BSI-Technologietrendstudie: Vernetzt im Jahr 2013
Die neueste Technologietrendstudie soll zeigen, in welche Technologien es sich zu investieren lohnt.
Im Jahr 2013 wird der Tagesablauf eines Geschäftsreisenden etwas anders aussehen als heute: Der Wecker kennt den persönlichen Terminplan. Er wird nicht nur einen Signalton zu einer festgesetzten Zeit von sich geben und über das Wetter des kommenden Tages informieren, sondern auch das Taxi bestellen. Zum Reisebeginn holt das Taxi seinen Gast etwas früher ab, da es den Stau zeitlich bereits aufgrund eines ausgefeilten Telematiksystems berücksichtigen kann. Im Zug weist ein dynamisches Sitzplatzsystem dank Context Awareness den richtigen Platz zu. Der Geschäftstermin schließlich findet in einem Konferenzraum statt, der über einen breitbandigen Netzanschluss verfügt. Während der Besprechung können die Teilnehmer CAD-Daten eines neuen Produkt einsehen, verändern und zur Produktion freigeben. Die Produktion wird wenig später angestoßen. Wertschöpfungsketten sind im Jahr 2013 also bereits durchgehend digitalisiert und automatisiert.
Dieses Szenario präsentierten Mitarbeiter der neuesten Trendstudie Kommunikations- und Informationstechnik 2010 +3. Sie ist das Ergebnis einer interdisziplinären Kooperation der Technischen Universität München, der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Sirrix AG Security Technologies und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. 220 ausgewählte Experten verschiedener Fachrichtungen gaben ihre Einschätzung ab, mehr als 18.000 Einzelantworten werteten die Wissenschaftler aus.
"Es ist möglich, bestimmte Entwicklungen einzuschätzen und so dem verschärften Wettbewerb auf dem Weltmarkt begegnen zu können", sagt BSI-Präsident Udo Helmbrecht. Vor dem Hintergrund knapper werdender Forschungs- und Entwicklungsmittel und der Angst, im internationalen Technologiewettbewerb den Anschluss an die Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, ist es für Unternehmen, aber auch für Behörden wichtig, die richtigen Prioritäten zu setzen.
Die Haupttechnologietrends lassen sich kurz folgendermaßen zusammenfassen: Generell wird in den nächsten zehn Jahren bei den Datenerfassungsmethoden die Tastatur an Bedeutung verlieren, während die der Sprache zunimmt. SQL wird als Abfragesprache für Datenbanken an Bedeutung gewinnen, während die Nachfolgesprache XQL zunehmend genutzt wird. Kryptografische Prozessorfunktionen werden gegenüber Sound-, Grafik-, Video- und Signalverarbeitung an Bedeutung gewinnen. Die Mobilitätsunterstützung und Hardware-Einbettung als Systemeigenschaften werden immer wichtiger. Während heute der mobile Internetzugang vornehmlich über den Mobilfunkstandard GSM erfolgt, werden Nutzer in zehn Jahren nur noch per UMTS und Wireless LAN das Netz nutzen. Die Studie betrachtete auch einzelne Anwendungsbereiche zu bestimmten Zeitpunkten. So stellte der Münchner Informatikprofessor Manfred Broy auf der Präsention der Studie auf dem BSI-Sicherheitskongress Mitte Mai auch Software und Elektronik im Auto im Jahr 2008 vor. Broy prophezeit etwa, dass der Internetzugang im Automobil weit verbreitet sein werde und der Motor intelligent gesteuert. Er berücksichtige Temperatur, Last und Steigung, um die Wirtschaftlichkeit oder Leistung zu erhöhen. Das Auto werde auch über komplexe dynamische Navigationssysteme verfügen. Broy: „Ein zentraler Rechner verwaltet und steuert alle Systeme. Radio, Telefon und Navigationssystem können per Sprache gesteuert werden.“ Auch ist ein regelmäßiges Update der Software möglich.
Im Jahr 2005 werden im Bereich der mobilen Technologien PDAs und Smartphones noch weit verbreitet sein. Nutzer werden den Papierkalender allerdings der elektronischen Variante noch vorziehen. Erst im Jahr 2012 wird sich eine integrierte multifunktionale mobile Geräteklasse gegenüber Mobiltelefonen und PDAs durchsetzen. Location Based Services werden erst etwa 2008 breit akzeptiert sein. Eine konkrete Anwendung sehen die Experten beispielsweise in der Überwachung alter und kranker Menschen, aber auch in dynamischen Navigationssystemen. (Christiane Schulzki-Haddouti)/ (tol)