ZTE will Nokia Siemens überholen

Bis zum Jahresende will der chinesische Telekommunikationsaustrüster Zhong Xing Telecommunication Equipment zum weltweit drittgrößten GSM-Netzlieferanten aufsteigen.

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Der chinesische Telekommunikationsaustrüster Zhong Xing Telecommunication Equipment (ZTE) will bis zum Jahresende zum weltweit drittgrößten GSM-Netzlieferanten aufsteigen und damit mehr Basisstationen verkaufen als Nokia Siemens Networks (NSN). Dieses Ziel bestätigte Donglin Shen, Vizepräsident für drahtlose Technik und Strategie bei ZTE, gegenüber heise online im Rahmen der ITU Telecom World 2009. In Entwicklungsländern sei ZTE bereits sehr erfolgreich. "Aber letztlich muss man in den entwickelten Märkten sein", sagte Shen.

Laut einer Analyse der Marktforscher von Frost & Sullivan führte 2008 Ericsson mit 31 Prozent Anteil am Markt für neu ausgelieferte GSM-Basisstationen vor Huawei (27 Prozent) und NSN (16 Prozent). Dicht dahinter lag aber schon ZTE mit 15 Prozent, ansonsten konnte nur Alcatel-Lucent mit 9 Prozent wahrnehmbare Marktanteile verbuchen. In Entwicklungsländern haben die chinesischen Anbieter, allen voran Huawei und ZTE, ein starkes Verkaufsargument: Wer bei Chinesen kauft, kann in der Regel auf einen Kredit der Volksrepublik zählen. In entwickelten Märkten ist das aber kein schlagendes Verkaufsargument. Dort will Shen damit überzeugen, dass sein Unternehmen der Konkurrenz technisch mindestens ebenbürtig ist, keinen Rucksack historisch bedingter technischer Einschränkungen trägt und zum gleichen oder einem niedrigeren Preis anbieten könne, da Personal- und Entwicklungskosten in China niedriger seien. "Die chinesischen Firmen müssen etwas Einzigartiges haben. Huawei ist Nummer 2, wir sind Nummer 3 oder 4, und unser Geschäft wächst weiter."

Chinesen hätten schnell gelernt, in den schwierigen Märkten der Entwicklungsländer zu überleben, die durch geringe Profitabilität, aber starke Nachfrage gekennzeichnet seien. "Kommunikation ist ein fundamentales Menschenrecht", so der Chinese, "Afrika hat nur 1 Prozent Breitband-Penetration. Das zu verbessern, ist wichtig."

In China ist ZTE Marktführer beim Verkauf von Basisstationen für den chinesischen 3G-Standard TD-SCDMA. Etwas über die Marktchancen außerhalb Chinas zu sagen sei "schwierig", meine Shen diplomatisch. Immerhin habe ZTE bereits ein System an ein kanadisches Forschungsinstitut verkauft. "Die TD-SCDMA-Allianz versucht, etwas zu tun. Aber ich sehe keinen großen Marktanteil." Vielleicht würden einige Nachbarn Chinas im Hinblick auf Roaming den chinesischen Standard einführen. In Zukunft werde es aber eine Evolution zu TD-LTE (Zeitduplex-Variante von LTE) geben. China Mobile, Verizon und Vodafone hätten sich bereits darauf verständigt, dass alle LTE-Endgeräte sowohl die Zeitduplex- als auch die Frequenzduplex-Variante von LTE unterstützen sollten. Damit würde Roaming auf verschiedenen Märkten ermöglicht. TD-LTE könne sich auch zu einer Alternative für WiMAX entwickeln. Derzeit hätten Inhaber von ungepaarten Frequenznutzungsrechten in Entwicklungsländern oft keine andere Chance, als zu Wimax zu greifen.

Bei Endgeräten will ZTE in Zukunft selbstbewusster auftreten. 2008 wurden zwar bereits 45 Millionen Apparate verkauft, allerdings vorwiegend im unteren Preissegment. Besonders guten Absatz gab es demnach in Indien, auch die Märkte in Südostasien, Afrika und Lateinamerika wurden intensiv beliefert. Nun soll aber der Anteil hochwertiger Smartphones deutlich gesteigert werden. In Europa will ZTE zwar weiterhin vorwiegend auf den Vertrieb durch Netzbetreiber setzen, aber die Geräte sollen nicht mehr ausschließlich unter der Flagge des jeweiligen Partners segeln. Die eigene Marke soll forciert und zumindest gemeinsam mit der Marke des Netzbetreibers angebracht werden. Rechtzeitig zur ITU Telecom World kann ZTE den Abschluss eines Vertrages über die Lieferung von 3G-Handys an 3 (Hutchison Whampoa) für Großbritannien, Irland und Schweden melden. Bei den Mobiltelefonen will ZTE übernächstes Jahr zu den Top 5 der Handy-Entwickler gehören. (anw)