O’Reilly: Internet und Software-Markt im Umbruch
Derzeit finde im Internet und im Bereich Open Source ein Paradigmenwechsel statt, meint Verleger Tim O’Reilly; Online-Unternehmen wie Amazon und eBay würden zunehmend ausbauen und zu Konkurrenten für Unternehmen wie Oracle werden.
Tim O°Reilly hat für seine Keynote zur Open Source Convention seines Fachverlags ein paar prägnante Thesen parat. Er glaubt, Oracle werde irgendwann von Ebay übernommen. Außerdem meint der CEO des US-amerikanischen Buchverlags, die Open-Source-Lizenzen funktionieren in ihrer derzeitigen Form nicht und drittens glaubt er, der Software-Markt werde sich auf Dauer verändern, wird er in einem Interview mit dem IDG News Service zitiert.
Derzeit finde im Internet und im Bereich Open Source ein Paradigmenwechsel statt. Kritiker und Befürworter von Open Source würden sich beispielsweise mit der Benutzerfreundlichkeit der Software auseinandersetzen, die unter entsprechenden Lizenzen entwickelt werde. Für O’Reilly sind aber andere Erscheinungen bedeutender: die "Killer-Applikationen" des Internet, wie sie von Amazon, Google und maps.yahoo.com entwickelt wurden und die auf Linux oder FreeBSD laufen. Amazon arbeite mit einer Ansammlung von Open-Source-Programmen aber unter proprietären Bedingungen. Das sei zulässig, da derartige Open-Source-Lizenzen beim Vertrieb von Software griffen, aber nicht, wenn eine Software nur angewendet und nicht verbreitet werde.
O’Reilly meint, angesichts solcher Erscheinungen sollten die Diskutanten um Open-Source-Lizenzen für einen Moment innehalten. Derartige Auseinandersetzungen seien nicht unwichtig, aber sie könnten die Sicht auf andere Dinge verstellen, die im Moment wichtiger sein könnten -- wie zum Beispiel die Entwicklung von Software hin zum gewöhnlichen Gebrauchsgut. Derzeit gebe es bei Software eine ähnliche Entwicklung, wie sie IBM mit dem PC vorangetrieben habe, glaubt O’Reilly. Nun gehe IBM bei Linux mit einer ähnlichen Strategie vor wie Compaq in der Frühzeit des PCs: Es würden Open-Source- mit proprietären Elementen vermengt, bis ein Produkt entstehe, für das die Kunden zu zahlen bereit seien. Diese "Compaq-Strategie" habe funktioniert, aber noch besser jene "Build-to-Order"-Strategie von Dell, die auch für Linux ein mögliches Geschäftsmodell sei. Allerdings sei Linux noch nicht reif dafür.
Für O’Reilly stellt sich Amazon als Plattform dar, die immer mehr Webservices anbiete, an die Kunden eigene Anwendungen anknüpfen können. Amazon sei nicht mehr nur eine Site, sie entwickle sich zu einem E-Commerce-Motor in einem größeren Ausmaß, als es derzeit wahrgenommen werde. Ein Unternehmen wie eBay erreiche eine kritische Masse an Kunden und Daten, sodass es irgendwann einmal ein Unternehmen wie Oracle kaufen werde. Die Bedeutung solcher Unternehmen wie Amazon sollten die Konkurrenten nach Meinung von O’Reilly nicht unterschätzen, also nicht den gleichen Fehler wie seinerzeit IBM gegenüber Microsoft machen. (anw)