BLM: Digitalisierung kommt nur langsam voran
Die Digitalisierung der elektronischen Medien in Deutschland kommt nach Einschätzung des Präsidenten der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien nicht richtig in Gang.
Die Digitalisierung der elektronischen Medien in Deutschland kommt nach Einschätzung der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) nicht richtig in Gang. Trotz vielfältiger Möglichkeiten wie individueller Programmangebote und einer besseren technischen Qualität fehle es noch an einer breiten Akzeptanz bei den Verbrauchern, sagte BLM-Präsident Wolf-Dieter Ring in eingem Grußwort zur heutigen Veranstaltung "Deutschland einig Kabelland" in München. Ein weiterer Ausbau des Kabelmarktes erfordere die Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern und Programmanbietern.
Es sei unbestritten, dass die Digitalisierung der elektronischen Medien zahlreiche Vorteile gegenüber der analogen Verbreitung hat, meint Ring. Die Nutzer hätten mehr, vielfältigere und neue Inhalte in technisch besserer Qualität, die Anbieter könnten ihre Verbreitungskosten reduzieren und gebe es insgesamt erhebliche Umsatz- und Wachstumschancen für die Medienwirtschaft.
Andererseits sei die Digitalisierung mit zahlreichen Problemen behaftet. Viele predigten die Digitalisierung, ohne etwas dafür zu tun: Die Geräteindustrie sei sehr zurückhaltend bei der Einführung preisgünstiger digitaler Endgeräte. Die Medienpolitik entwickele kein Übergangsszenario und habe die Probleme der Finanzierung nicht gelöst. Der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation begrüße zwar den Übergang von analog zu digital, andererseits wollten die Sender aber nicht, dass sie nur noch digital ins Kabel eingespeist werden. Einer Analog-Abschaltung wolle man nur zustimmen, wenn 95 Prozent der TV-Haushalte über digitale Settop-Boxen verfügen.
Auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten, die mit zahlreichen digitalen Programmen im Kabel vertreten seien, würden kaum für ihre digitalen Angebote werben, sodass diese seit Jahren fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit gesendet würden. Unter den wenigen, die einer Digitalisierung vorbehaltlos zustimmen, seien die Netzbetreiber. Allerdings gebe es da Differenzen zwischen den Netzebene-3- und Netzebene-4-Betreibern: Die Kabel Deutschland GmbH (KDG) dränge auf eine möglichst rasche, vollständige Digitalisierung, während der Verband Privater Kabelnetzbetreiber (ANGA) fordere, dass die Digitalisierung des Kabels nicht zu Lasten der analogen Ausstrahlung gehen dürfe, da ein breitgefächertes analoges Angebot für die Position des Kabels im Wettbewerb mit anderen Übertragungstechniken unerlässlich sei.
Beim Kabel gebe es Konkurrenz mit anderen Übertragungssystemen, vor allem mit Satellit, DSL und in Zukunft in einigen Ballungsräumen auch mit DVB-T. Das Kabel könne derzeit mit der Programmvielfalt des Satelliten kaum konkurrieren. Vor allem aus Sicht der Verbraucher könne der Satellitendirektempfang noch interessanter werden, wenn in Zukunft für Kabelprogramme vermutlich mehr bezahlt werden muss als bisher. Am Beispiel Berlin werde man sehen, ob die Einführung von DVB-T ebenfalls dem Kabel Kunden wegnehmen werde. (anw)