Websites zum Volksaufstand in der DDR
Der Aufstand vom 17. Juni 1953 wird auf diversen Seiten im Internet dokumentiert.
Der Aufstand vom 17. Juni in der DDR jährt sich heute zum fünfzigsten Mal. "Er war die erste Massenerhebung im Machtbereich der Sowjetunion überhaupt und eines der Schlüsselereignisse, die den Gang der deutsch-deutschen Geschichte bis zur Einheit im Sommer 1990 maßgeblich mitbestimmt haben", kommentiert die Projektsite 17juni53.de die Ereignisse. Das Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung, des DeutschlandRadios und des Zentrums für Zeithistorische Forschung hat diverse und zum Teil bisher nicht veröffentlichte Dokumente ins Netz gestellt. Dort ist zum Beispiel zu erfahren, dass nicht nur in Berlin Protestaktionen stattfanden, sondern unter anderem auch in Magdeburg, Halle, Jena, Görlitz und Leipzig.
Auf der Projektsite ist auch der verschlüsselte Streikaufruf des Westberliner Gewerkschaftsführers Ernst Scharnowski als MP3-Datei abrufbar, der am Morgen des 17. Juni vom RIAS ausgestrahlt wurde. Die Westalliierten hatten sämtliche offenen Aufrufe zum Generalstreik untersagt. Dennoch erfasste "der Aufstand vom 17. Juni 1953 über 400 Orte und rund 600 Betriebe in der DDR, landesweit beteiligen sich mehr als eine halbe Million Menschen", heißt es auf der Themenseite des Deutschen Historischen Museums (DHM). Die sowjetischen Stadtkommandanten verhängten demnach in 167 von 217 Städten und Landkreisen den Ausnahmezustand. "Mit Hilfe der Volkspolizei schlägt das sowjetische Militär die Erhebung blutig nieder." Beim DHM lässt sich unter anderem die Wochenschau von dem Tag als Real-Video abrufen. Das Museum kümmert sich übrigens über den Aufstand hinaus intensiv um das Thema "Zwei Staaten -- zwei Wege".
"Nur die gewaltsame Niederschlagung der Demonstrationen durch die sowjetische Besatzungsmacht sicherte das Überleben der SED-Führung. Etwa 13.000 Menschen wurden verhaftet, viele zu langen Haftstrafen verurteilt. Die 'Rädelsführer' kamen in das berüchtigte Kellergefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen", schreibt die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen auf ihrer Website. In der ehemaligen Haftanlage waren laut Stiftung zwischen 1945 und 1989 Zehntausende politische Häftlinge inhaftiert.
Zu den verurteilten Streikführern gehörte Karl-Heinz Pahling, der für knapp acht Jahre ins Zuchthaus Brandenburg-Goerden musste. Ihm widmet sich eine private Internetseite. Pahling, der vor vier Jahren gestorben ist, soll erst nach 1989 über seine Erlebnisse gesprochen haben. Seine Erinnerungen werden auf der Seite Volksaufstand1953 von seiner Familie dokumentiert. Dazu gibt es dort eine ausführliche Literaturliste. Eine andere private Homepage, eine Geschichtsarbeit zweier Schüler, versteht sich "als ein kleines Portal, welches mit weiterführenden Links und Literaturempfehlungen helfen kann". Daneben finden sich Artikel zur Vorgeschichte, den Aufstand und die Folgen des 17. Juni. Die aufgeführten Links führen unter anderem zu einer anderen Seite aus der Schweiz, die von zwei Schülerinnen gestaltet wurde. Weitere Schülerarbeiten und Schulprojekte finden sich in der Linkliste bei 17juni53.de.
Der ehemals als "Tag der Deutschen Einheit" gefeierte 17. Juni verschwand mit der Realisierung der tatsächlichen deutschen Einheit aus dem Feiertagskalender. Kritiker meinen, der 3. Oktober 1990 sei lediglich ein willkürliches Datum, an dem ein Verwaltungsakt vollzogen worden sei.
Der 17. Juni ist übrigens auch der Geburtstag des berühmten Grafikers Maurits Cornelis Escher, der heute vor 105 Jahren in Leeuwarden auf die Welt gekommen ist. Da der Suchdienst Google aus diesem Anlass sein Logo abgewandelt hat, so dass sich die beiden "o" in Escher-Manier gegenseitig zeichnen, haben heute einige Internetnutzer den Eindruck gehabt, die Seite sei gehackt worden. Ein zentrales Thema in Eschers Gesamtwerk ist die regelmäßige Flächenaufteilung, über die er auch ein eigenes Buch verfasst hat. Escher starb am 27. März 1972 im niederländischen Laren. (anw)