Streit um Gründerpreis wegen Auszeichnung von Internet-Apotheke

Die Initiatoren des Deutschen Gründerpreises bedauern den Rückzug von Bundespräsident Johannes Rau als Schirmherr der Existenzgründer-Initiative.

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  • dpa

Die Initiatoren des Deutschen Gründerpreises haben den Rückzug von Bundespräsident Johannes Rau als Schirmherr der Existenzgründer-Initiative bedauert. Sie äußerten in einer Stellungnahme am Freitag Verständnis für Raus Schritt, betonten aber gleichzeitig, dass sich die Initiative korrekt verhalten habe.

Rau hatte Anstoß genommen an der Preisverleihung für den Gründer der Internet-Apotheke 0800DocMorris, Ralf Däinghaus, dessen Tätigkeit rechtlich zweifelhaft sei. Der Chef des Präsidialamtes, Rüdiger Frohn, kündigte deswegen die Schirmherrschaft auf.

Däinghaus war am 24. Juni in Berlin wegen seiner Erfolge beim Aufbrechen starrer Märkte als "Visionär" ausgezeichnet worden. Das Unternehmen, das wegen der gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland im niederländischen Landgraaf sitzt, habe damit einen Beitrag zur Kostensenkung geleistet, erklärte die Jury. Mit dem zum zweiten Mal verliehenen Preis sollen Existenzgründer und neue Ideen unterstützt werden. Die StartUp-Initiative wurde 1997 vom Magazin Stern, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband und der Unternehmensberatung McKinsey&Company ins Leben gerufen; 2001 kam das ZDF dazu.

Frohn verweist in dem der dpa vorliegenden Schreiben an die Initiatoren darauf, dass die Vereinbarkeit der Geschäftstätigkeit des Unternehmens mit dem geltenden Recht umstritten ist und zudem Gegenstand von Gerichtsverfahren sei.

Die Initiatoren äußerten "volles Verständnis dafür, dass sich der Bundespräsident nicht zum Gegenstand öffentlicher Kontroversen machen lassen und deshalb die Schirmherrschaft nicht fortführen kann". Sie bedankten sich bei Rau für eine "sehr gute Zusammenarbeit" in den vergangenen Jahren. Zugleich betonten sie, bei der Auswahl des Preisträgers habe es "keinerlei Abweichungen von den Auswahlkriterien gegeben".

Stern-Ressortleiter Frank Thomsen sagte der dpa, bei 0800DocMorris handele es sich um ein hoch innovatives Unternehmen, das mustergültig im Aufbrechen starrer Märkte sei. Entgegen der Kritik Frohns müsse ein in der Preiskategorie "Visionär" ausgezeichnetes Unternehmen seinen Sitz nicht in Deutschland haben. Auch ZDF-Kommunikationschef Alexander Stock bedauerte die Entscheidung Raus. Das ZDF stehe zu der Preisvergabe. Der in der Kategorie "Visionär" zuerkannte Gründerpreis prämiere bewusst Geschäftsideen, die neue, oft auch umstrittene Konzepte verfolgten. (dpa) / (wst)