Robocup-WM: Auftritt der Humanoiden
In Padua trafen heute Roboter in Menschengestalt zum Wettbewerb in der Humanoid League zusammen.
Sein Name ist Murphy und so sieht er auch aus. Der von Studenten der Universität Uppsala konstruierte humanoide Roboter ist nach dem Polizisten benannt, der im Film "Robocop" zum Cyborg umgebaut wird, und macht ihm mit seinen etwa zwei Metern Körpergröße alle Ehre. Mit seinen Fähigkeiten dagegen schon weniger: Wie alle anderen Teilnehmer im Wettbewerb der Humanoid League musste er heute auf die Bühne getragen werden.
Es ist das erste Mal, dass in Europa humanoide Roboter beim RoboCup in Wettbewerb treten. Insgesamt acht Teams haben sich registriert, einer der Roboter hat allerdings den Weg nach Padua nicht gefunden: Arne, der Anthropomorphic Robot von New Era, befindet sich aufgrund von Transportproblemen immer noch in seiner Heimat St. Petersburg. Fotos des Roboters zeigen, dass er vom Design her Hondas Asimo ähnelt.
Dessen Nachfolgemodell Hits Dream hatte heute Vormittag am Wettbewerb teilgenommen und die erste Aufgabe, das einminütige Stehen auf einem Bein, souverän gemeistert. Der Roboter konnte dabei sogar noch mit den Armen winken und zeigte im Gesicht, das auf einem auf den Schultern montierten Monitor animiert wird, eine beachtliche Mimik. "Wir haben uns beim Design dieses Roboters einen zehn- bis elfjährigen Jungen vorgestellt, der sich für Fußball begeistert", erklärte Teamleiter Shuji Imura. Mit 120 cm Körpergröße und einem Gewicht von 45 kg kommt Hits Dream diesem Ideal tatsächlich schon recht nahe.
Die übrigen Roboter hatten mit dem einbeinigen Stehen größere Schwierigkeiten. Robo-Erectus von der Singapore Polytechnic brauchte mehrere Anläufe, ehe er den richtigen Schwerpunkt gefunden hatte und stabil stehen konnte. Thomas Christaller vom Fraunhofer-Institut für Autonome Intelligente Systeme, der den Wettbewerb moderierte, forderte die Zuschauer auf, es selbst einmal zu versuchen. Als viele noch größere Probleme hatten, eine Minute lang ruhig auf einem Bein zu stehen, erklärte er warum: "Sie haben Muskeln, der Roboter dagegen hat Motoren, die er blockieren kann."
Aber das hilft eben nur, wenn es dem Roboter gelingt, einen stabilen Schwerpunkt zu finden. Isaac vom italienischen Politecnico di Torino schaffte es nicht und fiel schon beim Versuch, das Bein zu heben, immer wieder hin.
Auch Tao-Pie-Pie von der kanadischen University of Manitoba schwankte stark und schien mit dem frei schwebenden Bein immer wieder den Boden zu berühren. Der Schiedsrichter, der direkt daneben stand, wertete den Versuch aber als gültig. Tao-Pie-Pie ist mit einer Größe von lediglich 33 Zentimetern der kleinste Teilnehmer im Wettbewerb der Humanoiden und wird von seinen menschlichen Teammitgliedern geradezu liebevoll behandelt: Stets halten sie bei den Gehversuchen schützend die Hände um das Maschinchen, das ein wenig an das Helferlein von Daniel Düsentrieb erinnert, damit es sich bei einem Sturz ja nicht verletzt. "Seit der letzten Weltmeisterschaft ist Tao-Pie-Pie durch eine Kamera erweitert worden", sagte Teamleiter Jacky Baltes. "Er kann durch einen PC oder auch durch einen PDA gesteuert werden."
Doch wie erging es Murphy? Der versuchte gar nicht erst, auf einem Bein zu stehen. Mit seinem Gesamtgewicht von 180 Kilogramm wäre er wahrscheinlich sofort eingeknickt oder umgekippt. Die schwedischen Teammitglieder wollten aber zeigen, dass er auf zwei Beinen stehen kann und lockerten dafür vorsichtig die Seile, mit denen er am Gerüst aufgehängt war. Tatsächlich konnte er zumindest leichte Stöße ausbalancieren.
"Wir sind froh, dass wir ihn immerhin so weit gebracht haben", sagte Kristin Johannsson, die ihn hinterher mit einem Papiertuch vorsichtig abtupfte, als wĂĽrde sie einen verletzten FuĂźballspieler behandeln. Es ging aber nicht um die Beseitigung von Blutspuren, sondern von Ă–l.
Murphy ist ein studentisches Projekt, das bereits seit zwei Jahren läuft, jedoch nur langsam vorankommt, da sich jede neue Studentengeneration erst neu einarbeiten muss. In einem eigenen Projekt wird Murphys Kopf unter dem Namen Murray entwickelt, benannt nach dem sprechenden Schädel im Computerspiel "Curse of Monkey Island". Er ermöglichte Murphy heute immerhin, sich selbst dem Publikum vorzustellen. Eines Tages sollen Kopf und Körper zu einem einzigen Roboter vereinigt werden. Wie aber wird der dann heißen, Murray oder Murphy? Johannsson zögert mit ihrer Antwort keine Sekunde: "Murphy!" Das passt: Genau die gleiche Antwort gibt der Robocop, als er am Ende des Films gefragt wird: "Guter Schuss, Officer. Wie ist ihr Name?"
Zur Robocup-WM siehe auch:
(Hans-Arthur Marsiske) / (ad)