Keine Hoffnung mehr auf schnellen UMTS-Aufschwung in Hessen
Wann die Technologie neue Arbeitsplätze schafft, steht noch nicht fest.
In Hessen, dem Land der Banken und Dienstleister, hat das Zauberwort UMTS seine Kraft vorerst verloren. Obwohl der Aufbau des Handy-Netzes der zweiten Generation weitergeht, sind die Hoffnungen verflogen, dass der neue Handy- Standard das Land schnell zu einem Wirtschaftsmotor machen wird. Seit die Betreiber T-Mobile und Vodafone nicht nur ihre Wirtschaftsziele mit UMTS heruntergeschraubt, sondern wegen "Kinderkrankheiten" auch den Start erneut verschoben haben, äußern sich Branchenexperten nur noch verhalten.
Das hessische Wirtschaftsministerium erwartet zwar noch immer von den schnellen Datendiensten positive Folgen für die Arbeitsplätze, "fraglich ist nur, wann der Aufschwung mit UMTS kommen wird", sagt Günter Frey, Referatsleiter für Informationstechnologie, Telekommunikation und Post beim Wirtschaftsministerium. So schnell wie noch vor zwei Jahren erwartet, werde es sicher nicht gehen. "Das ist normal, auch beim alten Handy-Standard GSM gab es Startschwierigkeiten", sagt Frey.
Knapp 20.000 Menschen in Hessen waren Ende 2002 nach Auskunft des Ministeriums bei 234 Unternehmen rund um die Informations- und Kommunikationstechnik beschäftigt. Bundesweit hatte die Branche allein im vergangenen Jahr fast 12.000 Arbeitsplätze eingebüßt. "Hessen war vom Jobabbau überproportional betroffen", heißt es beim Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) in Köln. "UMTS wird mindestens die bisherigen Stellenverluste in der Branche ersetzen", hofft das hessische Wirtschaftsministerium.
Insgesamt 50 Milliarden Euro hatten die sechs an der UMTS- Versteigerung beteiligten Mobilfunkunternehmen im August 2000 an Lizenzgebühren ausgegeben. Mittlerweile wollen von den Teilnehmern nur noch T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 auf den Markt kommen. Im Herbst 2003 sollte nach bisherigen Planungen der Startschuss für die Technologie fallen, mit der große Datenmengen wie etwa Fotos, Videos oder E-Mails schneller als bisher übermittelt werden können – von Handy zu Handy, aber auch zum Computer.
Auch 2004 sei als Termin denkbar, hieß es jüngst etwa bei Vodafone. Der Grund: Die Endgeräte sollen noch nicht den Vorstellungen der Betreiber entsprechen. Außerdem funktioniert der Übergang zwischen der neuen UMTS- und der bestehenden GMS-Technik beim Telefonieren noch nicht einwandfrei.
Dennoch bauen die Mobilfunkbetreiber derzeit verstärkt neue Anlagen auf oder bringen an den alten zusätzliche UMTS-Sender an. Denn eigentlich haben sich die Lizenznehmer dazu verpflichtet, die Technik bis Ende 2003 mindestens einem Viertel der Bevölkerung zugänglich zu machen. "Das schaffen wir auch, gar keine Frage", sagt der T-Mobile-Sprecher für die Region Süd-West, Andreas Fuchs. Nur wolle man nun eher fließend und nicht an einem Fixdatum beginnen. Rund 15 Millionen Euro steckt T-Mobile allein in diesem Jahr in Hessen in den Aufbau des Netzes. 155 Anlagen errichtete der Betreiber bereits im vergangenen Jahr auf hessischem Boden, für dieses Jahr sind insgesamt 344 Anlagen geplant. Die Mobilfunkfirma O2 will etwa 170 UMTS-Stationen anbringen.
Um die 25-Prozent-Vorgabe einzuhalten, bringen die Mobilfunk- Mitarbeiter die auf Masten und Hochhausdächer gesteckten Anlagen daher zurzeit insbesondere im Rhein-Main-Gebiet, in Wiesbaden und in Darmstadt an – weil dort die meisten Menschen wohnen. In diesen Ballungsgebieten rechnen die Mobilfunkbetreiber auch mit den meisten Abnehmern. "Von Geschäftskunden kommen die meisten Anfragen, beispielsweise von den Messen und Flughäfen", sagt der T-Mobile- Sprecher Fuchs. Auch im kommenden Jahr werde weiter aufgebaut, denn bis Ende 2005 soll UMTS der Hälfte der Bevölkerung zur Verfügung stehen.
Nach den Vorstellungen des hessischen Wirtschaftsministeriums könnten mit Hilfe der UMTS-Technik neue Dienstleister den Markt erobern: Denkbar wäre beispielsweise, dass Anbieter von unterwegs abrufbare Verkehrsinformationen fürs Handy liefern. Andere fänden vielleicht eine Nische darin, Funktionen für das Handy zu entwickeln, mit denen das Gerät beispielsweise bei Bedarf automatisch Signale an Notdienste abgeben kann. (Nadine Schwede, dpa) / ()