zwangen den Anbieter, Antrag auf ein Insolvenzverfahren zu stellen. Das zuständige Amtsgericht in Karlsruhe hat bereits Mitte Juli den Rechtsanwalt Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Im Vorfeld des Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2008 und der Hauptversammlung hatte der ITM-Vorstand Anfang Juni 2009 eine Verlustmeldung veröffentlicht: Das Unternehmen rechne mit einem Fehlbetrag, der mindestens die Hälfte des Grundkapitals betrage, das eigenen Angaben zufolge zuletzt bei rund 11,7 Millionen Euro lag. Durch die Verschmelzung mit Anycom im vergangenen Jahr hatte ITM zwar einen deutlichen Umsatzzuwachs verzeichnet, aber bereits das 9-Monats-Ergebnis zum 30. September 2008 war von einem Jahresfehlbetrag in Höhe von rund 2,8 Millionen Euro belastet – bei einem Umsatz von knapp 46 Millionen Euro.

In den Auftaktmonaten 2009 verschärfte sich zudem der Rückgang der Auftragseingänge. Der ITM-Vorstand um Ralph Kimmig sah sich in der Folge dazu veranlasst, prüfen zu lassen, inwieweit die ITM Technology AG weiterhin zahlungsfähig sei. "Die unerwartet starken Umsatzrückgänge und die Tatsache, dass ITM das laufende Geschäft nahezu ohne Banken finanziert, haben deutlich gemacht, dass die liquiden Mittel in einem erheblichen Maße zurückgegangen sind", teilte das Unternehmen Mitte März dieses Jahres mit. Um das damit verbundene Risiko zu mindern, wolle der Vorstand neue Finanzierungsquellen erschließen.

In diesem Zusammenhang gründete ITM beispielsweise ein Joint Venture mit einem chinesischen Partnerunternehmen. Die neue ITM Technology Hongkong, Ltd. sollte ab Ende des zweiten Quartals 2009 den Wareneinkauf zu "erheblich günstigeren" Konditionen abwickeln. Dabei vertraute das Unternehmen einerseits auf längere Zahlungsziele beim direkten Einkauf in China, zum anderen sollte die Refinanzierung des Joint Venture über Konjunkturprogramme der chinesischen Regierung abgedeckt werden.

Im Juli musste der ITM-Vorstand dann aber doch "wegen Zahlungsunfähigkeit" den Gang zum Amtsgericht antreten und einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise habe bei der ITM Technology AG zu einer angespannten Liquiditätslage geführt, hieß es in der offiziellen Verlautbarung des Unternehmens. Der noch im Umfeld der CeBIT 2009 geäußerte Optimismus, "die erwarteten und der Krise angepassten Umsätze könnten ohne Weiteres erreicht werden", wich zuletzt einer eher zurückhaltend Zuversicht hinsichtlich der Zukunft des Unternehmens: Erklärtes Ziel des Vorstandes sei es lediglich, "mit Hilfe des vorläufigen Insolvenzverwalters in Gespräche über die Zukunft der ITM Technology AG einzutreten." (map)