Bertelsmann-Label BMG legt trotz Branchenkrise zu
Die Bertelsmann Music Group dehnt aber ihre Bestrebungen um Kopierschutzverfahren aus.
Dank des Pop-Klamauks von Deutschland sucht den Superstar (DSDS) und der Erfolge internationaler Interpreten wie der Rock-Göre Pink oder Alt-Guitarrero Santana erwartet die Bertelsmann Music Group (BMG) wider den Markttrend steigende Umsätze in Deutschland. Trotz eines Einbruchs des Gesamtmarktes um 20 Prozent habe die BMG Deutschland im ersten Halbjahr den Umsatz um 6 Prozent steigern können, kommentierte BMG-Chef und DSDS-Jury-Mitglied Thomas Stein die aktuelle Lage. Und er hoffe, den Rest des Jahres diesen Kurs beibehalten zu können.
Allerdings machen Raubkopien und Tauschbörsen der Musikindustrie weltweit zu schaffen, die gesamte Branche klagt über kontinuierliche Umsatzrückgänge -- so auch BMG. Die Bertelsmann-Firma gibt an, dass in Deutschland im vergangenen Jahr 182 Millionen CD-Rohlinge mit Musik bespielt wurden -- was einer Steigerung um 300 Prozent seit 1999 entspreche und erstmals die Zahl von 173 Millionen verkaufter Original-Tonträger übertreffe. Die Verluste durch private Vervielfältigungen beliefen sich laut BMG auf geschätzte 500 Millionen Euro.
Darum sehen die Verantwortlichen bei BMG die Existenzgrundlage der Musikschaffenden gefährdet. Kopierschutzverfahren sollen die Rechte der Kreativen schützen, neue Talente aufbauen helfen und zu einer abwechslungsreichen Musiklandschaft beitragen. Zusammen mit der Bertelsmann-Tochter Sonopress, die mit mehr als drei Millionen CD-, CD-ROM- und DVD-Titeln pro Tag weltweit zu den führenden Medienvervielfältigern gehört, entwickelt BMG Kopierschutzverfahren, die jeden CD-Brenner in die Schranken verweisen sollen. Der Musikgenuss und die Abspielbarkeit auf gewöhnlichen CD-Playern soll darunter nicht leiden, meinen zumindest die BMG-Manager.
Vom US-amerikanischen Kopierschutzhersteller SunnComm hat BMG diese Woche das MediaMax-CD-3-Verfahren lizenziert. Das macht aus einer gewöhnlichen Audio-CD ein Hybrid-Medium. Steckt man eine solche Hybrid-CD in ein CD-ROM-Laufwerk vom PC, kann der Computer lediglich auf die DRM-geschützten Windows-Media-Dateien (WMA) zugreifen. Die Audiospuren bleiben aber für den PC unsichtbar. Bis zu drei Kopien können maximal davon angelegt werden -- das sieht BMG jedenfalls für die eigenen MediaMax-CDs vor. In einer handelsüblichen HiFi-Anlage kehrt sich das Szenario um: Es bleiben die WMA-Dateien versteckt und die Audiotracks lassen sich wie gewohnt abspielen. (ola)