Kurios, kreativ und kunterbunt
Für eines war die zweitgrößte IT-Messe der Welt schon immer berühmt-berüchtigt: Für in jeder Hinsicht ausgefallene Produkte und Ideen. Ein buntes Potpourri von der Computex.
Die Preisverleihung in Taipei (6 Bilder)

Über die Jahre ist die Computex erwachsen geworden: Die Messe wuchs in den letzten 28 Jahren zur zweitgrößten IT-Show der Welt heran und wurde immer professioneller und internationaler. Mit der neuen Messehalle in Nangang unterscheidet sich die Computex nun auch optisch kaum mehr von anderen Ausstellungen mit Weltrang. Das rund um das alte Messegelände noch bisweilen spürbare typische Taiwan-Flair tritt immer weiter in den Hintergrund. Wer schon seit Jahren in Taiwans Hauptstadt Taipeh fährt, sieht diese Entwicklung durchaus auch mit einem weinenden Auge.
Natürlich ist es schön, dass die neue Ausstellungshalle im Auge des westlichen Besuchers großzügig und freundlich erscheint. Erfreulich ist auch, dass auf nahezu jedem Stand wie selbstverständlich englisch gesprochen wird. Weniger gut gefällt dem technisch interessierten Besucher allerdings die nunmehr übliche Zusammensetzung der Standbesatzungen: Heute dominieren in den USA geschulte "Marketing Manager" die Szene, früher traf man auf der Computex auch mal den Entwickler eines neuen Produkts an. Der sprach dann zwar oft kein akzentfreies Englisch, dafür kannte er die ausgestellten Produkte aber perfekt und konnte auch bei kniffeligen technischen Detailfragen sofort mit einer fundierten Antwort aufwarten. Das war eine der Dinge, die die Computex einmalig unter den IT-Messen der Welt machte. Nirgends konnte man so direkt und auch so offen Informationen über neue Produkte und Entwicklungen erhalten wie dort. Ganz verschwunden ist diese Offenheit zum Glück noch nicht. Noch immer ist die Computex "näher dran" an der konkreten Technik als etwa die CeBIT – es wird nur immer schwieriger, zu den wirklich Wissenden vorzudringen.
Was für den Messeauftritt und die Messeorganisation gilt, gilt aber auch für das Design vieler Produkte. Auch hier gleichen sich die Aussteller immer mehr dem "international Üblichen" an. Das macht es leider immer schwieriger, wirklich kuriose Produkte oder Designs zu entdecken. Gemeint sind hier nicht die in den Augen vieler westlicher Besucher kitschig erscheinenden Produkte wie etwa USB-Sticks im Disney-Design. Da die auf der Computex "Buyer" genannten Fachbesucher nun mal auch aus dem asiatischen Raum kommen, haben solche Produkte durchaus ihren Markt und damit auch ihre Daseinsberechtigung auf dieser Messe. A-Data etwa produziert und verkauft die bunten Speicherstäbchen nach wie vor mit gutem Erfolg in Japan. Das hindert das Unternehmen aber nicht daran, auch für den europäischen Geschmack zugeschnittene Produkte und Designs zu entwickeln. Im Zuge der Internationalisierung hat man bei A-Data nun auch am Firmenlogo gefeilt: Das etwas altbacken und streng wirkende alte A-Data-Logo wird künftig nur noch bei den DRAM-Produktlinen verwendet. Im wachsenden Markt für Flash-Produkte setzt man nun auf einen dynamischeren Schriftzug. Ganz konsequent hält sich das Unternehmen allerdings noch nicht an die neue Logo-Doktrin: So erscheinen auf der Homepage der Adata-Group nach wie vor sowohl Flash-Produkte als auch Speicherriegel noch unter dem nun eigentlich für DRAMs reservierten alten A-Data-Logo.
