Anklage wegen Umleitung der Al-Jazeera-Website
Ein 24 Jahre alter Webdesigner aus Kalifornien wird wegen der Umleitung der Website des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera angeklagt.
Ein 24 Jahre alter Webdesigner aus Kalifornien wird wegen der Umleitung der Website des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera angeklagt. John William Racine, der auch unter dem Pseudonym John Buffo aufgetreten ist, wird nach US-Medienberichten am kommenden Montag wegen "ungesetzlicher Unterbrechung elektronischer Kommunikation und elektronischem Betrug" vor Gericht gestellt.
Der auch als arabischer CNN bezeichnete Nachrichtensender Al Jazeera hatte zu Beginn des US-Angriffs auf den Irak im März eine improvisierte englischsprachige Nachrichtenseite in Betrieb genommen, die allerdings -- genau wie der arabische Internet-Service des Senders -- zeitweise nicht erreichbar war. Insbesondere die Veröffentlichung der Fotos von gefangenen und toten US-Soldaten hatten in der US-Öffentlichkeit heftige Reaktionen hervorgerufen.
Racine soll die Al-Jazeera-Site auf eine "patriotische Website" umgeleitet und rund 300 an den Sender gerichtete E-Mails abgefangen haben. Laut Wall Street Journal soll er die dazu notwendigen Passwörter bekommen haben, nachdem er ein gefälschtes Fax an Network Solutions geschickt hatte. Laut San Francisco Chronicle will Racine, so Informationen der Ermittlungsbehörden, auf schuldig plädieren. Im Gegenzug soll die Anklage eine vergleichsweise milde Strafe von drei Jahren Gefängnis auf Bewährung, 1500 US-Dollar Geldstrafe und 1000 Stunden gemeinnütziger Arbeit fordern. Die Höchststrafe liegt bei 25 Jahren Gefängnis und 500.000 US-Dollar Geldstrafe.
Der technische Direktor des Senders, Salah Siddiki, zeigte sich zufrieden über die Anklage, bezweifelte allerdings, dass lediglich ein Einzeltäter mit der Attacke zu tun gehabt habe. (wst)