Robocup-WM 2003: Live-Übertragung der Simulationsliga
Bei der am Samstag offiziell beginnenden siebten Roboter-Fußballweltmeisterschaft sollen die Spiele der Simulationsliga erstmals live im Internet übertragen werden.
Bei der am Samstag offiziell beginnenden siebten Roboter-Fußballweltmeisterschaft sollen die Spiele der Simulationsliga erstmals live im Internet übertragen werden. Es müssen zwar noch einige Serverprobleme gelöst werden, aber dann können Zuschauer in aller Welt die morgen beginnenden Vorrundenspiele in Echtzeit mitverfolgen -- wenn es klappt sogar bis zu vier Spiele parallel. Die genaue Adresse für die Live-Übertragungen steht derzeit noch nicht fest, sie soll aber nach Möglichkeit durch einen direkten Link von der RoboCup-2003-Homepage erreichbar sein.
Elf autonome Agentenprogramme pro Team kämpfen in der Simulationsliga auf einem simulierten Spielfeld um den Ball. Der Zustand des Spielfelds wird zehnmal pro Sekunde vom SoccerServer aufgrund der von den Spielern gesendeten Daten neu berechnet, die Spieler wiederum entscheiden anhand dieser Daten über ihre Aktionen. Das Programm SoccerMonitor visualisiert das Geschehen: Die menschlichen Zuschauer schauen senkrecht auf ein grünes Spielfeld mit weißen Linien, auf dem die durch farbige Kreise dargestellten Spieler sich bewegen. Ein dünner, schwarzer Strich zeigt die aktuelle Blickrichtung eines jeden Spielers an.
In der Halle 7 auf dem Messegelände von Padua werden die Spiele mit Hilfe eines Beamers auf eine Leinwand projiziert. Für eine Übertragung im Internet war jedoch bislang das Datenaufkommen zu umfangreich: Pro Zyklus fallen etwa 2000 Bytes an, also 20 Kilobyte pro Sekunde. Allerdings sind in diesen Daten auch Informationen etwa über die Kraftreserven der einzelnen Spieler enthalten -- die verfügen nicht über unbegrenzt Energie, sondern müssen sich zum Beispiel nach einem längeren Sprint erst einmal wieder erholen. Diese Informationen sind zwar für die Berechnung des Spielgeschehens wichtig, nicht aber für die reine Visualisierung.
Mitglieder des Teams Caspian von der Iran University of Science and Technology in Teheran haben nun ein Java-Applet vorgestellt, das die Datenrate auf ein auch für langsame Internetanbindungen erträgliches Maß senkt. "Für die Visualisierung beim User sind in erster Linie die Positionsdaten der Spieler und des Ball erforderlich", sagte Saman Vaisipour bei der Präsentation der Software. "Wir haben daher zunächst das Datenaufkommen auf das unbedingt notwendige Maß reduziert. Durch zusätzliche Kompression sind wir schlie§lich bei 70 Byte pro Zyklus, also 700 Byte pro Sekunde angelangt." Das sollte reichen, um eine weitgehend störungsfreie Übertragung im Internet zu ermöglichen.
Dass eine solche Anwendung erst jetzt entwickelt wurde, liegt daran, dass sich bei anderen Teams bisher niemand gefunden hatte, der sich dem Problem widmen wollte. Die Programmierung der eigenen Spieler erschien wichtiger. Die Mitglieder des Caspian-Teams hatten allerdings eine besondere Motivation: An vergangenen Turnieren wie den German Open 2003 hatten sie nur "remote" teilnehmen können, hatten also lediglich ihre Software geschickt, waren aber nicht persönlich anwesend. Gerade für Teilnehmer aus dem Iran gibt es häufig Probleme bei der Ausstellung der Visa. "Wir wollten aber sehen, wie unser Team spielt", sagt Vaisipour. "Daher haben wir den virtual monitor entwickelt." Geschrieben hat das Applet Omid Mehdizadeh Tourzan, entwickelt wurde es jedoch kollektiv im Team, darauf legen die Caspians Wert.
Was jetzt noch fehlt, um die Simulationsliga über Softwarefreaks hinaus zu einem attraktiven Ereignis zu machen, ist die Übertragung des Sounds in der Halle synchron zu den Bildern. Das Caspian-Team hat sich vorerst mit einer Notlösung zufriedengegeben. "Wir haben einen 3-D-Visualizer entwickelt, der mit Sounddateien arbeitet", sagt Vaisipour. Der Jubel beim Tor entspricht demnach ungefähr dem Gelächter aus der Konserve, das man von Fernseh-Seifenopern kennt.
Der Schritt in die dritte Dimension ist neben der Live-Übertragung das zweite große Thema bei der Simulationsliga. Mehrere Teams arbeiten an entsprechenden Konzepten, werden sie aber wohl erst im Workshop im Anschluss an das RoboCup-Turnier vorstellen. (Hans-Arthur Marsiske) / (wst)