Athlon-Cluster sucht Gravitationswellen

Am Max-Planck-Institut fĂĽr Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) ging Merlin offiziell in Betrieb.

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Von
  • Andreas Stiller

Am heutigen Mittwochmittag ging Merlin am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Golm/Potsdam offiziell in Betrieb. Seine einzige Aufgabe ist es, in einem "Wust" von Daten nach Anzeichen von Gravitationswellen zu suchen. Die experimentell ermittelten Daten werden sowohl von den Mitgliedern des europäischen GEO600- als auch vom amerikanischen LIGO-Projekt geliefert.

146 Dual-Athlon-MP2200+-Systeme von Pyramid Computer sowie zwei Testknoten mit Dual-Athlon MP1800+ sind bei Merlin als Cluster zusammengeschaltet, weitere 32 Knoten mit Dual-Athlon MP2600+ sollen noch von RAID Media Systems hinzukommen. Merlin läuft derzeit mit RedHat Linux 7.2 und benutzt zum Verteilen der Jobs auf die Knoten die Software Condor 6.4.7. Insgesamt kommt der Cluster mit seinen 360 Prozessoren auf 1330 GFLOP/s Spitzenleistung, was in etwa einem Linpack-Wert von 770 GFLOP/s und mithin Platz 89 der Top500-Liste entspricht.

Gravitationswellen sind Änderungen in der Struktur der Raumzeit, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Sie wurden schon 1916 von Albert Einstein im Rahmen seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorausgesagt, bislang aber noch nicht nachgewiesen. Hier winkt den Forschern bei Erfolg mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Nobelpreis. Aber so schnell wird es vermutlich nicht gelingen, denn derzeit sind die Messgenauigkeiten noch nicht auf erfolgversprechendem Niveau. Es müssen nämlich Längenänderungen von höchstens 10-18 und darunter detektiert werden. Das Albert-Einstein-Institut hat hierzu in Zusammenarbeit mit der Universität Hannover einen Detektor in der Nähe von Hannover aufgebaut, bei dem in zwei 600 Meter langen Armen hochpräzise Laserstrahlen miteinander interferieren. Mit von der GEO600-Suchpartie sind auch zwei britische Institute sowie das Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching.

Gesucht wird darüber hinaus nach diesen Gravitationswellen in aller Welt, Detektoren sind in den USA, Niederlanden, Italien, Frankreich, Australien und Brasilien entweder geplant oder schon in Arbeit. Das amerikanische LIGO-Projekt verwendet dazu Arme von 4 km Länge.

Sollten die terrestrischen Experimente nicht vom Erfolg gekrönt sein, bestehen auch Chancen durch das Weltraumprojekt der NASA namens LISA -- es ist aber erst für 2011 geplant. Hier betragen die "Armlängen" dann immerhin 5 Millionen km. (as)