Für ein Schmunzeln waren in den vergangenen Jahren auch die allerorts anzutreffenden digitalen Bilderrahmen gut. Ihr oft barock anmutendes Design wollte so gar nicht in das Wohnzimmer eines technisch interessierten Europäers passen. Hier haben die Hersteller einiges dazugelernt, die das Beispiel von Transcend trefflich zeigt: Der bislang angebotene T.photo 710 mit seinem laut Pressemitteilung "elegant schwarz-goldenen Farbspiel" ist nun als T.photo 710C auch mit einem etwas weniger altbacken wirkenden Rahmen zu haben. Der nagelneue T.photo 720 wartet dann auch noch mit einer ganzen Reihe zusätzlicher Funktionen auf. Das 195 mm × 157 mm × 25 mm große Gerät bietet eine Bildschirmauflösung von 800 × 480 Bildpunkten, kann Bilder im JPG- und BMP-Format anzeigen und spielt natürlich auch Videos (AVI, MOV, MPG, MP4, 3GP, Motion JPEG) ab. Ein integrierter Lautsprecher übernimmt die Audiowiedergabe, alternativ kann auch ein Kopfhörer verwendet werden. Der digitale Bilderrahmen besitzt darüber hinaus ein integriertes UKW-Radio und kann auch als MP3-Player (MP3, WAV, WMA ohne DRM) verwendet werden. Ganz nebenbei fungiert der im Portrait- und Landscape-Format nutzbare T.photo 720 auch als Terminkalender und Wecker. In das mit 2 GByte Flash-Speicher ausgestattete Gerät ist ein Card-Reader (microSD, SD, SDHC, MMC, MS, MS2, CF) integriert. Fotos, Musik und Videos schluckt der kleine Alleskönner aber auch via USB 2.0.
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Wer auch unterwegs nicht auf eine "Glotze" verzichten will, findet möglicherweise bei i-muvi etwas Passendes. Das Unternehmen vermarktet in Deutschland die von TSKY gefertigten mobilen DVB-T-Fernseher. Als erstes Modell will man den MV3000, einen Winzling mit 3"-Display, für knapp 99 Euro unters Volk bringen. Später soll noch der MV4300 mit etwas größerem Display (4,3", 320 × 240 Pixel) für knapp 130 Euro folgen. Beide Geräte, so verspricht der Hersteller, kommen mit einer Akkuladung ungefähr drei Stunden lang aus. Kommt mal nichts für unterwegs geeignetes in der Glotze, so eignen sich beide Geräte auch als Bildbetrachter, Video- und MP3-Player. Die Musik- und Filmdateien gelangen per SDHC- oder MMC-Speicherkarte in die Geräte.
Dass man auch mit der Kombination altbekannter Produkte Neues schaffen kann, zeigt QNAP: Das NVR-1012 ist ein Out-of-the-Box Überwachungssystem für daheim und für kleine Büros. Es besteht aus einer NAS-Box (NVR-101), zwei IP-Kameras (ICS-1013) sowie einer mitgelieferten Software. Das im Bundle angebotene System soll laut QNAP kinderleicht zu installieren sein. In Deutschland kostet das Paket 655 Euro.
Hübsch anzusehen und eigentlich recht pfiffig ist die "Data Encryption Box" von Raidon. Das zur "Stary"-Serie gehörende Gerät nimmt eine 2,5"-SATA-Festplatte auf und verschlüsselt die darauf abgelegten Daten. Bei den Modellen "S1" und "S2" erfolgt die Verschlüsselung per Software und die Datenübertragung via USB 2.0. Als Zugangsschlüssel dient beim Stary S1 ein auf einem Windows-PC eingegebenes Passwort. Beim Stary S2 dient ein Finger-Scan zur Identifizierung, das Gerät ist aber ebenfalls nur unter Windows nutzbar. Universeller ausgelegt ist das "Stary S3": Es ist sowohl in einer Variante mit USB-2.0-Port als auch in einer Version mit zusätzlichem FireWire-Port zu haben. Zugang zu den per Hardware verschlüsselten Daten auf der Festplatte erhält hier nur, wer den richtigen Code mit Hilfe der seitlich angebrachten Tasten eintippt. Leider hat es Raidon bislang aber noch nicht geschafft, Testmuster der Geräte zu liefern. Aussagen zur Praxistauglichkeit müssen wir also einstweilen schuldig bleiben.
