Die Woche: Google, Android und die Offenheit

Die offene Android-Plattform hat einen Haken: Ohne die proprietären Google-Anwendungen ist sie nur noch wenig attraktiv. Für Android-Entwickler ist das ein Problem.

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Das CyanogenMod-Projekt arbeitet an einer anpassten Firmware für Android-Smartphones. Die, so berichten zumindest begeisterte User, bietet einige Vorteile gegenüber den auf den Telefonen vorinstallierten Android-Versionen; unter anderem implementiert CyanogenMod bereits etliche der Änderungen, die mit Android 1.6 ("Donut") kommen werden.

Der alte CyanogenMod - noch mit Google-Anwendungen.

Nun hat Google die Verbreitung von CyanogenMod erst einmal gestoppt, weil die angepasste Firmware einige proprietäre Google-Anwendungen enthält. Dazu gehören eine Reihe von Programmen, die ein Anwender kaum wird missen wollen, beispielsweise die PIM-Anwendungen (Kalender, Kontakte, Mail und so weiter), Google Talk, Google Search oder der Android Market. Es ist das gute Recht des Unternehmens, die unlizenzierte Verbreitung seiner Software zu verbieten; und es ist ein netter Zug von Google, einen Brief an Entwickler Steve Kondik zu schicken, statt ihm gleich Anwälte auf den Hals zu hetzen.

Vermutlich sieht auch Google keinen bösen Vorsatz bei dem CyanogenMod-Macher. Der rechtfertigte den Einbau der Google-Anwendungen damit, dass die doch sowieso auf jedem "Google Phone" vorinstalliert und damit an den Besitzer des Smartphones lizenziert seien; und ohne ein Android-Phone kann man mit der angepassten Firmware ja nichts anfangen. Trotzdem hat er die Verbreitung von CyanogenMod erst einmal gestoppt und arbeitet jetzt an einer Version ohne die Google-Programme. Zusätzlich will er ein Backup-Tool schreiben, das die Anwendungen aus der Original-Firmware sichert und nach dem Aufspielen von CyanogenMod wieder installiert – eine Firmware ohne die proprietären Google-Anwendungen wäre für die allermeisten Anwender wenig attraktiv. Offenbar könnte Google mit so einer Lösung leben: Kondik berichtet, dabei auch Unterstützung von Google-Mitarbeitern zu erhalten.

Aber damit ist die Kreativität der Open-Source-Community längst nicht erschöpft. Als Reaktion auf die Google-Aktion gegen CyanogenMod hat sich die Open Android Alliance gebildet, die bereits eifrig daran arbeitet, die Google-Anwendungen durch Open-Source-Programme zu ersetzen. Allzu schwierig ist das nicht, die Programme nutzen überwiegend offen liegende Schnittstellen zu Googles Web-Angeboten und sind sogar in Teilen als Open Source veröffentlicht. Und das Replica-Projekt der Free Software Foundation arbeitet schon seit längerem an einer komplett freien Android-Version – mittlerweile arbeiten die beiden Projekte zusammen.

In diesen Initiativen könnten sogar "bessere" Applikationen entstehen, die die Android-Smartphones ein Stück weit von Googles Web-Anwendungen entkoppeln, indem sie auch mit anderen Mail-Anbietern funktionieren und zusätzliche Möglichkeiten zur Synchronisierung der PIM-Daten anbieten. Google gerät zunehmend in die Kritik, zu viele Daten über seine User zu sammeln – da könnte die Unabhängigkeit von Google für manchen Besitzer Grund genug sein, sein Android-Phone zu modden. Wenn Google wirklich daran interessiert ist, Android-Benutzer an die eigenen Webdienste zu binden, wäre das Unternehmen gut beraten, über die Lizenzbedingungen seiner Android-Anwendungen nachzudenken und eine freie Verbreitung zu gestatten. Oder gleich alles als Open Source offenzulegen und so die Notwendigkeit aus der Welt zu schaffen, freien Ersatz dafür zu entwickeln. (odi) (odi)