Irak soll bald wieder ins Netz
Zehn Wochen nach Zerstörung der irakischen Internet-Infrastrukur hat Bagdad wieder einen funktionstüchtigen Satellitenempfänger für Online-Verbindungen.
Die Nacht zum 31. März war nicht nur der Schicksalstag für hunderte irakische Soldaten und Zivilisten, auch das Internet im Land wurde in diesen Stunden begraben: Im Zuge der pausenlosen Bombardements auf die irakische Hauptstadt zerstörten alliierte Cruise Missiles das Gebäude des Informationsministeriums, auf dessen Dach die Antennen und Übertragungsstationen für Iraks einzigen offiziellen Zugang zum weltweiten Internet installiert waren. Über Satelliten-Verbindungen mit dem US-amerikanischen Unternehmen Atlanta International Teleport und dem britischen Sat-Provider SMS Internet hatte der einzige ISP im Land, Uruklink, bis dahin seinen gesamten Datenverkehr abgewickelt.
Ingenieuren der staatlichen Gesellschaft für Internet-Dienstleistungen ist es in der Zwischenzeit aber gelungen, einen der Satellitenempfänger aus dem ausgebrannten Gebäude in Bagdad zu retten und auf dem Dach eines zweistöckigen Hauses im westlichen Stadtteil Adel zu platzieren. Nach wochenlangen Reparatur- und Installationsarbeiten soll es jetzt zumindest wieder möglich sein, Datensignale zu empfangen und zu senden. Bis allerdings irakische IP-Adressen wieder erreichbar sind, wird es noch ein wenig dauern: Denn bislang herrscht keine Einigkeit über die Verwaltung der künftigen .iq-Länderdomain. In Afghanistan dauerte es ein geschlagenes halbes Jahr, bis der Aufbau der Registrys nach Kriegsende abgeschlossen war.
Das Internet im Irak war bis zum Sturz Saddam Husseins nur wenigen privilegierten Personen zugänglich. Meist wurden vom Staat betriebene und streng zensierte Internet-Cafes benutzt. Erst im vergangenen Jahr erlaubte das Regime auch private Internet-Anschlüsse, deren Anzahl jedoch auf 25.000 begrenzt war. Unter den insgesamt 24 Millionen Einwohnern gab es zuletzt nur etwa 250.000 aktive Internet-Nutzer; dem gesamten Land reichte eine Leitung mit einer Bandbreite von 10 MBit/s. Jetzt soll das Internet allerdings eine Schlüsselrolle bei der gesellschaftlichen Erneuerung des Irak einnehmen. (pmz)