Eine weitere hübsche Idee stammt ebenfalls von Raidon: Für Apples Mac Pro im Tower-Gehäuse bietet das Unternehmen optisch und mechanisch passende Einbaurahmen an, die es ermöglichen, statt einer 3,5"-Festplatte zwei 2,5"-SATA-Laufwerke als RAID-Verbund zu nutzen. Die beiden Laufwerke erscheinen auf dem Mac als ein Laufwerk, arbeiten aber intern je nach Konfiguration als RAID-0- oder RAID-1-System.
Apropos Mac: Bei Elitegroup konnte man hinter dem berüchtigten Vorhang einen PC im iMac-Format bewundern. Wie beim Apple-Vorbild ist der Rechner hier in das 22"-Display integriert. Leider galt hier: Fotografieren verboten. Das Design des noch namenlosen Geräts reichte aber kaum an das des Vorbilds heran, weshalb die fehlenden Bilder wohl zu verschmerzen sind. Elitegroup will das Gerät nicht unter eigenem Label anbieten und sucht derzeit noch einen Partner, der die Vermarktung übernimmt.
Interessante Pläne schnappten wir auch bei Elsa auf: Dort bereitet man derzeit die Rückkehr nach Deutschland vor. Die neue Elsa und ihre Grafikkarten seien nun reif für den Schritt zurück ins Ursprungsland der 1981 in Aachen gegründeten Firma, erklärte uns Louis Lee, Senior Director des "Global Channel Sales Department" der Elsa Technology Inc. aus Taiwan. Man darf gespannt sein, wie sich das Unternehmen auf dem hart umkämpften deutschen Grafikkartenmarkt positionieren und behaupten will.
Spannend könnte auch eine Neuentwicklung von Compro werden: Das "VideoMate Network Media Center". Das Gerät vereint einen Stand-Alone-TV-Empfänger, einen Streaming-Client sowie eine NAS-Box und kann via HDMI-Port auch hochauflösendes Fernsehen und HD-Videos wiedergeben und aufnehmen. Via LAN und WLAN nimmt es Kontakt mit dem Heimnetz auf und kann als Standalone-BitTorrent-Client Daten aus dem Internet herunterladen. Das recht hübsch anzusehende Gerät kommt ohne Lüfter aus und soll – so eine leise SATA-Festplatte eingebaut wird – nahezu geräuschlos arbeiten, verspricht Compro. Der TV-Empfang ist beim aktuellen Modell via DVB-T und DVB-C möglich, eine DVB-S2-Version soll in Kürze folgen. Ob diese dann auch einen Slot für eine Pay-TV-Karte haben wird, ließ der Hersteller noch offen.
Bei Silverstone konnte man auf der Computex – wieder einmal – das Sideshow-Panel MFP52 bewundern. Das inzwischen schon beinahe serienreife Gerät eignet sich zum einen als Zweitdisplay für Windows-Vista, kann aber auch als unabhängiges Gerät verwendet werden. Dann ist es Bildbetrachter und MP3-Player sowie ein ausgelagerter Terminkalender mit Weckfunktion. Das Gerät tauscht via Bluetooth Daten mit dem Vista-PC aus.
Ein Produkt aus der Kategorie "Dinge, auf die die Welt noch gewartet hat" entdeckten wir bei OCZ: Fortress ist der Prototyp eines "ruggedized" USB-Sticks. Der wasserdichte, stoß- und schlagfeste Speicherstab soll in Kürze auf den Markt kommen. Wer sich diesen sicher nicht billigen Klotz aber ans Bein binden wird, bleibt abzuwarten.
Ein Produkt, das so ganz und gar nichts mit "IT" zu tun hat, entdeckten wir sowohl bei Elsa als auch bei Glacialtech. Die beiden Hersteller zeigten erste Modelle einer für sie völlig neuen Produktlinie, nämlich leistungsstarke LED-Lampen. Glacialtech gründete für die Fertigung und den Vertrieb der LED-Leuchtkörper und Lampen sogar ein eigenes Label: Unter GlacialLight sollen sich die wirklich beeindruckend hellen Lampen ihren Platz im schnell wachsenden Markt für sparsame Leuchtmittel sichern. Interessanter als die vielen angebotenen Leuchten selbst ist hier allerdings die Tatsache, dass gleich mehrere taiwanische Hersteller jetzt auf diesen Zug aufspringen. Üblicherweise ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass die entsprechende Technik inzwischen preiswert zu produzieren ist. (gs)