Adobe renoviert Videosoftware -- ohne Version für Mac OS

Premiere Pro heißt der Nachfolger der Schnittlösung Premiere 6.5 und läuft nur noch unter Windows XP.

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Von
  • Holger Dambeck

Der kalifornische Softwarehersteller Adobe geht mit einer komplett überarbeiteten Videoprogrammsuite an den Start. Premiere Pro heißt der Nachfolger der Schnittlösung Premiere 6.5 -- und er läuft nur noch unter Windows XP. Der Anteil der Mac-Version von Premiere lag laut Adobe zuletzt bei etwa 10 Prozent. Das Management entschied sich deshalb gegen eine Mac-Portierung. Auch das neue Authoringprogramm Encore DVD wird nur als Windows-Ausgabe erscheinen. Die Soundbearbeitung Cool Edit Pro des im Mai übernommenen Anbieters Syntrillium heißt ab sofort Audition und unterstützt Windows 98, 2000 und XP. Einzig beim Compositing-Programm After Effects beglückt Adobe auch die Apple-Gemeinde mit der neuen Version 6.0.

Die neuen Programme sollen vor allem durch ihr optimiertes Zusammenspiel punkten. Beispielsweise wandelt Encore DVD Marken aus der Timeline von Premiere Pro beim Video-Import in DVD-Kapitelmarken um. Auch mit Adobes Flaggschiff, der Bildbearbeitung Photoshop, wurde Datenaustausch verbessert. Photoshop-Dateien mit mehreren Ebenen übernimmt Premiere Pro so, dass jede Ebene auf einer separaten Spur liegt. Um DVD-Menüs zu bearbeiten, kann Photoshop direkt aus Encore heraus gestartet werden; Änderungen werden direkt in das laufende Projekt übertragen. Bei den neuen Textfunktionen von After Effects hat sich Adobe an denen von Photoshop und Illustrator orientiert, sodass Profis sofort loslegen können.

Bei der Schnittsoftware Premiere Pro wurden bisherige Schwächen wie die fehlende Szenenerkennung beseitigt. Laut Adobe spielt das Programm die meisten Effekte ganz ohne Rendern in voller Auflösung ab. Voraussetzung dafür ist ein 3-Gigahertz-System. Neu sind auch eine optimierte Benutzeroberfläche mit Storyboardfunktion, variierbarer Spurhöhe und frei wählbaren Tastaturkürzeln. Das Programm beherrscht die native YUV-Verarbeitung sowie Mehrkanalton. Ein 5.1-AC3-Encoder muss jedoch separat erworben werden.

Die neue Authoring-Lösung Encore DVD schließt eine Lücke im Adobe-Portfolio und besitzt viele von Photoshop bekannte typografische Werkzeuge. Unterstützt werden bis zu 8 Spuren für Video und bis zu 32 für Untertitel. Der Anwender kann sich eigene Bibliotheken für Schaltflächen und Hintergründe anlegen. Als MPEG-2-Encoder kommt wie in Premiere Pro eine Engine des Aachener Herstellers MainConcept zum Einsatz.

Bei dem Compositing-Programm After Effects 6 verspricht Adobe dank der OpenGL-Unterstützung ein schnelleres Arbeiten. Die Wirkung von 2D-und 3D-Effekten soll so nahezu in Echtzeit begutachtet werden können. Mit der neuen Textengine lassen sich Botschaften direkt in das Kompositionsfenster eingeben und animieren. Neu ist auch ein vektorbasiertes Zeichenwerkzeug, wie es bereits Photoshop verwendet. In der Professional-Version bietet After Effects zusätzlich eine Skriptsteuerung, erweiterte Keying-Optionen und einen stark überarbeiteten Motion Tracker.

Bei den Preisen der neuen Versionen gab es leichte Verschiebungen. Premiere Pro verteuert sich mit 870 Euro etwas gegenüber Version 6.5. (810 Euro); After Effects wird hingegen etwas billiger und kostet 930 Euro (Standard-Version) beziehungsweise 1510 Euro (Pro-Version). Encore DVD bietet Adobe zum Preis von 640 Euro an, Audition für 350 Euro. Wer sich komplett mit den neuen Videoprogrammen eindecken will, kann gleich zur Video Collection greifen. Sie kostet in der Standardversion 1510 Euro, als Einführungspreis bis zum 19. 12 nur 1160 Euro. Für die Professional Video Collection werden 2210 Euro fällig. Der Käufer bekommt damit die Pro-Version von After Effects 6 sowie zusätzlich Photoshop 7. Alle Programme sollen im dritten Quartal erscheinen. (hod)