Das Internet ist weiter eine Männerdomäne
Das Internet entwickle sich zunehmend zu einem multimedialen Informations- und Unterhaltungsmedium, ergeben zudem Langzeitbetrachtungen der Internetnutzung.
Im zweiten Quartal 2003 hatten 55 Prozent der deutschen Erwachsenen einen Internetzugang. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im ersten Quartal, hat die Forschungsgruppe Wahlen herausgefunden. In Ostdeutschland beträgt der Prozentsatz nun 49 Prozent, also ein Prozentpunkt mehr, während es im Westen Deutschlands bei einem Plus von zwei Prozentpunkten 56 Prozent sind. Die "geschlechtsspezifische Affinität" zum Internet zeigt sich aber immer noch deutlich: Männer haben zu 64 Prozent und Frauen zu 47 Prozent einen Internetzugang. Im Vorquartal betrug dieses Verhältnis 60 Prozent zu 46 Prozent.
Unter den Altersgruppen stechen die 25- bis 29-Jährigen mit 79 Prozent Zugang zum Internet hervor. Am geringsten ist dieser Anteil mit 21 Prozent bei den Erwachsenen ab 60 Jahren. Auch unter den Berufs- und Bildungsgruppen sowie unter den Anhängern der Parteien gibt es wesentliche Unterschiede: So haben 37 Prozent der Arbeiter einen Internetzugang, während der Anteil bei den Selbstständigen 70 Prozent beträgt, ebenso wie unter den Erwachsenen mit Hochschulreife gegenüber 35 Prozent bei jenen mit Hauptschulabschluss und Lehre. 79 Prozent der befragten Anhänger der Grünen haben einen Online-Zugang, während es unter SPD- und CDU/CSU-Anhängern 55 Prozent sind.
Die Forschungsgruppe Wahlen hat für die Strukturdaten zur Internetnutzung zwischen dem 7. April und dem 26. Juni insgesamt 3844 Personen befragt. Anders gehen die Marktforscher von Forsa vor: Sie befragen nach eigenen Angaben seit Dezember 1998 jeden Tag telefonisch rund 500 Personen im Alter ab 14 Jahren, im ersten Quartal 2003 etwa 30.000 Personen, für die Studie @facts. Von diesen haben etwa 15.000 angegeben, innerhalb der vergangenen zwölf Monate das Internet genutzt zu haben. Hochgerechnet seien das 52 Prozent oder 33,3 Millionen Bundesbürger. Im August 2002 waren es 32,1 Millionen.
Das Medium werde sich unter den Deutschen weiter ausbreiten, glaubt Forsa, denn fünf Millionen Menschen planen in den kommenden sechs Monaten erstmals online zu gehen. Die Langzeitbetrachtung zeige, dass sich die Verbreitung des Internet in der Bevölkerung etwas verlangsamt. Dabei verändere sich die Qualität der Internetnutzung: Kenngrößen wie Zugangsgeschwindigkeit, Nutzungshäufigkeit und -dauer wiesen weiter hohe Steigerungsraten auf.
Das Internet werde nach wie vor überwiegend genutzt, um Texte zu lesen und Bilder anzusehen, aber bei Surfern mit DSL-Zugängen und Flatrate sieht es zunehmend anders aus. Etwa die Hälfte von ihnen nutzt das Internet zum Herunterladen von Musik oder Hören von Streams. Daraus schließt Forsa, dass sich das Internet zunehmend zu einem multimedialen Informations- und Unterhaltungsmedium entwickelt. DSL-Nutzer mit Flatrate sind heute über zwei Stunden täglich im Netz, während Analog-Nutzer nur 47 Minuten online sind. (anw)