Robocup-WM 2003: Bälle, Pässe und Stürze

Während sich die Zahl der Teams in den offiziellen Wettkämpfen nach und nach reduziert, zeigen einzelne Teilnehmer in Sonderwettbewerben zukünftige Entwicklungen im Roboterfußball.

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Von
  • Hans-Arthur Marsiske

Am heutigen Dienstag ist der Tag der Sonderwettbewerbe bei der diesjährigen Robocup-WM. Während sich die Zahl der Teams in den offiziellen Wettkämpfen nach und nach reduziert, ist Zeit, zwischendurch Ansätze für zukünftige Entwicklungen im Roboterfußball zu zeigen.

Einer dieser Sonderwettbewerbe in der Simulationsliga ist die "Coach Competition". Hierbei kann ein simulierter Trainer den Spielern während des Spiels Anweisungen "zurufen" und die Strategie dem jeweiligen Gegner anpassen. Für Zuschauer ist das nicht besonders attraktiv, weil jeweils erst im Nachhinein analysiert werden kann, inwieweit der Einfluss des Trainers den Spielverlauf beeinflusst hat. Spannender sind die Demonstrationen in der Middle Size League, die für den späten Nachmittag angesetzt sind. Mehrere Teams wollen dann zeigen, wie ihre Roboter einen gewöhnlichen FIFA-Ball erkennen. Bislang wird beim Robocup immer noch ein orangener Ball verwendet, den die Kickmaschinen ausschließlich anhand der Farbe identifizieren, allenfalls noch ergänzt durch Größenkalkulationen, um die Irreführung durch Störungen oder Farbpunkte außerhalb des Feldes auszuschließen.

Das Team Attempto Tübingen arbeitet beispielsweise an einem System, das einen schwarzweiß gemusterten Ball anhand der Grauwerte erkennt. Hierzu wurde das System zunächst trainiert, indem ihm 550 positive und 5000 negative Beispiele präsentiert wurden. Auf dieser Grundlage werden kleine Ausschnitte des Kamerabildes in zufälliger Reihenfolge untersucht und hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit, dass sie den Ball zeigen, bewertet. Auch ein teilweise verdeckter Ball soll auf diese Weise zu erkennen sein. Zukünftig wollen die Tübinger die Zuverlässigkeit des Systems weiter verbessern, indem sie auch die Form bewerten. Zunächst aber müssen sie heute abend zeigen, ob ihre Roboter den Ball besser finden als die des Teams Persia, die einfach nur nach schwarzen Punkten Ausschau halten und damit angeblich eine Trefferquote von 70 bis 80 Prozent erzielen.

Interessant dürfte auch die vom bereits ausgeschiedenen Philips Robocup Team, das 2002 und 2003 die offenen deutschen Meisterschaften im Roboterfußball gewonnen hatte, geplante Demonstration eines gezielten Pass-Spiels werden. "Wir betrachten das Pass-Spiel als eine Art heiligen Gral im Roboterfußball", sagt Teamleiter Hans Sprong. Voraussetzung dafür ist die Möglichkeit, den Ball anzunehmen. Dafür wurden bei Philips verschiedene einfache Mechanismen konstruiert, etwa eine Kunststoffrolle, die der Roboter bei Bedarf herabsenken kann und die die Energie des Balls komplett absorbiert. Es funktioniert sehr gut, wenn ein Mensch den Ball gezielt auf den Mechanismus schießt. Ob es im Zusammenspiel mehrerer Roboter auch so gut klappt, bleibt abzuwarten.

Unterdessen gab es heute vormittag ein Spiel zweier humanoider Roboter zu bewundern. Es bestand im wesentlichen darin, dass der 33 Zentimeter große Tao-Pie-Pie und der zwei Köpfe größere Foot-Prints aus Takarazuka, Japan, um den Ball herum tapsten, immer begleitet von ihren menschlichen Betreuern, die sie im Fall eines Sturzes aufzufangen versuchten. Im Fall von Foot-Prints gelang das nicht immer: Mehrmals stürzte er, als er zum Schuss ansetzte. Schließlich gelang es ihm dann doch, den Ball in die richtige Richtung zu kicken -- 1:0. Das war dann auch das Endergebnis der von Schiedsrichter Jacky Baltes etwas großspurig als "erstes Fußballspiel humanoider Roboter" angekündigten Begegnung.

Zur Robocup-WM siehe auch:

(Hans-Arthur Marsiske) / (wst)