I don't like Mondays?

Noch so eine lustige Idee fĂĽr mehr Nachhaltigkeit: Die Vier-Tage-Arbeitswoche soll CO2-AusstoĂź und Energieverbrauch senken.

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Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Niels Boeing

Wer kennt nicht das Gefühl am Sonntag abend, dass das Wochenende viel zu kurz war? Dass Montag auch frei sein müsste, denn sind nicht vier Arbeitstage in der Woche mehr als genug? Der New Scientist adelt diese Empfindung jetzt in seiner Sammlung "radikaler Ideen" für eine bessere Welt mit dem Nimbus des Klimaschutzes: Eine Vier-Tage-Arbeitswoche könnte CO2 sparen, weil sie Pendlerverkehr und den Energieverbrauch von Bürogebäuden reduziert. Die Idee war übrigens schon mal in der Ölkrise von 1973 diskutiert worden.

Für sie scheinen Erfahrungen des US-Bundesstaates Utah zu sprechen. Der hatte seinen Staatsdienern im August 2008 angesichts steigender Spritpreise einen weiteren freien Tag angeboten. Die 70 Prozent, die sich dafür entschieden, arbeiten nun an den restlichen vier Tagen länger (für insgesamt gleichen Lohn). Auch wenn eine offizielle Auswertung noch nicht vorliegt, schätzt man, dass der Energieverbrauch in den betroffenen Bürogebäuden um 13 Prozent zurückging. Ebenso die Krankmeldungen derer, die sich für das 4/10-Modell entschieden (vier Tage à zehn Stunden).

So sympathisch diese Idee klingt, kommt sie mir doch zu kurz gedacht vor.

Zum einen funktioniert sie nur bei klassischen, um nicht zu sagen fordistischen Arbeitsverhältnissen, in denen es tariflich geregelte Arbeitszeiten gibt. Die werden aber immer weniger. In der "Wissensökonomie" hingegen nehmen die Jobs überhand, die einen hohen Anteil an Kommunikation und Informationsbeschaffung haben. Die lappen aber längst in Feierabend und Wochenende über. Das iPhone setzt hier noch mal neue Maßstäbe. Ja, das alte Bohème-Ideal, die Unterscheidung zwischen Arbeit und Freizeit sei bürgerlich und blöd, setzt sich zunehmend durch, aber eben anders, als die früheren Protagonisten erhofften. Der Anspruch, erreichbar zu sein und nichts zu verpassen, stresst, und ich sehe nicht, warum dieses Problem mit einer Vier-Tage-Arbeitswoche weniger werden sollte.

Dazu kommt, dass Kommunikation und Informationsbeschaffung nicht ohne weiteres teilbar sind. Im Gegenteil, wenn noch mehr Jobübergaben nötig sind, weil immer weniger gleichzeitig arbeiten, erhöhen sich beide unterm Strich. Es muss noch mehr gemailt, telefoniert und dokumentiert werden, um die Gesamtproduktivität zu halten.

Zum anderen fürchte ich, dass es wie bei vielen Ideen einen Rebound-Effekt gibt. Was machen die Leute, wenn sie jede Woche drei freie Tage haben? Befeuert von den paradiesischen Versprechungen der Konsumgesellschaft wohl noch "intensiver" Freizeit. Der Kurztrip übers lange Wochenende wird plötzlich zur allwöchentlichen Option. Von wegen reduzierte Verkehrsemissionen. Sie bleiben wahrscheinlich im besten Fall gleich.

Oder wir nehmen uns noch mehr und noch ausgefallenere Sportarten vor. Längst ist Sport aber etwas, für das man Spezialgeräte braucht, also auch wieder industriell hergestellte Produkte, die irgendwo auf dem Globus produziert und hierher geschafft werden. Auf die Wiese gehen und bolzen war früher. Selbst fürs Spazierengehen nimmt man schon Hightech-Wanderstöcke in die Hand und nennt das Nordic Walking.

Und dann noch die Extra-Gelegenheit zum Alkoholkonsum, um den Stress der 4/10-Woche runterzuspĂĽlen.

Nein, auch eine Vier-Tage-Arbeitswoche wäre nur ein Rumdoktern an Symptomen, wenn sich sonst nichts ändern würde. So gerne ich auf Montage verzichten würde – für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem brauchen wir ganz andere radikale Ideen. (bsc)