ZDF-Produktionsdirektor sieht Handlungsbedarf bei HDTV
Im Rahmen mediavision cologne vertrat ZDF-Technikchef Albert Ziemer die Ansicht, dass der Weg zu einem HDTV-Vollprogramm fĂĽhren mĂĽsse.
Im Rahmen der derzeit in Köln stattfindenden mediavision cologne vertrat ZDF-Technikchef Professor Dr. Albert Ziemer die Ansicht, dass der Weg zu einem HDTV-Vollprogramm führen müsse. Nach der lauten Revolution Anfang der Neunziger Jahre, in denen die HDTV-Einführung gefordert worden war, die Pläne aber schon wegen der fehlenden (bezahlbaren) Endgeräte zum Scheitern verurteilt gewesen seien, finde nun eine stille Revolution statt: So hätten die schrittweisen Veränderungen in der Produktionstechnik, darunter die Umstellung von der analogen Composite- auf digitale Komponententechnik und die Einführung offener Datenformate dafür gesorgt, dass sich die bestehende Infrastruktur nach Bedarf auf HDTV aufrüsten ließe.
Auch die Nachfrage der Konsumenten nach hochwertiger Bildqualität sei mit der starken Verbreitung der DVD und dem Preisverfall bei großen Displays gestiegen:. "Die Konsumenten sind gewillt, besserer Bildqualität zu folgen", meinte Ziemer, der daraus folgerte, dass man "als Programmanbieter nicht einfach wegschauen kann". Schließlich läge Europa schon jetzt weit zurück, während in den USA und Japan schon die HD-DVD vor ihrer Einführung stehe. Eine zentrale Bedeutung könnte nach Meinung des ZDF-Technikchefs in diesem Zusammenhang zunächst die Fussballweltmeisterschaft 2006 bekommen. Der Weg müsse schließlich jedoch zu einem HDTV-Vollprogramm führen.
Eine Schlüsselposition für die Einführung von HDTV nimmt nah Ansicht von Ziemer jedoch das Bildformat 16:9 ein, dass von den Sendern bislang noch zu stiefmütterlich behandelt werde. Die ARD zeige gerade einmal sieben, das ZDF auch nur 11 Prozent ihrer Sendungen in 16:9. Ganz anders die Verhältnisse in Japan und Großbritannien, wo 16:9 Standard sei. In Deutschland fehle es hingegen im redaktionellen Bereich nicht selten an der inneren Unterstützung. Von Redakteuren höre er immer wieder, dass man sich nicht das Stammpublikum vergraulen wolle, das 4:3 hat, erzählte Ziemer.
Dass einige Redakteure und Kameraleute tatsächlich "Angst" vor 16:9 hätten, bestätigte auch Heinz Galzemeier, seines Zeichens Redaktionsleiter Reportagen/Dokumentationen beim ZDF. Als Anhänger des breiten Bilder vergebe er jedoch Aufträge nach dem Motto "Wer für mich arbeitet, arbeitet in 16:9 -- oder gar nicht". Der Ansicht, dass es für 16:9 an einem Stammpublikum fehle, widersprach Galzemeier: "Hochglanzdokumentationen" hätten am Dienstagabend teilweise über fünf Millionen Zuschauer.
Wie Ziemer meinte auch Galzemeier, dass HDTV mehr Raum eingeräumt werden müsse. Bei der Produktion setze man die Technik bislang nur "in kleinen Portionen ein", beispielsweise bei der Produktion der Wolga-Aufnahmen in der dreiteiligen ZDF-Dokumentation Stalingrad -- "HDTV ist derzeit wie der Schokoladenpudding zum Nachtisch", kommentierte Galzemeier. Dabei wolle man im internationalen Markt in Konkurrenz zu Produktionen treten, wie sie die BBC anbiete: Der britische Sender hatte zuletzt bei der Suche nach Co-Produzenten für eine Dokumentation über den D-Day ein Promoband in HDTV und Mehrkanalton mit Material von Steven Spielberg mit den Worten präsentiert, dass man dies "als Mindeststandard ansehe". Beste Bild- und Tonqualität seien also ein eindeutiges Verkaufsmerkmal.
Im Rahmen der mediavision cologne findet am heutigen Montag und am Dienstag ein internationales Symposium zum Thema "Die Qualität des Fernsehbildes" statt, bei dem Experten über die Einführung von HDTV in Europa diskutieren. (nij/c't) / (jk)