RoboCup 2003 in Padua eröffnet

Die siebte Roboterfußballweltmeisterschaft ist heute in Padua, Italien, mit einigen Fehlstarts eröffnet worden.

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Von
  • Hans-Arthur Marsiske

Die siebte Roboterfußballweltmeisterschaft RoboCup 2003 ist heute in Padua, Italien, mit einigen Fehlstarts eröffnet worden. So konnten die Spiele in der Simulationsliga, die eigentlich um 10 Uhr beginnen sollten, bis zum Nachmittag noch nicht gestartet werden, da das dafür erforderliche Netzwerk zusammengebrochen war. Daher gibt es auch noch nicht die angekündigte Live-Übertragung im Internet. Am frühen Nachmittag deutete sich aber an, dass das Netzwerk zum Laufen gebracht werden kann. "Wir hoffen, um 17 Uhr mit dem Wettbewerb beginnen zu können", sagte Martin Riedmiller, Leiter der Simulationsliga. "Wenn alles stabil läuft und es keine neuen Serverprobleme gibt, werden wir uns morgen an die Live-Übertragung machen."

Überraschungen gab es auch für einige Schülerteams, die sich in der Juniorliga beteiligen wollten und sich auf den im Internet veröffentlichten Spielplan verlassen hatten. Sie mussten gestern bei ihrer Ankunft erfahren, dass ihre Spiele bereits stattgefunden hatten und sie wegen Nichterscheinens ausgeschieden waren. Offenbar kursierten unterschiedliche Spielpläne. Glücklicherweise ließen sich neue Spieltermine arrangieren.

Dass der Start in den Wettbewerb der Rettungsroboter (Rescue Robot League) ebenfalls verstolpert wurde, lag dagegen nicht an den Organisatoren, sondern an den Teams selbst. Der Roboter des Teams NAJI von der Islamic Azad University of Qazvin im Iran blieb aufgrund von Kommunikationsproblemen schon nach ungefähr zwei Metern an einer Wand stecken. Ein zweiter Versuch scheiterte an der Hardware: Weil die Räder auf der rechten Seite komplett ausfielen, war keine Geradeaus-Fahrt mehr möglich. Das Team der International University Bremen, das als nächstes dran gewesen wäre, schaffte nicht einmal den Start, weil die Hardware versagte.

Die Aufgabe der Rettungsroboter besteht darin, durch Räume zu fahren, in denen Zustände nach einer Katastrophe nachgestellt werden. Hier sollen sie die Situation möglichst genau erfassen und möglichst viele Opfer finden. Die Opfer werden durch Schaufensterpuppen dargestellt, die sich teilweise bewegen oder Körperwärme abstrahlen. An manchen Stellen steht auch eine Gasflasche, die Kohlendioxid abgibt, um die Gegenwart eines Menschen zu signalisieren. Viele Opfer sind durch umgestürzte Möbel oder Schutt teilweise verdeckt, was die Identifizierung zusätzlich erschwert.

Verantwortlich für die Gestaltung der Räume ist Adam S. Jacoff vom National Institute of Standards and Technology (NIST) in Gaithersburg, Maryland, USA. "Wie bei früheren Wettbewerben haben wir drei Räume mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden: den gelben, orangenen und roten Raum", sagt er. "Anders als bisher erwarten wir aber diesmal von jedem Team, dass es den gelben Raum absolviert." Wie die ersten Teams zeigten, ist das allein schon schwierig genug, obwohl es in diesem Raum einen glatten Fußboden ohne Schwellen und relativ breite Wege gibt.

Der orangene Raum hat dagegen schon mehrere Ebenen, von denen die obere nur über eine Treppe oder eine mit Dachziegeln belegte Rampe erreichbar ist. Auf dem Boden liegen verstreut einige Ziegelsteine, Kabel, Möbel und eine Metallröhre. "Wir orientieren uns bei der Gestaltung an den örtlichen Gegebenheiten", erklärt Jacoff. "Bei der letzten Weltmeisterschaft in Japan haben wir mehr Holz und Reispapier verwendet. Hier in Italien wird dagegen mehr mit Stein gebaut." Von diesen Steinen wurden für den roten Raum einige zertrümmert, um sie als lose Schutthaufen auf mehreren Ebenen zu verteilen. Im Moment ist es kaum vorstellbar, dass es einem der Roboter gelingt, diesen schwierigsten Raum zu durchqueren - zumal es für jede Beschädigung der Aufbauten und Berührung oder gar Verletzung menschlicher Opfer Punktabzüge gibt.

Über die Schwierigkeiten bei der Konstruktion von Rettungsrobotern wird heute parallel zum Wettbewerb in einem wissenschaftlichen Workshop diskutiert. Dabei geht es unter anderem um die autonome Erkennung menschlicher Opfer. Denn obwohl Fernsteuerung beim Rettungswettbewerb grundsätzlich zugelassen ist, wird eine möglichst große Autonomie der Roboter angestrebt, weil dadurch die gleichzeitige Bedienung mehrerer Roboter möglich wird. Die Maschinen könnten dann selbstständig das Katastrophengebiet untersuchen und sich beim menschlichen Bediener melden, sobald sie etwas Interessantes gefunden haben.

Allerdings zeigt der Vortrag von Shahram Bahadori, Università degli Studi di Roma, dass eine rein visuelle Opfererkennung noch etliche Jahre in der Zukunft liegt. Zu komplex sind die Formen menschlicher Körper, zu vielfältig die Variationen durch verschiedene Blickwinkel oder die teilweise Abdeckung von Körperteilen. Aber auch andere Methoden haben ihre Schwierigkeiten. So wies Andreas Birk von der International University Bremen darauf hin, dass etwa Infrarotdetektoren durch andere Wärmequellen und deren Reflexe irritiert werden können. Auch das von Menschen ausgeatmete Kohlendioxid biete keine zuverlässige Orientierung, da es nur lokal nachweisbar sei. Sein Team arbeitet derzeit mit einer Thermokamera, die auf einen relativ engen Temperaturbereich um die menschliche Körpertemperatur herum justierbar ist.

Interessant ist das von Tetsushi Kamegawa, Tokyo Institute of Technology, Yokohama, vorgestellte Projekt einer aus mehreren Einheiten zusammengesetzten Roboterplattform. Ein solcher schlangenähnlicher Roboter wäre in der Lage, sich beliebigem Untergrund anzupassen und grobe Hindernisse zu überwinden, könnte aber auch in enge Räume vordringen. Der Prototyp befindet sich gegenwärtig noch in der Entwicklung und besteht derzeit aus fünf Gliedern, acht sind geplant. Denkbare zukünftige Anwendungen solcher Roboter sind etwa halbautonom navigierende Schläuche, die unter die Trümmer geschoben werden können, um Verschüttete möglichst rasch mit Wasser, Nahrung oder Medikamenten zu versorgen. "Wir denken auch über autonome Wasserschläuche für die Feuerbekämpfung nach", sagt Kamegawa. (Hans-Arthur Marsiske) (bo)